Kiel SH-Ministerpräsident Daniel Günther grölt Partyhit „Layla“ auf der Kieler Woche im Bayernzelt
Kieler Woche: Ministerpräsident Daniel Günther aus Schleswig-Holstein singt den umstrittenen Partyhit „Layla“ im Bayernzelt und bekommt für seinen Auftritt Standing Ovations.
Am Donnerstagabend im Bayern-Zelt auf der Kieler Woche: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther steht wie viele andere Feierwütige auf den Bänken des Festzelts. Kurze Zeit später steht er auf der Bühne und singt das umstrittene Partylied „Layla“. Mit ihm singen viele hunderte Partygäste. Unserer Redaktion liegt ein Video von Günthers Gesangseinlage vor.
In den sozialen Netzwerken kursieren weitere Videos des Auftritts des Ministerpräsidenten. Günther sei von der Band auf die Bühne gebeten worden. Unter großem Jubel aber auch vereinzelten Pfiffen habe Günther neben „Layla“ auch „An der Nordseeküste“ und „Angels“ von Robbie Williams gesungen, berichtet ein Partygast. Unsere Redaktion hat eine Anfrage an die Staatskanzlei gestellt.
Daniel Günthers CDU-Kollegin und gleichzeitige Bildungsministerin Karin Prien kritisierte in einem Tweet am 12. Juli vergangenen Jahres den Partyhit „Layla“ scharf und bezeichnete den Songtext auf Twitter als „sexistisch und geschmacklos.“
Deutliche Kritik am Auftritt des Ministerpräsidenten äußert der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Losse-Müller: „Ich halte es für unangemessen, dass der Ministerpräsident auf großer Bühne singt, dass er Bordellbesitzer wäre und die Leitung seines Etablissements ‚schöner, jünger, geiler‘.“ Das Lied Layla sei sexistisch und der öffentliche Vortrag mit der Würde von Günthers Amt unvereinbar, so der Oppositionsführer im Landtag weiter: „Das wirft ein schlechtes Licht auf unser Land.“
Auch der grüne Koalitionspartner verurteilte Günthers Gesangsauftritt. „Die Hälfte der Menschen in Schleswig-Holstein sind Frauen. Von einem Ministerpräsidenten, der Gleichstellung verkörpern will und alle Menschen vertritt, erwarte ich, dass er sich seiner Verantwortung bewusst ist“, sagte die frauenpolitische Sprecherin der schleswig-holsteinischen Grünen, Marlene Langholz-Kaiser. Sexistische Narrative könnten und dürften nicht von einem Ministerpräsidenten bedient werden, völlig unabhängig davon, ob er in Funktion seines Amtes oder privat unterwegs sei.
Daniel Günther beantwortete einen Fragenkatalog der Redaktion, bei dem es unter anderem darum ging, wie er seinen Auftritt im Zusammenhang mit der CDU-Offensive für mehr Frauen in der Politik einordne, nicht. Stattdessen kam ein kurzes Statement aus der Kieler Staatskanzlei: „Der Ministerpräsident hat gestern im Rahmen eines privaten Rundgangs über die Kieler Woche auch das Bayernzelt besucht. Dort wurde er von der Band gebeten, mit ihnen einige ihrer Lieder auf der Bühne mitzusingen. Diesem Wunsch ist der Ministerpräsident wie auch schon in der Vergangenheit gerne nachgekommen.“
Für den Kieler Politikwissenschaftler Wilhelm Knelangen war Günthers Auftritt eine Inszenierung. Der Ministerpräsident habe gewusst, dass er nicht als Privatperson gesehen werde, wenn er mit Mikrofon auf einer Bühne stehe: „Ich würde das als bewusstes Zeichen sehen, mit dem er sagen wollte: Es gibt nicht nur diese korrekte grüne Welt des Wokism, sondern auch eine lebenslustige, die solche Musik zum Spaß hören will und darf.“