Den Haag Historische Dürreperiode: Wird in den Niederlanden das Trinkwasser knapp?
Die Niederlande erleben die längste Dürreperiode seit über hundert Jahren. Sollte es nicht bald regnen, könnte das Trinkwasser knapp werden. Noch sind die Brunnen voll – aber für wie lange?
Viel Wasser trinken, regelmäßig Sonnencreme nutzen, Schatten aufsuchen. Diesen Rat geben die Meteorologen in den Niederlanden täglich aus, wenn sie den Wetterbericht für den nächsten Tag präsentieren. Dann folgt der immer gleiche Satz: Es bleibt tropisch warm mit Temperaturen um oder über 30 Grad Celsius. Sogar an der Küste in Scheveningen kratzt das Thermometer an der 30 Grad-Marke, obwohl hier immer noch eine angenehme Brise weht. Und sogar abends bleibt es am Strand muckelig warm, meist mit Temperaturen von über 20 Grad.
Doch das tropische Sommerwetter im Mai und Juni dieses Jahres hat auch seine Schattenseiten. Seit dem 13. Mai ist in den Niederlanden kein Tropfen Regen mehr gefallen, meldet das nationale meteorologische Institut KNMI in De Bilt bei Utrecht. Und fügt hinzu: „Es ist die längste Trockenheitsperiode in unserem Land.“
Auch in den kommenden Tagen wird es in den Niederlanden nach der Prognose der Meteorologen nicht regnen. Frühestens in der nächsten Woche etwa ab dem 20. oder 21. Juni wird demnach der vor allem von Landwirten ersehnte Regen fallen. Die Hoffnungen sind allerdings nicht allzu hoch, da der Niederschlag örtlich und regional begrenzt sein wird, meinen die Wetterexperten.
Obwohl die Niederlande ein vom Wasser gesegnetes Land mit vielen Flüssen und Seen sind, droht aufgrund der langen Dürreperiode nun sogar ein Trinkwassermangel. „Die jetzige Trockenheitsperiode kann großen Einfluss auf die Trinkwasserversorgung in unserem Land haben,“ warnt Amarins Komduur, Vorsitzender der Vereinigung der Trinkwasserbetriebe Vewin. Er empfiehlt seinen Landsleuten, den Umgang und Verbrauch mit Trinkwasser zu verändern. „Wir müssen das ganze Jahr über sparsam mit Trinkwasser umgehen,“ so Komduur.
Also auch im Winter, wenn es in den Niederlanden viel regnet, aber nur wenig schneit. Zwar seien die Wasserstände in den Brunnen, den Dünen und den Seen derzeit noch in Ordnung. Das könne sich aber schnell ändern, wenn die Trockenheits- und Hitzeperiode noch länger anhalten sollte, warnt Komduur. Seiner Meinung nach sind die häufigen und anhaltenden Hitzewellen mit tropischen Temperaturen eine Folge der Klimakrise.
„Die Natur spürt die Trockenheit. Durch die Hitze und den Regenmangel sind 12,6 Zentimeter Wasser aus dem Boden verdampft,“ stellt der Meteorologe Jeroen Elferink von „Weeronline“ fest. Er kann es nicht lassen, den nationalen meteorologischen Dienst KNMI ein wenig zu korrigieren. „In Limburg gab es in der vergangenen Woche ein kleines lokales Gewitter. Das aber war die Ausnahme. Sonst hat es nirgendwo in den Niederlanden seit dem 13. Mai geregnet. Insofern hat das KNMI mit seiner Feststellung recht, dass wir die längste Trockenperiode in unserer Geschichte haben. Dieser Sommer gehört jetzt schon zu den heißesten und trockensten, die wir je hatten.“
Nach Ansicht von Elferink „müssen wir uns noch keine Sorgen um die Bäume machen.“ Wenn man mit dem Spaten ein Loch in den Boden buddele, stoße man nach etwa einem Meter auf Wasser. „Die Bäume haben also noch genügend Wasser“, so der Meteorologe. Sollte der Juli aber so trocken bleiben wie der Mai und Juni, dann würden auch die Bäume Probleme bekommen.
Den Niederlanden droht aber nicht nur ein Trinkwassermangel aufgrund der anhaltenden Trockenheitsperiode. Denn die Wasservorräte in den Niederlanden in den Seen, Flüssen und im Grundwasser sind vielerorts stark verschmutzt, stellt der „Rat für Umwelt und Infrastruktur RLI“ in einer Studie fest. In den Gewässern befänden sich zu viele Medizinreste, Reste von Düngemitteln und Pestiziden zur Ungezieferbekämpfung sowie Gülle. Trinkwasser könnte auch aus diesem Grund in den Niederlanden knapp werden.
Allerdings gehen manche Niederländer ohnehin schon sehr sparsam mit dem Trinkwasser um, so wie Tijs van Ruth beispielsweise. Er sammelt Regenwasser in Tonnen im Garten und spült mit dem Regenwasser die Toiletten in seinem Haus durch. Doch seine Regenwassertonnen sind nun auch leer.