Neues Baugebiet Kirchdorfer wehren sich gegen Bauplanung der Stadt Aurich
An der Kirchdorfer Straße sollen 80 Wohneinheiten entstehen. Dagegen wehren sich nicht nur die direkten Anwohner.
Aurich - Irgendwie passt bei dem geplanten neuen Baugebiet an der Kirchdorfer Straße nichts so richtig zusammen. Die Fläche von über zwei Hektar, die überplant werden soll, ist ein nach dem Naturschutzgesetz geschütztes Biotop. Die Anwohner in den beiden Siedlungen links und rechts von dem Gebiet fürchten um viel zusätzlichen Verkehr in ihren Wohnstraßen. Und die Politik im Auricher Stadtrat ist nicht überzeugt von der Notwendigkeit eines weiteren großen Baugebietes in der Stadt Aurich. Denn auf dem Kasernengelände sollen rund 1000 Wohnungen für über 2000 Bewohner entstehen. Und im großen Baugebiet „Im Timp“ auf der Grenze von Haxtum und Extum wird es bald 240 neue Wohneinheiten geben. In Kirchdorf selbst, so Aussagen der Stadtpolitik, gibt es noch 47 Baulücken. Immerhin 14 davon könnten kurzfristig genutzt werden.
Bernd Hüfner ist Anwohner der Straße Waternüst. Er wäre direkt von dem neuen Wohngebiet betroffen. Denn die Hälfte der Anwohner würden an seinem Haus vorbeigeleitet werden, um von dort zur Kirchdorfer Straße zu gelangen. Waternüst, das ist eine Spielstraße, in der sich zwei Autos nur knapp begegnen können. Bäume wurden zur Verkehrsberuhigung so gesetzt, dass im Slalom gefahren werden muss. Das aber sei nicht der zentrale Punkt seiner Kritik, sagt Hüfner im ON-Gespräch. Gegen neue Nachbarn habe er nichts einzuwenden. Er könne es anderen schlecht verwehren, ebenso wie er und seine Frau im Grünen zu wohnen.
Nachfrage wird angezweifelt
Ihm geht es aber um die geschützte Wiese, die im Fachjargon „mesophiles Grünland mäßig feuchter Standorte“ heißt. Mittendrin durchschneidet eine Baum-Wallhecke das Gelände. „Es blüht hier sonst in den schönsten Farben“, beschreibt Bernd Hüfner vor Ort die Wiese, die in der vorigen Woche gemäht wurde. Drei Pflanzen, die auf der Roten Liste ständen, seien dort heimisch. Und das alles solle nun von 80 Wohneinheiten ersetzt werden.
Auch Hüfner weist auf die Baulücken in Kirchdorf hin. In der Einwohnerfragestunde des Bauausschusses am vergangenen Donnerstag wollte er es genau wissen. Wie groß sei die Nachfrage heute? Denn das Bauleitverfahren läuft bereits seit drei Jahren. Damals sei ein hoher Bedarf festgestellt worden. Das allerdings könne sich ja angesichts steigender Zinsen und hoher Baupreise durchaus geändert haben.
Kompensation im Extumer Hammrich
Auf den Bedarf ging Stadtplaner Mirko Wento im Bauausschuss nicht ein. Er pries aber das Baugebiet, in dem die Stadtverwaltung „bewusst mal was anderes machen“ wolle. Es werde ein Energiekonzept geben, in dem Erdwärmesonden und Photovoltaikanlagen eine große Rolle spielen würden. Nicht nur Einfamilienhäuser werden zugelassen. Diese würden sich nur am Rande des 2,2 Hektar großen Bereichs finden. Im Kern sollen auch längere, zweigeschossige Gebäude zugelassen werden. „Das Gebiet ist wertvoll, so wie grundsätzlich jeder unbebaute Bereich“, so Mirko Wento. Aber es gebe eine Kompensation für die Bebauung.
Laut Beschlussvorlage soll im Extumer Hammrich feuchtes Intensivgrünland aufgewertet werden. Auch die beiden Wallheckendurchbrüche sowie die Bodenversiegelungen sollen dort kompensiert werden. Erschlossen werden soll das Baugebiet über die Weizenstraße einerseits und Waternüst andererseits. Eine direkte Anbindung an die Kirchdorfer Straße ist nicht vorgesehen, da der Landkreis Aurich als Träger der Straße dies wohl nicht genehmigen würde.
Grundschule und Kindertagesstätte müssten ausgebaut werden
Eine Anwohnerin aus der Straße Waternüst befürchtete, dass die Spielstraße schließlich ausgebaut werde, wenn sich herausstelle, dass sie für den Verkehr zu klein ist. Sie verwies auf die Weizenstraße, die im Vergleich dazu relativ breit sei. Aber auch deren Anwohner waren in der Sitzung des Bauausschusses anwesend und lehnen die Umwandlung zur Durchgangsstraße ab.
Ingeborg Hartmann-Seibt (SPD) wies noch auf ein weiteres Problem hin. Wenn an der Kirchdorfer Straße ein so großes Baugebiet entstehe, müssten wahrscheinlich sowohl die Grundschule Upstalsboom als auch die Kindertagesstätte Upstalsboom ausgebaut werden. Denn in Kirchdorf gebe es nur einen kleinen Kindergarten in der alten Dorfschule. Dieser werde den Bedarf nicht decken können.
Bauchschmerzen hatten auch die Vertreter von Grünen, Linken und AWG. Einen Beschluss zur Auslegung der Planunterlagen gab es daher nicht. Stattdessen will der Bauausschuss sich vor Ort ein Bild von der Situation machen. Das ist zumindest ein Aufschub für die Anwohner von Waternüst und Weizenstraße.