Fachkräftemangel Azubis im Kreis Aurich dringend gesucht
Die freie Auswahl haben Schulabgänger im Landkreis Aurich, wenn es um Ausbildungsplätze geht. In fast allen Branchen fehlt der Nachwuchs. Ein Beruf sticht dabei hervor.
Aurich - Bestens stehen derzeit die Chancen für Jugendliche, jetzt noch einen Ausbildungsplatz für dieses Jahr zu ergattern. Denn zahlreiche Ausbildungsplätze sind noch unbesetzt, wie die Agentur für Arbeit Emden-Leer auf ON-Anfrage mitteilt. Im gesamten Bezirk sind laut Sprecherin Vanessa Scheljagin 1464 Ausbildungsstellen unbesetzt. Alleine im Landkreis Aurich sind es im Juni 570 unbesetzte Stellen gewesen. Das sind drei Prozent weniger als vor einem Jahr. Dieser Zahl gegenüber standen 400 Bewerber, die noch keine Ausbildungsstelle gefunden haben, elf Prozent weniger als im Juni 2022.
Besonders gesucht werden laut der Statistik Kaufleute im Einzelhandel. Dort sind im Kreis Aurich noch 50 Ausbildungsstellen zu besetzen. Auch im Verkauf werden Leute gesucht, ebenfalls 50 freie Stellen meldet die Arbeitsagentur. Danach folgen Kaufleute für Büromanagement und Köche (beide 30).
Handwerk: Schulabschluss ist egal
„Wer noch einen Ausbildungsplatz sucht, sollte die Zeit nutzen“, sagt Roland Dupák, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Emden-Leer. Kurz vor den Sommerferien appelliert er an junge Menschen, die noch keinen Ausbildungsplatz haben: „Es gilt jetzt aktiv zu werden und sich um die berufliche Anschlussperspektive zu kümmern.“
Dabei ist es laut Dirk Bleeker, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Ostfriesland, unerheblich, über welchen Schulabschluss die Bewerber verfügen. Hauptschule, Realschule oder Gymnasium – das Handwerk mache da keinen Unterschied. „Es werden alle gleich gerne genommen.“ Wichtig sei eine andere Qualifikation, so Bleeker: „Die jungen Leute müssen wollen.“
Einwanderung soll Fachkräftemangel lösen
Der Zug für einen Ausbildungsbeginn zum 1. August oder zum 1. September sei noch nicht abgefahren. Das gelte insbesondere für Berufe, die mit dem Klimawandel zu tun hätten. Wer Photovoltaikanlagen oder Wärmepumpen aufbauen könne, sei ganz eindeutig im Vorteil.
Nachwuchssorgen plagen das Handwerk in der Region, so Bleeker. Der Grund dafür sei simpel. „Viele Handwerker gehen in den Ruhestand, und es kommen immer weniger junge Menschen nach.“
Ein Problem, das nach dem Willen der Bundesregierung nur mit einer höheren Einwanderungsquote gelöst werden könnte. Fachkräfte sollen schneller und unbürokratischer in Deutschland arbeiten können – das ist das Versprechen, das der Bund mit dem „Gesetz zur Weiterentwicklung der Fachkräfteeinwanderung“ macht. Wer zwei Jahre Berufserfahrung und einen Abschluss in seinem Heimatland habe, könne als Fachkraft nach Deutschland kommen, heißt es auf der Homepage der Bundesregierung.
Berufsberatung hilft bei Vermittlung
Ein Gesetz, das offenbar dringend nötig ist. Denn das Handwerk konnte laut Dirk Bleeker bislang weder von der Flüchtlingswelle 2015 noch von der jetzigen Migration aus der Ukraine profitieren. „Viele Ukrainer sind im Augenblick noch nicht relevant für die Ausbildung.“ Die jungen Menschen würden hauptsächlich noch in den allgemeinbildenden Schulen stecken. Und die syrischen Flüchtlinge aus dem Jahr 2015 seien mit ihrer Ausbildung durch und hätten mit etwas Glück ihren Platz auf dem deutschen Arbeitsmarkt gefunden.
Einen großen Bedarf gebe es bei allen Berufen, die etwas mit dem Klimawandel zu tun hätten. Das bestätigt auch die Statistik der Arbeitsagentur für den Landkreis Aurich. Im Bereich „Klempnerei, Sanitär, Heizung und Klimatechnik gibt es derzeit noch 20 offene Ausbildungsstellen. Nur zehn Bewerber haben bei der Arbeitsagentur diesen Berufswunsch angegeben und sind zurzeit noch unversorgt.
Die Chancen, noch in diesem Sommer mit einer Ausbildung zu beginnen, seien ausgesprochen gut, heißt es in einer Mitteilung der Arbeitsagentur.
Denn nach wie vor gebe es auf dem Ausbildungsmarkt in Ostfriesland viele freie Ausbildungsplätze in fast allen Branchen.
Wer sich noch nicht mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Verbindung gesetzt habe und Unterstützung bei der Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz benötige, sollte demnach schnellstmöglich den Kontakt zu den Beratern aufnehmen.
Alternativ, so Dirk Bleeker, könne man sich auch einfach an den Handwerker seiner Wahl in der Nähe wenden. Die Chancen, dass dieser noch einen freien Ausbildungsplatz hat, seien derzeit relativ hoch. „Wenn man richtig Bock hat, dann kommt man auch unter“, so der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Das gelte nicht nur für die Klima-Berufe, sondern für alle handwerklichen Berufe.