Elektronische Übermittlung E-Rezepte in Aurich bisher selten im Umlauf
Seit 1. Juli können Patienten ihre Rezepte einfacher digital bei den Apotheken einlösen. Doch in Aurich wird dies aus mehreren Gründen bisher kaum genutzt.
Aurich - Erleichterung für Patienten und Praxen soll das neue elektronische Rezept bringen. Seit 1. Juli wurde in Deutschland flächendeckend das E-Rezept statt des üblichen Papierausdrucks eingeführt. Doch in Auricher Apotheken ist noch keines eingetroffen. „Wir warten“, sagt Lars Bakker als Inhaber der Auricher Burg- und der Hof-Apotheke. Einlesen könnten die Apotheken die elektronischen Rezepte schon lange. Dafür mussten sowohl neue Software als auch Lesegeräte angeschafft werden.
Denn das E-Rezept soll seit Anfang des Monats von den Arztpraxen einfach mittels Zugang über die Versichertenkarte der Patienten gespeichert werden. Damit gehen diese dann in die Apotheke, wo der Chip der Karte ausgelesen werden kann. Oder die Rezepte werden direkt von den Ärzten digital an die Apotheken übermittelt. „Wenn bisher jemand ein ausgestelltes E-Rezept hatte, war es ein QR-Code auf Papier“, erzählt Bakker. Auch eine App ist für das Auslesen der E-Rezepte im Einsatz, dafür werde jedoch eine Pin der Krankenkasse benötigt. Das System sei noch nicht ausgereift. Seines Wissens gab es Probleme bei den Chips der Gesundheitskarten. Die Krankenkassen AOK, DAK, hkk und Barmer versichern auf Nachfrage der ON, dass ihre Versicherten ab sofort ihre bisherige Gesundheitskarte nutzen können, um sich E-Rezepte ausstellen zu lassen. Eine PIN sei nicht länger erforderlich. Allerdings seien noch längst nicht alle Arztpraxen mit der entsprechenden Software ausgestattet.
Aufwand und Kosten sind Ärzten zu hoch
So geht es auch Dr. Jörg Weißmann. Er habe in seiner kleinen Praxis auch noch keine technische Möglichkeit, digital Rezepte auszustellen, sagt der Vorsitzende der Ärztekammer der Bezirksstelle Aurich. Wer von seinen Kollegen E-Rezepte nutze, gebe in der Regel zusätzlich einen Papierausdruck mit. „Auf das neue System sind noch lange nicht alle eingestellt“, so Weißmann. Der Aufwand und die Kosten seien derzeit noch höher als der Nutzen.
Auch der Timmeler Allgemeinmediziner Dr. Lukas Bockelmann sieht den Nutzen der derzeitigen Vorgehensweise noch nicht. Er spüre unter den Kollegen eine große Unsicherheit, wie die Digitalisierung klappen soll, so der Vorsitzende des Auricher Ärztevereins. Er würde diese durchaus begrüßen, sie müsse jedoch Vorteile für die Patienten und Ärzte mit sich bringen. „Beides ist bisher nicht zu erkennen“, so Bockelmann.
Auricher KVN-Chef sieht schrittweise Umsetzung
Sollte es flächendeckend funktionieren, könne sich Weißmann schon eine Erleichterung für die Praxen und Patienten vorstellen. Doch noch gebe es Anlaufschwierigkeiten – genau wie bei der Einführung der elektronischen Patientenakten. Für viele sei zudem der Zeitpunkt der Neuerung schlecht gewählt. „Viele denken, wir haben schon genug zu tun“, sagt Weißmann. Die Verbesserung solle zwar kommen, aber nicht übers Knie gebrochen werden.
Das sieht auch die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) so. Ihr Auricher Geschäftsführer, Dieter Krott, spricht von einer sehr kurzfristigen Frist, die alle überrascht habe. Denn zunächst sollte das E-Rezept erst zum 1. Januar 2024 eingeführt werden. „Das ist wesentlich realistischer“, so Krott. Das Zusammenspiel zwischen den Akteuren müsse passen. „Ich verstehe die Eile nicht.“
Aufwand für Apotheken minimieren
Bisher würde die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eher Mehrarbeit statt eine Erleichterung für die Praxen mit sich bringen. Das würden die Ärzte auch beim E-Rezept befürchten, sagt der KVN-Geschäftsführer. Er rechne daher mit einer schrittweisen Umsetzung bis Ende des Jahres.
Apotheker Lars Bakker hingegen sieht viele Vorteile beim E-Rezept. So würden sie jetzt für einige ältere Patienten quer durch das Stadtgebiet zu den Arztpraxen fahren, um die Papierrezepte abzuholen. Anschließend würden die Medikamente aus den Apotheken zu den Patienten nach Hause gebracht. Durch das E-Rezept falle eine Tour zumindest weg. Sollte zusätzlich noch eine Änderung der E-Rezepte bei fehlenden Angaben von Seite der Praxen möglich sein, würde weiterer Aufwand für die Apotheken entfallen. „Noch sind aber viele Fragen offen, das System ist noch nicht ausgegoren“, so Bakker. Er empfindet das als frustrierend. Die Apotheken würden die notwendige Technik schon seit September vorhalten, doch genutzt würde sie nicht.