Kundgebung in Aurich 3000 Teilnehmer und 275 Traktoren bei Wolfsdemo
Zahlreiche Menschen versammelten sich zur Kundgebung auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz in Aurich. Die Redner stellten dabei klare Forderungen an die Politik.
Aurich – Rund 3000 Menschen versammelten sich am Sonnabendabend auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz bei der Sparkassen-Arena in Aurich. Das teilt eine Sprecherin der Polizei am Abend auf ON-Anfrage mit. Von der erwarteten 300 Traktoren machten sich etwa 275 auf den Weg in die Auricher Innenstadt.
Insgesamt sei die Kundgebung aus Sicht der Polizei reibungslos verlaufen, so die Sprecherin. Unter den Teilnehmern habe es kaum Probleme gegeben. Lediglich als Gesprächsvermittler hätten die Beamten einspringen müssen. Und auch im Verkehr habe es keine Probleme gegeben. Die Fahrer der Traktoren hätten sich bei ihrer Ankunft schnell eingereiht und kaum einer sei außerhalb der Konvois angekommen, so die Sprecherin.
Klare Forderung an die Politik
Während 3000 Teilnehmer auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz bei der Sparkassen-Arena in Aurich gegen die Ausbreitung des Wolfs in Ostfriesland demonstrierten, hielten etwa 40 Anhänger der „Ostfriesen gegen Tierleid“ eine stille Mahnwache auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Zwei Stunden lang kamen auf der Bühne zahlreiche Redner zu Wort. Immer wieder ging es dabei um eine klare Forderung an die Politik: Ein regionales Wolfsmanagement und die Herstellung wolfsfreier Zonen, um die Sicherheit von Weidetieren zu gewährleisten.
Ausbruchssichere Zäune keine Option
In allen Vorträgen wurde deutlich: Sogenannte „ausbruchssichere Zäune“ sind für viele Weidetierhalter im Kampf gegen den Wolf keine Option. „Wenn der Zaun ausbruchssicher ist, wer sitzt denn dann in der Falle?“, fragte Pferdezüchter Marco Pundsack sein Publikum. Der Zaun müsse einbruchssicher sein. Einen Schutz vor dem Wolf gebe es nicht, sagte er. Auch der Preis der Zäune wurde immer wieder kritisiert. Mit 30.000 Euro können die Materialkosten bezuschusst werden. Milchviehhalter Steffen Hinrichs aus Hesel sagte, um seine 40 Hektar Weidefläche einzuzäunen, bräuchte er allein für das Material 200.000 Euro. Hinzu kämen Personalkosten und Zeitaufwand.
Ein weiterer Aspekt war für einige Redner der Tier- und Naturschutz. Demo-Organisator Dr. Hansjörg Heeren (Ihlow) griff in seiner Rede den Nabu und die Grünen an. „Ihr Auswärtigen, ihr seid der Fehler in unserem System“, sagte er. Der Nabu solle lieber Kälber- statt Wolfspatenschaften verkaufen, so Heeren. Er rief die Teilnehmer auf, Widerstand zu leisten. „Die Wölfe sollen unsere friesische Freiheit nicht fressen“, sagte er.
300 Kilometer für Demo gereist
Zur Kundgebung gekommen waren zahlreiche Weidetierhalter aus ganz Niedersachsen. Darunter auch Andrea Dieckmann aus dem Weserbergland. Gemeinsam mit ihrem Ehemann war sie dreieinhalb Stunden nach Aurich gefahren, um sich gegen den Wolf einzusetzen. Mit dabei hatte Dieckmann ein Schild mit der Aufschrift „Die Bestie ist zurück“. Drumherum waren Bilder gerissener Tiere zu sehen. Mit ihrem Mann betreibt sie einen Betrieb mit einer Mutterkuhherde. Verärgert blickt die Frau aus dem Weserbergland zur Gegendemo der „Ostfriesen gegen Tierleid“. „Die Leben in ihrer goldenen Blase und wissen überhaupt nicht, was wir Landwirte durchmachen“, sagt sie. Sie findet: Die Jäger müssten Wölfe mindestens anschießen dürfen, um sie zu erschrecken.
Einen Appell an die Politik richtete unter anderem der Oldenburger Pferdezüchter Timo Schwarte in seinem Vortrag und sorgte damit für großen Beifall: „Was muss noch alles passieren? Beenden sie diese Tierquälerei“, sagte er.
Organisatoren wollen Lösung finden
Aus der Politik traten Sarah Buss (FDP) und Hartmut Moorkamp (CDU) auf die Bühne. Der Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Papenburg sagte, die Politik müsse endlich die Sorgen der Menschen auf dem Land ausreichend beachten. Auch seine Partei habe zu lange nicht aktiv gehandelt.
Die Auricherin Buss betonte, nicht gegen den Wolf, sondern für den Tierschutz auf der Bühne zu stehen. Sie versprach: „Ich schwöre euch. Solange ich vor euch stehe und hier Politik mache, kämpfe ich für unsere Kulturlandschaft“.
Die Organisatoren der Wolfs-Demonstration kündigten an, nun auf Abgeordnete der Landes-, Bundes- und EU-Ebene zugehen, um eine „von allen ohne Bauchschmerzen getragene Lösung“ zu finden.