Hamburg Bundeswehr: Neue Soldaten lassen sich nicht mit Plattitüden locken
Der Bundeswehr mangelt es an Ausrüstung und Personal. Doch nur bei Ersterem greift Verteidigungsminister Boris Pistorius vernünftig durch. Dabei verdient das Personalproblem mindestens genauso viel Beachtung.
Wir schreiben das Jahr 2018: Es gibt zu wenig Soldaten und zu wenig Bewerber. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kündigt eine „Trendwende Personal“ an. Digitalisierung, Cyberarmee und Verpflichtungen gegenüber der Nato seien nur mit viel mehr Soldaten zu schaffen, heißt es. Genauer: 203.000 bis 2025.
Und heute? Heute sind bei der Bundeswehr 183.000 Soldaten, keine 2.000 mehr als 2018. Zuletzt schrumpfte der Militärbereich sogar wieder leicht, das große Ziel ist flugs auf 2031 geschoben worden. Der demografische Wandel und der allgemeine Fachkräftemangel machen wenig Hoffnung, dass sich das Problem unerwartet von selbst löst.
Kurzum: Es wird Zeit, die „Trendwende Personal“ konsequent zu überarbeiten. Alle bisherigen Maßnahmen reichen nicht. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat beim Beschaffungswesen gezeigt, dass er gewillt ist, auch rabiat durchzugreifen. Das Interesse für das Personalproblem scheint jedoch nicht ganz so groß zu sein - auch, wenn der Minister das Gegenteil behauptet.
Bis zu seinem ersten Besuch im Personalamt brauchte Pistorius knapp fünf Monate, die Lösungsansätze sind vage und alles andere als neu. Mehr Werbung als Allheilmittel, Slogans wie „Bundeswehr für alle”, „Wir haben mehr als 1000 Berufsbilder“ und „wir sind ein attraktiver Arbeitgeber“ können stimmen, sind dennoch Plattitüden.
Bei dem großen Personalproblem fehlt im Ministerium die eine zündende Idee. Stattdessen ist es das erste Mal, dass der „Anpacker” Pistorius sich in polit-leeren Phrasen verliert. Nur werden die den Personalmangel sicher nicht beseitigen.