Hamburg Bunker am Heiligengeistfeld: Wie in Hamburg ein Kriegskoloss zum grünen Paradies wird
Kann aus einem Ungetüm des Krieges eine Oase werden? Daran gab es in Hamburg viel Kritik. Inzwischen ist erkennbar, wie die ungewöhnliche Verwandlung aussieht.
Der Graue wird grün: Auf dem Weltkriegsbunker am Heiligengeistfeld im Hamburger Stadtteil St. Pauli sprießt unübersehbar eine beachtliche Vegetation. „Wir kommen mit großen Schritten voran, und es geht in die letzten Runden der Bepflanzung“, sagt Frank Schulze, Sprecher des Bunkerprojekts. In den kommenden Monaten werde der spektakuläre Ausbau des Betonklotzes samt Begrünung fertiggestellt.
2019 war mit der Aufstockung der Weltkriegsfestung begonnen worden. Zuletzt hatte es Kritik gegeben, die Bepflanzung dauere zu lange. Nun aber ist auch von der Straße aus zu erkennen, dass in rund 50 Metern Höhe eine beachtliche Menge an Pflanzen gedeiht.
Bunkerpächter Thomas Matzen hat auf den rund 40 Meter hohen Betonkoloss fünf gestaffelte Stockwerke aufsetzen lassen. Darin kommen ein Hotel, eine Halle für Schulsport und Kultur, Räume für Stadtteilkultur, Ausstellungsflächen, Urban-Gardening-Möglichkeiten sowie Unterkünfte für Stipendiaten und Künstler unter. Die Fassaden des Pyramidenaufbaus werden begrünt, ganz oben entsteht zudem ein öffentlich frei zugänglicher Dachgarten – 58 Meter über St. Pauli. Matzen investiert 60 Millionen Euro.
Was wächst derzeit schon auf dem Bunker? Frank Schulze: „Unterschiedliche Nadel- und Laubgehölze, zum Beispiel Bergkiefern, Waldkiefern, Säulenwacholder, Prager Schneeball, Felsenbirne, Ölbäume und Wald-Ahorn.“ Ein Fünftel bilden Laubgehölze, die für attraktive Blüten, aromatische Düfte und stimmungsvolle Herbstfärbung sorgen sollen, etwa Echter Jasmin und Blauraute.
Im nächsten Schritt sollen größere Gehölze und Apfelbäume gesetzt werden, dazu viele Kletter- und Rankpflanzen, die den Fahrstuhlschacht an der Ostseite verbergen werden. Der ehemalige Flakbunker aus dem 2. Weltkrieg selbst bleibt jedoch grau. So hat es der Investor mit der Stadt und dem Denkmalschutz vereinbart.
Ein ebenfalls begrünter „Bergpfad“ als Aufgang zur Dachterrasse wird sich einmal um das Gebäude herum winden. Die tragenden Elemente dafür sind schon montiert.
Insgesamt sollen auf dem Bunkeraufsatz einmal 4700 Bäume, Sträucher und Hecken wachsen. Ausgewählt hätten die Gärtner vor allem Arten aus dem nordeuropäischen und alpinen Raum, die Frost, Hitze und Sturm in dieser Höhenlage aushalten, erklärt Schulze. „Ein englischer Garten würde nicht zu St. Pauli passen. Also wird es hier auf dem Bunkerdach natürlich und urwüchsig aussehen, ein wenig wild, ein bisschen zerzaust.“
Die Verantwortlichen sprechen von einer weltweit einzigartigen Aufstockung. Auch sehen sie das Vorhaben als Beitrag gegen die Erhitzung in Großstädte infolge des Klimawandels. Um die Wirkung der Begrünung zu messen, haben Wissenschaftler der TU Berlin im gesamten Bunker Sensoren installiert, die fünf Jahre lang Daten zu Verdunstungskälte und Wärmedämmung erfassen.