Osnabrück  Was wir für den Ausbau der Fernwärme von unseren Nachbarn lernen können

Louisa Riepe
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Von Louisa Riepe
| 15.06.2023 11:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ein Heizkraftwerk: Wärmenetze können angeschlossene Haushalte mit Energie versorgen. Foto: Christophe Gateau/dpa
Ein Heizkraftwerk: Wärmenetze können angeschlossene Haushalte mit Energie versorgen. Foto: Christophe Gateau/dpa
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Nach dem Willen der Bundesregierung soll Fernwärme eine echte Alternative zum klimafreundlichen Heizen werden. Doch bisher hinkt Deutschland beim Ausbau solcher Netze hinterher. Der Europa-Vergleich zeigt, was geht – und was es braucht.

„Ich würde mich immer wieder für Fernwärme entscheiden“, berichtete mir unser österreichischer Vermieter im letzten Skiurlaub. Die Preise seien günstig, der Wartungsaufwand gering und der Anschluss unkompliziert gewesen. „Und die Gäste haben jetzt immer warmes Wasser zum Duschen, auch wenn alle gleichzeitig von der Piste kommen.“

In Österreich werden nach Angaben des zuständigen Ministeriums knapp ein Drittel der Gebäude mit Fernwärme beheizt. In Deutschland sind es gerade einmal neun Prozent. Werden in der Alpenrepublik zu mehr als 50 Prozent erneuerbare Energien für die Erzeugung der Wärme eingesetzt, sind es in bei uns gerade einmal 17,5 Prozent.

Unser kleines Nachbarland ist in Bezug auf die Fernwärme also deutlich weiter und klimafreundlicher unterwegs als wir. Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck kündigte erst in dieser Woche an, Fernwärme solle hierzulande eine echte Alternative zu Wärmepumpen und anderen klimafreundlicheren Heizungen werden. Jedes Jahr sollen in Deutschland 100.000 Häuser neu an Wärmenetze angeschlossen werden.

Warum eigentlich erst jetzt? In Österreich begann der strukturierte Ausbau der Fernwärmenetze bereits in den 1990er Jahren. Dänemark oder die Niederlande waren sogar noch früher dran. Bereits in den 70er Jahren wurde hier auf Fernwärme gesetzt. Heute werden dort bis zu 60 Prozent der Haushalte mit Fernwärme geheizt.

Der Vergleich zeigt übrigens, dass weder eine geringe Bevölkerungsdichte (Beispiel Dänemark) noch ein parallel bestehendes Erdgasnetz (Beispiel Niederlande) dem Erfolg von Fernwärmenetzen im Wege stehen. Tatsächlich negativ wirkte sich in Deutschland aus, dass es über Jahre keine Planungs- und Investitionssicherheit für Fernwärmesysteme gab. Stattdessen ist der Strom- und Gasmarkt im Netzbereich stark monopolisiert.

Den Rückstand aufzuholen, ist ambitioniert. „Der technische Aufwand ist enorm“, sagt etwa Gerd Landsberg vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Kommunen müssten zunächst eine Wärmeplanung erstellen und dafür erfassen, welches Haus aktuell wie mit Energie versorgt wird. Und schließlich müssten Kraftwerke gebaut und Rohrleitungen verlegt werden, um die Haushalte an das Netz anzuschließen. Landsberg rechnet mit Investitionen in Milliardenhöhe.

Es übrigens auch positive Beispiele in Deutschland: Die Stadtwerke Flensburg versorgen heute schon rund 20.000 Haushalte mit Fernwärme. Dieses Modell auszurollen wird herausfordernd sein und Jahrzehnte dauern.

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