Hamburg  Schwache Bienen aufpäppeln: Warum Zuckerwasser nicht hilft

Rebecca Niebusch
|
Von Rebecca Niebusch
| 06.06.2023 11:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Einer geschwächten Honigbiene können Sie mit Zuckerwasser nicht helfen. Foto: IMAGO IMAGES/Frank Sorge
Einer geschwächten Honigbiene können Sie mit Zuckerwasser nicht helfen. Foto: IMAGO IMAGES/Frank Sorge
Artikel teilen:

Wer eine schwache Biene sieht, hat schnell den Impuls zu helfen. Im Internet wird häufig empfohlen, dem Tier gezuckertes Wasser zu geben. Warum das keine gute Idee ist und was Bienen wirklich hilft, erklären wir hier.

Eine Biene kriecht kraftlos im Garten am Boden entlang: Viele kommen auf die Idee, das Tier aufpäppeln zu wollen. Bei den Google-Suchergebnissen und in den sozialen Medien ist häufig der Ratschlag zu lesen, man solle der erschöpften Biene ein Gemisch aus Wasser und Zucker zuführen.

Im Gespräch mit „Focus Online“ erklärt Peter Maske, Präsident des Deutschen Imkerbundes, warum diese Maßnahme nicht funktioniert. „Die Biene ist ein soziales Insekt, das nur in seiner Volksgemeinschaft überleben kann. Eine einzelne kann man nur retten, indem man sie zurück zum Stock bringt. Das ist allerdings schwierig, wenn man nicht weiß, wo die Biene herkommt“, so der Experte.

Die schwachen Bienen, die man außerhalb ihres Volkes auffindet, seien meist krank, ergänzt Kirsten Traynor gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Die Imkerin ist promovierte Biologin und Leiterin der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim. „Kranke Bienen verlassen ihr Volk freiwillig, werden von den Wächterbienen zurückgewiesen oder werden von anderen Bienen herausgetragen, damit sie den restlichen Stock nicht anstecken“, so Traynor. Den schwachen Bienen hilft in dieser Lage also auch kein Zuckerwasser.

„Bienen, die es nicht mehr allein zu ihrem Volk schaffen, sollten Sie einfach in Ruhe lassen und nicht versuchen, sie aufzupäppeln“, rät Traynor. Auch Honig sollte man den Insekten keinesfalls geben. Honig von fremden Bienenvölkern könne Sporen von amerikanischer Faulbrut enthalten, die das ganze Volk krank machen können.

Die Experten sind sich einig, dass ein bienenfreundlicher Garten mit Wildstauden, Sommerblumen und Kräutern den Tieren auf lange Sicht am besten hilft. „Schnittlauch können Sie beispielsweise länger blühen lassen – das sieht hübsch aus und hilft auch den Bienen und Hummeln“, erklärt Daniela Franzisi vom Naturschutzbund (NABU).

Weiterlesen: Garten bienenfreundlich gestalten: Mit diesen Pflanzen klappt es

Eine Ausnahme gibt es allerdings für Hummeln: Im Frühling sind häufiger geschwächte Jungköniginnen unterwegs, die nach dem Überwintern auf der Suche nach Nahrung sind. Wenn das Wetter schlecht ist und die Blüten sich nicht öffnen, kommen die Hummelköniginnen nicht an Pollen und Nektar, den sie benötigen.

Der NABU rät dazu, geschwächte Hummelköniginnen vorsichtig, zum Beispiel mit einem Blatt Papier, aufzuheben. Dann einen halben Teelöffel Zucker mit lauwarmen Wasser auflösen und den Löffel so halten, dass die Hummel alleine trinken kann. Das sei aber nur eine individuelle Anschubhilfe für einzelne, geschwächte Hummeln, sagt Expertin Traynor.

Ähnliche Artikel