Geplanter Personenverkehr  Bahnstrecke Aurich-Abelitz nimmt nächste Hürde

Heino Hermanns
|
Von Heino Hermanns
| 06.06.2023 18:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Soll an der Sparkassen-Arena in Aurich tatsächlich ein neuer ZOB mit Bahnsteig entstehen, müsste es an dieser Stelle an der Emder Straße weiter und dann über den Wallster Weg gehen. Foto: Heino Hermanns
Soll an der Sparkassen-Arena in Aurich tatsächlich ein neuer ZOB mit Bahnsteig entstehen, müsste es an dieser Stelle an der Emder Straße weiter und dann über den Wallster Weg gehen. Foto: Heino Hermanns
Artikel teilen:

In Hannover wurde eine wichtige Entscheidung für geplante Personenzüge gefällt. Und in Aurich wurde schon mal ein Bahnhofsschild angebracht.

Aurich - Mit der Vorauswahl der Bahnstrecken, die überhaupt für eine Reaktivierung in Betracht kommen, hat die Linie Aurich-Abelitz am Montag die erste Hürde genommen. Denn der parlamentarische Lenkungskreis des Landtages, bestehend unter anderem aus den verkehrspolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen, hat in seiner Sitzung festgelegt, welche Strecken näher betrachtet werden sollen.

Helmut Wendt (rechts) und seine Mitstreiter brachten ein symbolisches Bahnhofsschild an. Foto: Romuald Banik
Helmut Wendt (rechts) und seine Mitstreiter brachten ein symbolisches Bahnhofsschild an. Foto: Romuald Banik

Bis Mitte Mai war Zeit für Kommunen und Landkreise, stillgelegte Bahnstrecken für die Reaktivierung zu melden. Linien, die bereits 2015 beim bislang letzten Verfahren gut bewertet waren, kamen automatisch mit in den Topf. Im Vorfeld hat der Lenkungskreis bereits 17 Strecken als nicht-reaktivierungswürdig aussortiert. Das bestätigt Florian Mosig, Sprecher des niedersächsischen Verkehrsministeriums, auf ON-Anfrage. Über die Strecke Aurich-Abelitz sei bei der Sitzung am Montag zwar nicht explizit gesprochen worden. Aber sie sei weiter im Verfahren, so Mosig, und habe damit die erste von vier Runden geschafft.

Die nächste Entscheidung steht im Herbst an

Im Fokus standen am Montag jene Strecken, deren Reaktivierung bereits in den vergangenen Jahren angestoßen worden ist. Das Ziel sei, so wird Verkehrsminister Olaf Lies zitiert, möglichst viele Strecken wieder zu reaktivieren. Bei sechs Strecken soll die Reaktivierung nun zügig fortgesetzt werden.

So weit ist Aurich-Abelitz noch nicht. Im Herbst folgt die nächste Sitzung des Lenkungskreises. Dann werden laut Florian Mosig die Strecken benannt, die mit der Nutzwertanalyse in die zweite Stufe des Reaktivierungsverfahrens kommen. „Für Aurich-Abelitz sprechen: Aurich ist ein Mittelzentrum und hat bisher keinen regulären Bahnhof, und auch die Nutzerzahlen könnten sich positiv auswirken“, so Mosig. Sollten alle Kriterien passen, werde das Ministerium die Frage, ob die Strecke als Eisenbahn oder als Straßenbahn betrieben werden soll, „keineswegs in einem starren Korsett bewerten“.

Die schärfsten Konkurrenten fehlen diesmal

Aurichs Landtagsabgeordneter Wiard Siebels (SPD) ist bekennender Bahn-Fan. Wegen der Reaktivierungsbemühungen in den 1990er-Jahren sei er in die Politik gegangen, hat er einmal zu Protokoll gegeben. Im Vergleich zum letzten Verfahren 2015 gebe es nun einige Veränderungen, sagt er im ON-Gespräch. So seien die schärfsten Konkurrenten dieses Mal nicht dabei. Denn jene Strecken hätten ja vor acht Jahren gewonnen und seien bereits reaktiviert. Und es gebe keine Vorbedingungen wie die Lademaßerweiterung. Diese war damals vom Windradhersteller Enercon angestrebt worden und sollte die Basis für die Reaktivierung des Personenverkehrs bilden.

Bis zum Herbst müssen auch in der Region einige Entscheidungen getroffen werden, so Siebels. Es müsse schon festgelegt werden, ob die Passagiere in Abelitz oder in Emden umsteigen sollen. Man müsse sich entscheiden, ob man eine Straßenbahn oder eine Eisenbahn wolle. „Ich setze da sehr auf die Machbarkeitsstudie des Landkreises“, so Siebels. Diese solle zwar erst Ende des Jahres fertiggestellt werden. Aber man müsse da im Verfahren bereits etwas rausziehen.

Große Arbeitgeber sollen eingebunden werden

Gesprochen werden müsse auch weiterhin mit dem Verkehrsministerium. Denn es dürften vor Ort keine Beschlüsse gefasst werden, die am Ende gar nicht förderfähig seien. Eingebunden werden müssten auch große Arbeitgeber. Am einen Ende der Bahnstrecke wäre das Enercon. Am anderen Ende könnte das – wie schon einmal im Jahr 1995 – Volkswagen sein. Damals hatte der Verein „Aurich – ran an die Bahn“ Kontakt zum Betriebsrat des Autoherstellers aufgenommen und offene Türen eingerannt. Es wurde seinerzeit sogar schon über eine direkte Anbindung des Werks mit einem Personenzug sinniert.

Helmut Wendt, Vorsitzender des Vereins „Aurich – ran an die Bahn“, stand zusammen mit dem ehemaligen Auricher Bürgermeister und Landtagsabgeordneten Wolfgang Ontijd (CDU) und weiteren Mitstreitern vor einer RTL-Kamera. Foto: Romuald Banik
Helmut Wendt, Vorsitzender des Vereins „Aurich – ran an die Bahn“, stand zusammen mit dem ehemaligen Auricher Bürgermeister und Landtagsabgeordneten Wolfgang Ontijd (CDU) und weiteren Mitstreitern vor einer RTL-Kamera. Foto: Romuald Banik

Schließlich, so Wiard Siebels, müssen auch die Busunternehmen eingebunden werden. Das gelte insbesondere für die Firma, die nun die Linie nach Emden betreibe. Parallel zur Bahn könne man keinen Bus fahren lassen. Aber als Zubringer seien die Busse wichtig, so Siebels. Über all das müsse man bis zum Herbst schon einmal nachdenken.

Weiter Werbung macht Helmut Wendt, Vorsitzender des Vereins „Aurich – ran an die Bahn“, für die Reaktivierung der Strecke als Nahverkehrsangebot. Zusammen mit dem ehemaligen Auricher Bürgermeister und Landtagsabgeordneten Wolfgang Ontijd (CDU) stand er am Dienstagvormittag vor der Kamera des Privatsenders RTL. An der alten Verladerampe an der Emder Straße wurde dafür schon einmal ein Bahnhofsschild angebracht. „Aurich (Ostfr)“ steht auf dem blauen Schild, das der Verein gerne schnellstens auf dem Gelände der Sparkassen-Arena dauerhaft anbringen würde.

Ähnliche Artikel