Sydney  Mord an Backpackerin in Australien: Wer tötete Simone Strobel?

Barbara Barkhausen
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Von Barbara Barkhausen
| 14.06.2023 19:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Würzburgerin Simone Strobel verschwand nach einem Streit mit Freunden. Erst eine Woche später wurde ihre stark verweste Leiche entdeckt. In Australien wurde der Frau eine Gedenktafel errichtet. Foto: dpa/AAP/epa/Jason O´Brien
Die Würzburgerin Simone Strobel verschwand nach einem Streit mit Freunden. Erst eine Woche später wurde ihre stark verweste Leiche entdeckt. In Australien wurde der Frau eine Gedenktafel errichtet. Foto: dpa/AAP/epa/Jason O´Brien
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2005 ist die deutsche Touristin Simone Strobel in Australien ermordet worden. Die Behörden verdächtigten lange ihren damaligen Freund, doch die Anklage gegen ihn wurde nun fallengelassen. Vom Täter fehlt somit weiterhin jede Spur.

Der tragische Tod der deutschen Erzieherin Simone Strobel vor 18 Jahren bleibt wohl auch weiterhin ein Rätsel. Lange Zeit machten die australischen Behörden keinen Hehl daraus, dass sie den Freund der damals 25-Jährigen verdächtigten. Im Juli vergangenen Jahres wurde dieser offiziell angeklagt, seine Freundin während der gemeinsamen Australienreise getötet zu haben.

Doch am Mittwoch wurde die Anklage gegen den inzwischen 43-Jährigen dann überraschend fallengelassen. Der Mann, der inzwischen mit seiner Familie in Perth in Westaustralien lebt, war nach seiner Festnahme im letzten Jahr gegen Kaution freigelassen worden. Er musste aber seine Pässe abgeben und sich dreimal pro Woche bei der Polizei melden. Letztendlich wurde sein Fall aber nicht einmal verhandelt: Am Mittwoch wurde die Anklage gegen ihn zurückgezogen.

Der Anwalt des Angeklagten hatte dem Gericht zuvor bereits mitgeteilt, dass es keine neuen Beweise gebe, die ihn mit dem Tod der jungen Frau in Verbindung bringen würden. Auch ein Richter hatte den auf Indizien beruhenden Fall bereits als „nicht den überzeugendsten“ beschrieben, als er im vergangenen Jahr eine Freilassung auf Kaution gewährte.

Die 25-jährige Deutsche Simone Strobel war im Februar 2005 verschwunden. Die junge Erzieherin aus dem Landkreis Würzburg war nach einem feuchtfröhlichen Abend mit ihren Freunden – ihrem Partner, dessen Schwester und einem weiteren Bekannten – in Streit geraten. Kurz vor Mitternacht verließ sie den Zeltplatz in Lismore. Es sollte das letzte Mal sein, dass ihre Freunde sie lebend sahen. Noch in der Nacht suchten sie nach der jungen Frau – jedoch vergeblich. Als sie auch am nächsten Morgen nicht zurückkehrte, meldeten sie Simone Strobel als vermisst.

Sechs Tage durchkämmte die Polizei die Stadt, bis die Leiche der jungen Frau schließlich auf einem Sportplatz – nur etwa 90 Meter vom Campingplatz entfernt – entdeckt wurde: Nackt und mit Palmwedeln bedeckt. Eine eindeutige Todesursache konnte da schon nicht mehr festgestellt werden. 2007 kam ein Gerichtsmediziner aber zu dem Schluss, dass Strobel höchstwahrscheinlich mit einem Kissen oder einer Plastiktüte erstickt worden sei.

Zunächst sympathisierte die Bevölkerung mit den Freunden der Toten, sammelte sogar Geld, um den Rückflug nach Deutschland zu zahlen. Doch die drei Freunde verstrickten sich in ihren Aussagen immer mehr in Widersprüche. Vor allem der damalige Freund Strobels geriet ins Visier der australischen und deutschen Polizei, die den Fall ebenfalls untersuchte. „Strobel vom Freund erstickt“, „Die Freunde der toten Rucksacktouristin haben gelogen“, „Backpacker stritt sich mit seiner Freundin, bevor sie starb“, betitelte die australische Tageszeitung „Sydney Morning Herald“ Artikel zu dem Fall. Der Freund der Deutschen galt über Jahre als tatverdächtig, obwohl er selbst stets seine Unschuld beteuerte.

Eine gerichtliche Untersuchung des Falls im Jahr 2007, zu der nur der Bekannte, nicht aber Strobels Partner oder dessen Schwester anreisten, kam erneut zu keinem schlüssigen Ergebnis. „Die Untersuchung endete mit vielen Fragezeichen“, sagte Virginia Peters in einem Interview 2020. Die australische Autorin hat ein Buch über die Tragödie geschrieben. Peters interviewte dafür auch den Freund Strobels, doch dieser verklagte die Autorin 2014 wegen Verleumdung. „Tobias klagte mich an, ich würde ihm Mord unterstellen, aber letztendlich wollte er seine persönlichen Aufzeichnungen nicht vorzeigen – aus Angst, seine eigenen Seiten könnten ihn belasten“, schrieb Peters damals in einer E-Mail. Später habe er die Klage aber wieder fallengelassen.

Peters, die der gewaltsame Tod der jungen Frau selbst tief berührt hatte, war für ihre Buchrecherche extra nach Deutschland gereist, um die Geschwister und die Eltern des Mordopfers zu treffen: „Es ist eine absolute Hölle für sie gewesen“, sagte sie.

2020 war eine Million Australische Dollar Belohnung – umgerechnet rund 627.000 Euro – für Hinweise ausgeschrieben worden, die zur Aufklärung des Mordes an der jungen Erzieherin führen.

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