DFB reformiert den Mädchenfußball  Das Aus für den Bundesliga-Fußball in Aurich

| | 27.06.2023 19:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vor 3300 Zuschauern spielten die Auricher B-Juniorinnen gegen Frankfurt. Namhafte Gegner auf dem Ellernfeld sind künftig nur noch im Pokal möglich.Foto: Helmut Vortanz
Vor 3300 Zuschauern spielten die Auricher B-Juniorinnen gegen Frankfurt. Namhafte Gegner auf dem Ellernfeld sind künftig nur noch im Pokal möglich.Foto: Helmut Vortanz
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Zu wenige Talente: Der DFB löst die höchste Spielklasse der B-Juniorinnen zur Saison 2024/25 auf – was das für die Sportvereinigung Aurich und den Mädchenfußball bedeutet.

Aurich - Vor wenigen Wochen lagen sich mehr als 3000 Zuschauer beim Halbfinal-Sieg der Auricher B-Juniorinnen gegen Eintracht Frankfurt in den Armen, nur Bayer Leverkusen verhinderte im Finale das Märchen „Deutsche Meisterschaft“ für die Auricher Mädchen. Keine Frage: Mädchen- und Frauenfußball ist in Aurich und Umgebung momentan die ganz große Nummer in der Zuschauergunst.

Doch die Auricher müssen in naher Zukunft ohne die großen Namen auf dem Ellernfeld auskommen. Der Deutsche Fußball-Bund wird die B-Juniorinnen-Bundesliga zur Saison 2024/2025 abschaffen.

Alternative NLZ und Niedersachsenliga

Auf einer Videokonferenz sind die Trainer von der wohl endgültigen Entscheidung des DFB informiert worden. Ein Jahr lang dürfen sich die SpVg-Spielerinnen noch in der Bundesliga beweisen. Danach gibt es für die Sportvereinigung zwei verschiedene Möglichkeiten. Entweder die Mädchen spielen in der höchsten lokalen Mädchenliga – das wäre in Aurichs Fall die Niedersachsenliga. Die andere Variante ist ein Ligabetrieb mit Jungenmannschaften. Auf namhafte Gegner zu treffen, ist nur noch in der neu geschaffenen Pokalrunde für die besten Mannschaften möglich. Der DFB nennt diese großen Umwälzungen „Projekt Zukunft“. Aurichs Trainer Stefan Wilts hatte es bereits geahnt. Bereits vor fünf Jahren hatte der größte Sportverband der Welt einen Fragebogen an die Vereine geschickt. Die Fragestellung lautete: Kann die B-Juniorinnen-Bundesliga verbessert werden? „Das war natürlich etwas hinterhältig. Diese Frage haben alle Trainer bejaht“, sagt Wilts.

Die Evaluation für das „Projekt Zukunft“ brachte für die Gremien des DFB folgende Erkenntnisse: Das sportliche Niveau innerhalb der drei Staffeln ist nicht ausgeglichen. Die Bundesliga bringt keine Talente für die National-Mannschaft hervor. Und Spiele gegen Jungen scheinen für die Spielerinnen eine sportliche Herausforderung zu sein. Punkte, die Wilts so nicht unterschreiben kann. „Meine Mädchen spielen nicht gerne gegen Jungs. Die körperlichen Unterschiede sind einfach zu groß. Und wenn die Mädchen dann gegen Bezirksliga-Jungs verlieren, werden sie aufgezogen. Man kann Äpfel eben nicht mit Birnen vergleichen.“ Optimaler wäre in dieser Hinsicht ein Zweitspielrecht – so wie es die Auricher mit einigen Spielerinnen praktizieren. „Das bringt mehr, da können sie sich die nötige Zweikampfhärte holen“, sagt Wilts.

DFB-Pokal für die besten Mannschaften

Talente sieht Wilts im Gegensatz zum DFB Woche für Woche auf den Fußballplätzen in Nord- und Ostdeutschland. Es gehe schließlich auch um eine breite Förderung von Talenten. Davon würden alle weiterführenden Frauen-Ligen profitieren.

Eine Möglichkeit, gelegentlich im Konzert der großen Clubs mitzuspielen, ist der DFB-Pokal für die besten Mannschaften. Dafür müssen die Vereine Nachwuchsleistungszentren (NLZ) schaffen. Für viele kleine Vereine könnte die Zeit, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, zu knapp sein. Nicht so bei der Sportvereinigung Aurich. „Wir erfüllen schon jetzt alle Bedingungen“, sagt Wilts. In einem Drei-Sterne-System würde die SpVg schon mindestens zwei Sterne sicher haben, glaubt Wilts. „In einigen Bereichen sind wir besser aufgestellt als die Profi-Clubs“, sagt Wilts.

SpVg erfüllt Kriterien für Leistungszentrum

Finanziell müsste sich die Sportvereinigung keine Sorgen machen. Für die Bundesliga kassiert der Verein vom DFB Fördergelder zwischen 25 000 und 30 000 Euro. „Für die Leistungszentren wäre die Förderung sogar noch höher. Wir überlegen, ob wir das machen, schließlich muss sich das ganze selber tragen“, sagt Wilts, der auch Geschäftsführer des Auricher Fußballvereins ist. Im November startet der DFB ein Pilotprojekt und will vier Vereine genau unter die Lupe nehmen. „Wir warten die genauen Details mal ab“, gibt sich Wilts gelassen.

Und was ist mit den 13 Neuzugängen für die kommende Saison? Stefan Wilts berichtet, dass alle Mädchen wissen, dass sie nur noch ein Jahr in der Bundesliga spielen können. „Sie wollen auch danach hier weiterspielen. Und ein Jahr können sie sich ja auch noch in der Bundesliga beweisen“, sagt Wilts.

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