Grundschule Im Spiet in Norden Elternrat fordert in Brandbrief Absetzung der Schulleitung
Die Situation an der Schule ist aus Sicht der Eltern nicht mehr tragbar. Am Mittwochnachmittag kommt Schuldezernent Thomas Brederlow in die Gesamtkonferenz an der Schule.
Norden - Showdown an der Grundschule Im Spiet, der größten Grundschule in Norden: Massive Personal-Probleme, Unterrichtsausfall, fehlende Betreuung im Ganztag, aber auch Unzufriedenheit mit der Schulleitung, werden am Mittwochnachmittag Themen in der Gesamtkonferenz der Schule sein. In dieser Woche hatte der Schulelternrat der Schule einen Brandbrief an den zuständigen Schuldezernenten Thomas Brederlow geschickt, in dem die Absetzung der Schulleitung gefordert wurde. Auch Bürgermeister Florian Eiben hat diese Mail bekommen. Die Stadt soll sich bereits ähnlich gegenüber Brederlow positioniert haben. Zuvor waren Vertreter des Elternrates auch im Schulausschuss der Stadt Norden. In der Einwohnerfragestunde informierte die Vorsitzende des Schulelternrates, Danielle Schlüter, über die Zustände an der Schule. Schuldezernent Brederlow hat sein Kommen für die Sitzung am Mittwoch angekündigt. Jetzt hoffen sowohl das Kollegium als auch die Eltern, dass sich an der Situation an der Schule etwas ändert.
Die Grundschule Im Spiet
Die Grundschule Im Spiet ist seit 2002 verlässliche Grundschule und seit 2008 offene Ganztagsschule. Das Einzugsgebiet umfasst die Stadtteile westlich der Norddeicher Straße und des Burggrabens. Rund 350 Schüler besuchen die Schule. Dabei ist die Klientel aufgrund des Einzugsgebietes nicht einfach. Da die Kinder aus den Großsiedlungen am Warfenweg und im Spiet zu dieser Schule gehen, ist der Anteil der Kinder mit einem Migrationshintergrund und fehlenden Sprachkenntnissen sehr hoch. Diese Schüler sind dringend auf Hilfe und Förderunterricht angewiesen. Aufgrund der derzeitigen Situation an der Schule versuchen viele Eltern aus gut situierten Familien, ihre Kinder auf anderen Schulen der Stadt unterzubringen. Das könne aus Sicht des Elternrates aber auch nicht Sinn und Zweck sein. Denn dann würde die Grundschule Im Spiet zu einer reinen Problemschule werden und die Bildungschancen der dortigen Kinder weiter sinken.
Was ist das Problem? Die Eltern machen das in dem Brandbrief deutlich: „Wir Eltern der Grundschüler sind wütend und sehen die Zukunft unserer Kinder massiv gefährdet. Viel zu lange ist über die tatsächliche Situation an der Schule geschwiegen worden“, heißt es. Aufgrund von Personalmangel kann die Unterrichtsversorgung nicht mehr gewährleistet werden. Immer wieder müssen zweite Klassen ins Homeoffice wechseln. Pädagogische Mitarbeiter müssen Klassen unterrichten mit Material, das ihnen die ausgefallenen Lehrer zum Teil zur Verfügung stellen. Förderunterricht gibt es quasi nicht mehr. Im Ganztag ist die Lage mittlerweile so prekär, dass zum Teil nur noch zwei Aufsichtspersonen für 60 Kinder zuständig sind. Die eigentlich 90 Ganztagsplätze an der offenen Ganztagsschule können schon lange nicht mehr besetzt werden. Qualifizierte Angebote im Ganztag, wie sie auf der Homepage der Schule angepriesen werden, wie etwa kreative Angebote (Werken, Textil, Kunst), Musik und Theater, Sport (Tanzen, Trampolin springen, Turnen, Ballspiele, Ringen und Rangen), Angebote im Freien (Gartenarbeit, Hof Belvedere), Kochen, Angebote zu sachunterrichtlichen Themen (Tiere, Unsere Welt, Experimente), gibt es schon lange nicht mehr. Für das kommende Schuljahr ist jetzt auch noch die Hausaufgabenbetreuung im Ganztag gestrichen worden. Zwar werde Zeit für die Hausaufgaben zur Verfügung gestellt, heißt es von der Schule, es wird aber kein Personal mehr zur Verfügung stehen, die die Kinder dabei begleitet, Fragen beantwortet oder die Hausaufgaben kontrolliert.
Eltern: Viele Kinder werden abgehängt
Das wird aus Sicht des Elternrates aber dazu führen, dass noch mehr Grundschüler abgehängt werden. „Wir sprechen an der Grundschule Im Spiet über viele Schüler, die aufgrund ihrer Herkunft ohnehin schon benachteiligt sind. Es sind Schüler, die zum Teil nicht in der Lage sind, im Unterricht einfachste Anforderungen zu erfüllen. Es sind Kinder, die zum Teil nicht mal in der Lage sind, ihr Material allein zu organisieren“, heißt es in dem Brandbrief. Diese Kinder bei den Hausaufgaben sich selbst zu überlassen, werde zwangsläufig dazu führen, dass sie in ihrer Bildungslaufbahn noch weiter abgehängt werden als ohnehin schon.
Bau der neuen Mensa wird zur unendlichen Geschichte
Drei Schulen werden im Startchancenprogramm gefördert – doch eine fehlt
Diejenige, die eigentlich dafür verantwortlich ist, Abhilfe für die Probleme zu schaffen, die Schulleiterin, ist seit Monaten krankgemeldet, ist, wenn überhaupt, nur zwischendurch wenige Tage an der Schule. Doch auch dann scheinen die Probleme nicht gelöst zu werden. Wie unsere Zeitung aus dem Kollegium erfuhr, ist auch dort der Frust groß. Vor allem kritisieren sie fehlende Kommunikation der Schulleitung mit dem Kollegium. Außerdem würden Dinge nicht angepackt, Hinweise ignoriert, die verbleibenden Lehrer mit der Situation allein gelassen. Wegen der massiven Überlastung der noch vorhandenen Lehrer drohen diese aber als Nächstes auszufallen. Für Anfragen ist die Schulleitung derzeit nicht erreichbar, heißt es in einer Mail der Schule.
Elternrat spricht von zerrüttetem Vertrauensverhältnis zur Schulleitung
Der städtische Schulausschuss wusste von diesen Problemen nach eigenen Aussagen noch nichts. „Es ist gut, dass Sie uns informieren“, sagte Ausschussvorsitzender Eckhard Lüers (ZOB). Zuständig ist die Stadt für die Personalsituation aber nicht, betonte der Erste Stadtrat Marcus Aukskel. Das sei Sache des Landes. Trotzdem sagte die Verwaltung zu, mit dem zuständigen Dezernenten zu sprechen.
Der Elternrat spricht von einem zerrütteten Vertrauensverhältnis zur Schulleitung und forderte im Brandbrief von Thomas Brederlow, die Schulleiterin „nicht weiter als Schulleitung an der Grundschule Im Spiet einzusetzen“. Ob es so weit kommt, wird sich nach der Sitzung am Nachmittag zeigen.