Kommunale Wärmeplanung Aurich und Norden machen gemeinsame Sache
Noch in diesem Jahr wollen die beiden Kommunen die geforderte Wärmeplanung auf den Weg bringen. Deutlich früher als vorgeschrieben. Durch die Zusammenarbeit erhoffen sich die Städte einen Vorteil.
Aurich/Norden - Gelten die beiden Kommunen Aurich und Norden sonst eher als Konkurrenten, wollen sie in Sachen kommunale Wärmeplanung nun gemeinsame Sache machen. Wie die Klimaschutzmanagerin von Norden, Irma Kraken, auf ON-Anfrage bestätigte, werden die beiden Städte gemeinsam die Leistungen für die Erstellung einer kommunalen Wärmeplanung ausschreiben. Und das schnell. Noch im Juli/August soll die Ausschreibung erfolgen – und damit deutlich früher, als es Bund und Länder verlangen.
„Wir wollen die Aufgabe gemeinsam ausschreiben, damit wir für die Fachbüros attraktiver sind, weil der Auftrag größer ist“, erklärte Kraken. Dadurch erhoffen sich beide Kommunen Vorteile und gute Angebote von entsprechenden Büros. Trotzdem werde jede Stadt ihre eigene kommunale Wärmeplanung bekommen, betonte die Klimaschutzmanagerin. Seit Anfang des Jahres ist sie dazu bereits in Gesprächen, sagte sie. Das Klimaschutzkonzept der Stadt Norden ist gerade neu aufgelegt worden. Die kommunale Wärmeplanung sei darin eine der Top Maßnahmen, die umgesetzt werden sollen. Und zwar schneller als gefordert. Denn in Niedersachsen müssen die Ober- oder Mittelzentren spätestens bis zum 31. Dezember 2026 eine solche Wärmeplanung vorlegen. „Wir machen uns in Aurich und Norden jetzt schon auf den Weg, damit wir die Pläne zügig haben und zügig damit beginnen können, sie umzusetzen“, so Irma Kraken. Ein kluger Schachzug, denn je näher der Zeitpunkt rückt, an dem alle Kommunen einen solchen Plan vorlegen müssen, desto größer wird der Kampf um die geeigneten Fachbüros. Kraken hofft, nach den sechs Wochen der Ausschreibungsfrist genügend Angebote zu haben, um noch in diesem Jahr mit der eigentlichen Arbeit beginnen zu können.
Kommunen und Energieversorger müssen zusammenarbeiten
„Das Konzept ist das eine, aber wir wollen danach direkt in die Umsetzung gehen, gemeinsam mit den Stadtwerken und der EWE“, sagte Kraken. Das könne nicht nur die Stadt Norden alleine machen. Dafür müssten auch die Netzbetreiber mitmachen. Das soll im Zuge der kommunalen Wärmeplanung auch mit denen gemeinschaftlich erarbeitet werden, was möglich und leistbar ist. Ohne dem Konzept vorgreifen zu wollen, werde es sich an der kommunalen Wärmeplanung der Landkreise Friesland und Wittmund orientieren. „So in etwa wird das hier auch ablaufen“, sagte sie. Ein erstes, konkretes Projekt ist in Norden bereits geplant: Das neue Baugebiet zwischen Dortmunder und Pasewalker Straße soll mit städtischer Fernwärme versorgt werden.
Das verbirgt sich hinter der kommunalen Wärmeplanung
Die Wärmeplanung soll in den Kommunen die Grundlage für eine treibhausgasneutrale kommunale Wärmeversorgung schaffen. Mithilfe dieser Planung soll zum einen der zu erwartende Wärmebedarf einer Kommune ermittelt werden. Zum anderen soll abgestimmt werden, inwieweit dieser Bedarf mit erneuerbarer Energie gedeckt werden kann beziehungsweise welche Wärmeversorgungsinfrastruktur dafür noch aufgebaut werden muss. Die Wärmeplanung soll Planungs- und Investitionssicherheit geben. Ein kommunaler Wärmeplan enthält eine Bestandsanalyse, die Wärmebedarfe der Gebäude und die vorhandene Wärmeversorgungsinfrastruktur. Außerdem eine Energie- und Treibhausgas-Bilanz des Ist-Zustandes. Zusätzlich enthält die kommunale Wärmeplanung eine Analyse zu potenziellen Einsparmöglichkeiten bei Wärmesenkung und eine Analyse der Ausbaupotenziale für Abwärme und erneuerbare Wärmequellen. Anhand der Analysen werden Szenarien entwickelt, wie eine zukunftsfähige Wärmeversorgung inklusive der Versorgungskosten aussehen kann. Das ist die Grundlage für einen Maßnahmenkatalog mit Prioritäten und einem Zeitplan.
Ein paar Verzögerungen habe es gegeben, weil in der Stadt Aurich zum 1. Mai mit Tjarko Tjaden wieder ein neuer Klimaschutzmanager angefangen hat, der sich zunächst einarbeiten muss. Sie habe aber in zwei Wochen einen Termin mit ihrem Auricher Kollegen. „Das wird eine runde Nummer“, ist Kraken überzeugt. So sehr sie sich freut, über das Konzept auch mit den Energieunternehmen in Kontakt zu kommen, so sehr ärgert sie sich, „über die Art und Weise“, wie das Thema Wärmeplanung und Heizgesetz angegangen wird. „Da wird mit den Ängsten der Menschen geplant und das ist nicht richtig“, sagte Kraken. Es gehe darum, eine Lösung für alle zu finden, ob das die Wärmepumpe beim Neubau sei oder der nachträgliche Fernwärmeanschluss bei Bestandsgebäuden.
Öffentliche Hand steht vor gleichen Herausforderungen wie der Bürger
Dabei sieht Kraken das Problem nicht nur bei den Bürgern. Die Kommunen stünden vor der gleichen Problematik. Zwar würden einige neue städtische Gebäude, wie etwa die neue Mensa im Spiet, direkt mit Fernwärme ausgerüstet, viele städtische Gebäude seien aber zu alt. Da lohne sich eigentlich noch nicht mal eine Sanierung, sondern müssten abgerissen und neu gebaut werden. „Wir stehen als Kommune vor einer riesigen Herausforderung“, betonte Irma Kraken. Auf der einen Seite wolle die Kommune Vorbild sein, auf der anderen Seite stelle sich auch in der Verwaltung die Frage, wie das alles zu schaffen sei.
In der Stadt Aurich hat man sich im November vorigen Jahres erstmals mit der Wärmeplanung befasst. Im Klima- und Umweltausschuss der Stadt wurde das Thema von Marisa Tammen, der scheidenden Fachdienstleiterin Klima/Umwelt/Verkehr bei der Stadt Aurich, vorgestellt. Im Gegensatz zu Norden geht es in der Kreisstadt zunächst nicht um konkrete Projekte, sagt sie im ON-Gespräch, an dem auch Klimaschutzmanager Tjarko Tjaden teilnahm.
Kalte Fernwärme im Fokus
Mittelzentren bekommen laut Tammen eine Förderung für die Wärmeplanung vom Land Niedersachsen. Daher sei es sinnvoll, dass sich Aurich und Norden zusammentäten. Am Ende habe man eine Datengrundlage, so Tjaden, welche Wärmequellen es im Stadtgebiet gebe. Daraus ergäben sich dann Empfehlungen, welche Wärmearten sich wo anbieten würden. Mit diesen Empfehlungen könnten dann private Investoren oder kommunale Betriebe tätig werden. Denn, so ergänzt Tammen, es werde nun auch geprüft, wo es einen Bestand gebe, der ausgebaut werden könne. Anhand der Daten der Wärmeplanung könne auch besser festgelegt werden, wo neue Baugebiete entstehen könnten. Denn die Frage, ob zum Beispiel Biogasanlagen in der Nähe stehen, könne mit ausschlaggebend sein, wenn es um den Aufbau eines Nahwärmenetzes gehe.
Mit aufgenommen in die kommunale Wärmeplanung werden auch bestehende Anlagen. Das betrifft in Aurich vor allem die sogenannte kalte Fernwärme, die sich aus dem Abwasser der Molkerei Rücker speist. „Das Potenzial ist da, die Leitung liegt“, so Tjaden. Deswegen sei das sicher ein Projekt, das von der Stadt als erstes angegangen werden könnte.
Großefehn hatte auf den Landkreis Aurich gehofft
Anders als Aurich und Norden, hat die Gemeinde Großefehn für die kommunale Wärmeplanung noch nichts unternommen. Das sagte Fachbereichsleiter Günther Siefken auf Anfrage. Bislang sei man in der Verwaltung davon ausgegangen, dass der Landkreis Aurich die Wärmeplanung für die Kommunen durchführe. Nach dem niedersächsischen Klimagesetz darf der das aber gar nicht. Deswegen müsse Großefehn sich nun neu orientieren. „Wir werden ja was machen müssen.“
Daher sollen in zwei Wochen Gespräche geführt werden. Das Ziel sei es, so Siefken, gemeinsam mit anderen Gemeinden im Landkreis Aurich die kommunale Wärmeplanung in Auftrag zu geben – ähnlich, wie es die beiden Städte Aurich und Norden bereits gemacht haben.
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