Friedhofsgebühren  Teure Gräber machen Auricher Politik Angst

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 20.06.2023 20:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Sandhorst befindet sich einer der vier städtischen Friedhöfe, für die die Gebühren nun steigen sollen. Foto: Romuald Banik
In Sandhorst befindet sich einer der vier städtischen Friedhöfe, für die die Gebühren nun steigen sollen. Foto: Romuald Banik
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Kostendeckend sollten die Friedhofsgebühren werden. Nun liegt die Kalkulation vor – und die Auricher Politik bekommt Angst vor der eigenen Courage.

Aurich - Vier städtische Friedhöfe gibt es in Aurich. Alle anderen gehören der Kirche. Für die vier Auricher Friedhöfe Sandhorst, Walle, Tannenhausen und Brockzetel sollen nun die Gebühren angepasst werden. Denn der Kostendeckungsgrad liegt nur bei rund 60 Prozent. Ein Unding, denn Gebühren müssen eigentlich zu 100 Prozent kostendeckend sein. Das hat sich auch der Auricher Rat gedacht und eine neue Gebührenordnung in Auftrag gegeben.

Diese wurde im Finanzausschuss am Dienstagabend erstmals von der Politik diskutiert. Über längere Strecken wirkte die Debatte, als hätten die Mitglieder des Auricher Rates Angst vor der eigenen Courage bekommen. Denn insbesondere die neuen Rasenwahlgräber beziehungsweise Rasenurnengräber sind auf den ersten Blick ziemlich teuer. Bis zu 3800 Euro werden als Nutzungsgebühr für einen Zeitraum von 25 Jahren fällig. Ein herkömmliches Reihengrab kostet für 25 Jahre nach der neuen Gebührenordnung 1325 Euro – bislang waren es nur 595 Euro.

Kirchliche Friedhöfe günstiger als städtische

CDU, SPD, GAP und Linke schlugen deshalb vor, nicht sofort eine Kostendeckung von 100 Prozent anzustreben. Der Sprung sei zu hoch. Man stelle sich vor, so Harald Bathmann (SPD), es stürbe jemand am 31. Dezember und müsse für das Rasenwahlgrab 595 Euro zahlen. Und sein Nachbar, der am 1. Januar das Zeitliche segne, müsse dafür dann mehr als das Sechsfache zahlen. Deshalb, so die vier Fraktionen, sollte der Kostendeckungsgrad jedes Jahr um zehn Prozent angehoben werden, bis die 100 Prozent erreicht seien.

Hinzu kommt, dass kirchliche Friedhöfe durchweg günstiger sind als die vorgeschlagene neue städtische Gebührenordnung. „In Middels ist das Sterben deutlich günstiger als in der Stadt Aurich“, so CDU-Ratsherr Arnold Gossel, der gleichzeitig Ortsbürgermeister in Langefeld/Middels/Spekendorf ist. Die jüngste Gebührenordnung der Kirchengemeinden hat die Lambertigemeinde. Dort kostet ein Rasenwahlgrab höchstens 2880 Euro, ein Rasenurnengrab nur die Hälfte dessen, was in Aurich künftig verlangt werden soll.

Grüne pochen auf Haushaltskonsolidierung

Es gebe keine Erfahrungen, so Heiko Denekas aus der Kämmerei der Stadt Aurich. Deswegen habe man zum Beispiel die Pflegekosten für Rasengräber schätzen müssen. Zehnmal im Jahr müsse so ein Grab gemäht werden. Das dauere jeweils neun Minuten und koste 9,75 Euro – im Jahr also knapp 100 Euro, in 25 Jahren knapp 2500 Euro. Hinzu komme die Grabgrundgebühr, die auch bei allen anderen Grabstellen anfalle.

Trotz der hohen Summen will Gila Altmann (Grüne) an der neuen Gebührenordnung, die von der Stadtverwaltung vorgeschlagen wird, festhalten: „Wir sind gehalten, Gebühren kostendeckend zu kalkulieren.“ Das gelte insbesondere in Zeiten der Haushaltskonsolidierung. Zur Erinnerung. Die Stadt Aurich hat sich mit der Verabschiedung des diesjährigen Haushalts verpflichtet, ein freiwilliges Haushaltssicherungskonzept zu erarbeiten. Auch Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht hält an dem Entwurf für die Gebühren fest. Denn diese seien nur auf den ersten Blick hoch. Für den Preis erhalte man ein Grab, um das man sich 25 Jahre lang nicht kümmern müsse.

Dore Löschen (AWG) gab zu Bedenken, dass auch normale Reihengräber gepflegt werden müssten. Auch dafür würden über 25 Jahre Kosten anfallen, die auf die geringere Nutzungsgebühr draufgerechnet werden müssten. Einig wurde sich der Finanzausschuss nicht am Dienstag. Die Verwaltung soll nun ausrechnen, was eine schrittweise Anhebung kosten würde. Die Entscheidung wird dann nächste Woche der Rat fällen.

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