Osnabrück  Deutsche lieben Bargeld – sind wir deswegen etwa alle Geldwäscher?

Marion Trimborn
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Von Marion Trimborn
| 26.06.2023 13:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Deutschen lieben das Bezahlen mit Bargeld - doch die Politik will die Verwendung einschränken Foto: dpa/Patrick Pleul
Die Deutschen lieben das Bezahlen mit Bargeld - doch die Politik will die Verwendung einschränken Foto: dpa/Patrick Pleul
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Nach wie vor sind in Deutschland Euro-Münzen und Scheine das wichtigste Zahlungsmittel. Immer wieder gibt es Vorstöße der Politik, die Nutzung von Bargeld einzuschränken – angeblich im Kampf gegen Kriminelle. Was soll das? Eine Liebeserklärung an Klimpergeld und Scheine.

Vor ein paar Tagen war ich wieder in unserem Stamm-Imbiss essen, wie so oft. Wir kamen zusammen auf 26,50 Euro, was ich wie jedes Mal in bar gezahlt habe, denn dieses Schnellrestaurant nimmt keine Karte. Da sind sie nicht die einzigen. Auch beim Frisör komme ich mit meiner EC-Karte nicht weiter, zu hohe Kosten, zu kompliziert sei das Ganze, sagt die freundliche Frisörin. 

Mir sind diese Betreiber sympathisch. Sie glauben noch an den Wert des bedruckten, bunten Papiers, nur Bares ist eben Wahres. Ich habe sie kein bisschen im Verdacht, Geldwäsche zu betreiben oder sonstige hinterhältige Dinge mit ihrer Liebe zum Bargeld zu verbinden. Sie sind einfach pragmatisch unterwegs. 

Dabei suggeriert die Politik ja gern, dass irgendetwas nicht stimmt, wenn Bürger Bargeld auch bei größeren Summen nutzen. Da ist zum Beispiel Nancy Faeser, ihres Zeichens Innenministerin, die der Kriminalität und Geldwäsche qua Job den Kampf angesagt hat. Jüngst hat die SPD-Politikerin eine allgemeine Bargeldobergrenze von deutlich unter 10.000 Euro gefordert mit der Begründung: „Deutschland darf kein Hort für Geldwäscher sein.” Seit Frühjahr dürfen Immobilien nicht mehr in bar bezahlt werden.

Sind die Deutschen etwa verruchte Geldwäscher, nur weil sie 60 Prozent aller Transaktionen immer noch mit Scheinen und Münzen bar bezahlen? Ich finde, das ist ganz schön weit hergeholt. Ein Beispiel ist das Einstampfen des 500-Euro-Scheins. Seit 2018 druckt die Europäische Zentralbank diesen Schein nicht mehr, es war ein Versuch, die Schattenwirtschaft einzudämmen.

Doch Studien der Bundesbank zeigen: Das hatte keinen nennenswerten Einfluss auf die Eindämmung von illegalen Geschäften wie etwa den Drogenhandel. Die Mafia und andere illegale Gruppen sind schlau, sie nutzen Scheinfirmen, Krypto-Währungen oder machen Warentausch.

Wer unter solchen Maßnahmen leidet, ist der Bürger und an dem Punkt beginne ich mich zu ärgern. Wenn ich überall digital zahlen soll, hinterlasse ich eine breite und dauerhafte Spur, vom Frisör bis zum Imbiss. Meine finanziellen Aktivitäten können elektronisch überwacht werden. Wen hat das zu interessieren?

Bargeld ist einfach und effektiv. Es funktioniert ohne Strom und ohne Smartphone. Ich kann mir Sachen kaufen, ohne dass jemand anderes nachvollziehen kann, was ich damit gemacht habe. Das ist für mich ein Stück Freiheit.

Ich kann auf dem Flohmarkt einkaufen und wenn ich mag, dem Sänger in der Fußgängerzone ein paar Münzen in den Hut werfen. Bargeld ist für jeden Menschen in jeder Situation nutzbar, auch für Leute, die noch nicht mal ein Girokonto haben. Bargeld ist einfach wundervoll – oder?

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