Ende des Schulkindergartens Ihlower Rat kippt seine eigene Entscheidung
Der Ihlower Rat hat mehrheitlich das Ende des Schulkindergartens in Westerende-Kirchloog beschlossen. Die Verantwortung hierfür sehen sie allerdings bei anderen politischen Akteuren.
Westerende-Kirchloog - Nun also doch: Der Ihlower Schulkindergarten an der Grundschule Westerende-Kirchloog schließt zum 1. August seine Türen. Zu diesem Votum hat sich eine Mehrheit des Ihlower Rates in seiner jüngsten Sitzung durchgerungen. Damit kippte das Gremium seine eigene Entscheidung aus der Maisitzung. „Wir können natürlich nicht über gleiche Themen Abstimmungen halten, bis das Ergebnis passt“, erklärte Bürgermeister Arno Ulrichs. Doch in diesem Fall läge eine neue Sachlage vor, die die erneute Abstimmung erforderlich machte.
So hatten sowohl der Bildungsausschuss als auch der Rat zunächst für den Erhalt der Einrichtung gestimmt. Gleichzeitig verfasste die Gemeinde einen Brief an das Kultusministerium, die regionale Schulbehörde sowie die Landtagsabgeordneten. Inzwischen ist die Antwort der Kultusministerin eingetroffen. „Das Land signalisiert keinerlei Unterstützung. Die Grundschule bekommt für den Schulkindergarten keine zusätzlichen Lehrerstunden“, berichtete Arno Ulrichs im kurz vor der Ratssitzung einberufenen Fachausschuss.
Auswirkungen auf die Drittklässler
Grund für die Diskussion um die Schließung war ein Votum der Schulgremien gewesen. So hatten diese sich für das Ende der Einrichtung ausgesprochen, da keine Lehrkräfte zur Verfügung standen. Hätte sich die Ihlower Politik weiterhin für den Erhalt ausgesprochen, hätte dies Folgen für die Grundschule gehabt. „Sehr wahrscheinlich hätten die beiden dritten Klassen zusammengelegt werden müssen – mit 28 Kindern“, erläuterte Ulrichs. Nur so wären Lehrerstunden für den Schulkindergarten frei geworden.
Anita Biller (SPD) machte im Bildungsausschuss deutlich, dass sie unter diesen Umständen für die Schließung stimmen werde. Denn nur um bis zu 13 Kindern, die vermehrt aus der Stadt Aurich kommen, ein besonderes Angebot machen zu können, dürften die Ihlower Grundschüler nicht darunter leiden. Dieses Argument wollte Renate Dittrich (SPD) nicht gelten lassen. Es sei egal, woher die Kinder kämen, die den Schulkindergarten besuchen. „Wir tragen das auf dem Rücken der Schwächsten aus“, bekam sie in der Ratssitzung Rückenwind von Gerd Jakobs (UWG).
Gemischtes Votum in beiden Gremien
Der Schulkindergarten bietet schulpflichtigen Kindern, die in ihrer Entwicklung noch nicht so weit sind, die Möglichkeit eines sanften Übergangs. Sie können auf Empfehlung des jeweiligen Schulleiters zurückgestellt werden. Und nach ihrer Kindergartenzeit noch ein Jahr bekommen, um sich auf den Schulalltag einzustellen. Die Frage, die für einige Ratspolitiker unbeantwortet blieb, war, wohin diese nun stattdessen gehen sollen. Die Kindergärten müssten sie weiter betreuen oder sie müssten eingeschult werden, obwohl sie noch nicht so weit seien, befürchtete Dittrich. „An der Einrichtung festzuhalten, ist von der Landespolitik nicht gewollt. Der Schulkindergarten ist ein Auslaufmodell. Stattdessen setzt die Regierung voll auf Inklusion“, so Bürgermeister Ulrichs.
„Ich habe vehement für den Erhalt gestritten“, sagte Martin Jürgens (SPD), Ortsbürgermeister von Westerende-Kirchloog. Doch bliebe die Unterstützung durch die Behörden und Nachbarkommunen aus. „Es ist ein Armutszeugnis, dass unsere Grundschule mit dem Problem alleine gelassen wird.“ Dies könne er nicht verantworten und werde für die Schließung stimmen. Dies fand die Zustimmung der Grünen-Fraktion. „Wir können den Schulleiter nicht im Regen stehen lassen“, betonte Sabine Hohagen.
Entsprechend gemischt fiel das Votum der politischen Gremien aus. Bei der Ratssitzung sprachen sich 15 Mitglieder für die Schließung aus, fünf waren dagegen und acht Politiker enthielten sich. Ein ähnliches Bild zeigte sich zuvor im Bildungsausschuss: Sieben der Mitglieder empfahlen die Schließung, drei waren für den Erhalt und eine Person enthielt sich bei der Abstimmung.