Osnabrück Rasen trotz Dürre retten: 9 Tipps fürs richtige Wässern, Düngen und Mähen
Viele Rasenflächen halten den heißen Sommern nur schwerlich stand. Wegen des Klimawandels wird dieses Problem zunehmen. Jedoch nicht in Ihrem Garten, wenn Sie die 9 Tipps von unserem Rasenexperten, dem Agrarbiologen Martin Bocksch, befolgen.
Zwar sei Rasen laut Professor Martin Bocksch, der auch Vorsitzender der Deutschen Rasengesellschaft ist, von Natur aus sehr resilient und könne als Dauerkultur gut „20, 30 Jahre bestehen“, doch der Klimawandel und die immer wärmeren Sommer setzten insbesondere den mitteleuropäischen Gräsern stetig zu. In unserem Livetalk „Klimawandel: Wie schütze ich meinen Garten vor Hitze und Dürre?“ mit unserem Moderator Michael Clasen gab der Rasenprofessor wertvolle Tipps.
Um den Rasen fit für Hitzeperioden zu machen, müsse man mit der Rasenpflege inzwischen deutlich früher beginnen. „Die Leute fangen mit Rasenpflege immer erst im April an, aber das Wachstum der Wurzeln startet schon im Februar. Deshalb müssen wir früher beginnen, den Rasen zu düngen“, erklärt der Agrarbiologe. Es gelte bereits früh die Wurzeln zu stärken, im März etwa.
Rasenprofessor Bocksch hat eine Faustregel parat: „Ich würde jedem Gartenbesitzer empfehlen, sich einen Regenmesser zu kaufen und diesen in den Rasen zu stecken. Nach dem Bewässern sollte dieser rund zehn Millimeter gefüllt sein, was etwa zehn Litern pro Quadratmeter entspricht. Dann ist der Boden rund zehn Zentimeter tief durchfeuchtet.“
Von festen Bewässerungsplänen hält er indes nicht viel. „Ich würde nicht nach einem festen Schema F gießen oder jeden Tag. Der Rasen zeigt uns selbst, wann er Wasser braucht“, so der Biologe. Dieser nehme dann etwa eine bläuliche Färbung an oder bleibe platt, nachdem man auf ihn getreten sei. „Gesunder, frischer Rasen erhebt sich normalerweise wieder direkt. Ist dies nicht der Fall, hat er Durst.“
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Die optimale Bewässerungszeit sei morgens. „Dann haben wir wenig Wind und es ist kühl, folglich verdunstet das Wasser nicht so schnell.“ Die Mittagssonne sorge dann dafür, dass das Wasser aber auch nicht zu lange auf dem Rasen liege. Dies verhindere die Ausbreitung von Krankheiten durch zu lange Feuchtigkeit.
Es gebe jedoch einen Anlass, den Rasen auch mal mittags zu bewässern – nämlich im Falle der sogenannten Kühlungsberegnung. Das empfehle sich laut Bocksch, wenn ein heißer Tag um die 30 Grad ansteht. Denn dann könnten es in der Grasnarbe bis zu 50 Grad heiß werden. „Zwei Stunden vor Sonnenhöchststand geben wir dem Rasen nur ganz kurz zwei Minuten Wasser. Dieses verdunstet in der Grasnarbe und durch die Verdunstungskälte wird selbige abgekühlt“, so der Biologe.
Der Rasen-Experten rät darüber hinaus, Schatten effizienter zu nutzen, um ein Austrocknen zu verhindern. „Ein Sonnensegel im Garten bewirkt da schon kleine Wunder“, so Bocksch. Dieses könne man etwa nach dem Bewässern ausspannen, damit das Wasser nicht sofort verdunste. Auch für die Mittagsstunden empfiehlt er die temporäre Nutzung eines Sonnensegels.
Von Samen für sogenannten Schattenrasen, der nahezu keine Sonne braucht, rät Bocksch derweil ab: „Ich würde keinen kaufen. Wenn dann würde ich einen Fertigrasen des Läger-Rispengras Poa Supina verlegen.“ Dieses vertrage Schatten sehr gut und wachse auch bei wenig Sonneneinstrahlung. Wichtig jedoch: Die Poa Supina nie als Samen kaufen, sondern immer als Fertigrasen.
Um den Rasen widerstandsfähiger zu machen, sei auch die Schnitthöhe sehr wichtig. „In Deutschland wird der Rasen meist sehr tief gemäht. Ich würde jedoch jedem empfehlen, ab Mai oder Juni die Schnitthöhe auf ein oder zwei Zentimeter höher zu stellen. Fünf Zentimeter sind ein gutes Maß“, erklärt Bocksch.
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Den vertrockneten Rasen einfach grün anmalen – wie es in manchen US-Bundesstaaten geläufig ist– hält Bocksch für keine gute Idee. Damit es gar nicht erst dazu kommt müsse man Präventionsarbeit leisten. Sprich: früh mit dem Düngen zu beginnen, damit der Rasen viel Zucker bilde. „Dann kann er an die eigenen Vorräte gehen und so ein schnelles Austrocknen verhindern“, erklärt der Agrarbiologe. Wichtig sei es bei der Düngerzufuhr überdies, den Nährstoff Kalium zu beachten. Dieser sorge dafür, dass sich der Rasen nach Trockenheit schneller regeneriere.
Und was gilt es zu tun, wenn statt erbarmungsloser Hitze ein nicht enden wollender Starkregen dem Rasen zusetzt? „Wenn nach einer langen Trockenphase ein Starkregen einsetzt, dann nimmt der Rasen das Wasser eben nicht wie ein Schwamm auf, sondern ganz im Gegenteil: Es läuft wie auf Asphalt weg“, so Bocksch. Denn der Boden bräuchte etwas Zeit, bis er nach langer Trockenheit wieder Wasser aufnehmen könne. „Ich empfehle, den Rasen einen Tag vor Starkregen abends leicht zu wässern. Dann ist er bereits feucht und kann mehr Wasser aufnehmen. Das ist paradox, aber es funktioniert vortrefflich.“
Wer es etwas exotischer mag, der könne laut dem Rasenexperten auch auf andere Rasensorten zurückgreifen. „Unsere hiesigen Kaltzonen-Gräser brauchen viel Wasser und werden im Sommer deshalb schnell braun. Ganz anders als tropische Gräser wie das Bermudagras. Das fühlt sich hier auch im Sommer wohl und bleibt grün, wird dafür aber in den Herbst- und Wintermonaten braun“, so Bocksch. Es bestehe jedoch auch die Gefahr, dass diese Gräser im Winter komplett eingehen.