Osnabrück Alarmierend: Auch China setzt zunehmend auf Atomwaffen im internationalen Machtpoker
Die Atommächte halten immer mehr Sprengköpfe in Einsatzbereitschaft. Damit steigt das Risiko eines taktischen Nuklearschlags. Ringen sich die USA, Russland und China zu neuer Rüstungskontrolle durch?
Atomare Rüstungskontrolle war gestern. Heute modernisieren alle nuklear bewaffneten Staaten ihre Arsenale und verschärfen die entsprechende Rhetorik. Auch als Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine und damit verbundene Drohungen des Kreml mit taktischen, sprich: begrenzten Atomschlägen, spielen Atomwaffen in den militärischen Strategien der weltweit neun Nuklearstaaten wieder eine größere Rolle.
Dabei ist nicht die schiere Zahl der weltweit stationierten Sprengköpfe besonders alarmierend; sie ist längst nicht so enorm wie zu Zeiten des Kalten Krieges. Vor allem ist es die Tatsache, dass immer mehr von ihnen in Einsatzbereitschaft gehalten werden, wie die aktuelle Studie der Sipri-Friedensforscher zeigt.
Ein Staat tut sich bei der nuklearen Aufrüstung besonders hervor: China. Jahrzehntelang hatte sich Peking mit einem relativ kleinen Atomarsenal zufriedengegeben. Nun will man offenbar zu den USA und Russland aufschließen, jenen zwei Mächten, die immer noch die mit Abstand meisten Nuklearsprengköpfe haben.
Die Politik der Volksrepublik ist als unzweideutiges Signal in Richtung Washington zu verstehen, wer in den kommenden Jahrzehnten in der indopazifischen Region das Sagen haben wird.
Je schärfer aber der nukleare Wettbewerb in einer multipolaren Weltordnung, umso höher das Risiko, dass Atomwaffen tatsächlich zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kommen könnten – sei es durch Fehleinschätzungen, Missverständnissen oder Unfällen.
Vielleicht haben die USA auch deshalb kürzlich angeboten, ohne Vorbedingungen in neue Gespräche über die nukleare Rüstungskontrolle mit Russland wie China einsteigen zu wollen. Ob es Washington damit wirklich ernst ist?
Sowohl in Moskau als auch in Peking zeigt man wenig Interesse, es herausfinden zu wollen. Das lässt nur einen Schluss zu: Im machtpolitischen Rivalitäten-Poker kommen Atomwaffen wieder in Mode.