Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft  Die Elfmeter-Heldin mit dem richtigen Riecher

| | 04.06.2023 16:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Halbfinal-Heldin Paula Blum umarmt die verletzte Spielerin Elisabeth Steiner. Foto: Helmut Vortanz
Die Halbfinal-Heldin Paula Blum umarmt die verletzte Spielerin Elisabeth Steiner. Foto: Helmut Vortanz
Artikel teilen:

Die SpVg-Torhüterin Paula Blum springt zweimal katzengleich in die richtige Ecke. Wie ist die 15-Jährige mit dem Druck umgegangen?

Aurich - Vor dem letzten Elfmeter überprüft die SpVg-Torhüterin Paula Blum noch mal den Elfmeterpunkt und fixiert die Frankfurter Schützin Sarah Preuss, die sich langsam vom Mittelpunkt nähert, mit ihren Blicken. Die Frankfurterin schießt halbhoch in die linke Torwartecke, Blum macht sich lang und pariert den Ball. Nur Sekunden später ist sie unter einer großen Jubeltraube begraben.

Die erst 15-Jährige wird in dem nervenaufreibenden Spiel zur großen Heldin und sorgt dafür, dass die Auricher B-Juniorinnen um die Deutsche Meisterschaft spielen. Im Gespräch gibt sich die Torhüterin mit dem richtigen Riecher bescheiden. „Ich bin einfach stolz auf die ganze Mannschaft – und das vor dieser Kulisse. Für eine U17-Mannschaft ist das ein Traum“, sagt sie Minuten nach dem Triumph.

Tunnelblick vor dem fünften Elfmeter

Paula Blum ist zwar keine Ostfriesin, aber im Gegensatz zu ihren Teamkolleginnen musste sie bei ihrem Wechsel nach Aurich nicht ganz so weit reisen. Von ihrem Heimatverein Union 60 Bremen waren keine Vereinsvertreter zum Halbfinale gekommen, dafür aber die Familie. Dass die Torhüterin nun eine ausgewiesene Elfmeterspezialistin ist, war vorher nicht bekannt. „Das waren meine ersten beiden Elfmeter, die ich in dieser Saison gehalten habe“, sagt Blum.

Ähnliche Artikel

Das Elfmeterschießen ist nervenaufreibend. Schon vor dem finalen Showdown bespricht sie sich etwas abseits des Geschehens mit Co-Trainer Thorben Cordes – nicht ohne Grund, wie wenig später klar wird. Die letzte Auricher Schützin Sophia Schalke schießt den Ball an die Latte und sinkt zu Boden. Doch Blum ist nicht gewillt, den Traum jetzt platzen zu lassen. Sie muss den Elfmeter der Frankfurterin Lisa Berger halten. „Ich habe einfach alles ausgeblendet. Ich war mir sicher, dass ich ihn halten würde“, erzählt sie. Der Elfmeter ist sogar gut geschossen, doch flink wie ein Panther hechtet Blum in die richtige Ecke und wird wenige Minuten später endgültig zur Heldin des Elfmeterdramas.

Blum kannte die bevorzugte Ecke der Schützin

Kein Wunder: Blum wusste, in welche Ecke Lisa Berger schießen wird. Das Trainerteam der Auricher besaß die Information, dass Berger in dieser Saison alle Strafstöße in die linke untere Ecke geschossen hatte.

Mit diesem Spiel haben sich Blum und ihre Mitspielerinnen in der Vereinshistorie unauslöschlich verewigt. Da ist es nur verwunderlich, dass die Bundestrainer die Leistungen der Mädchen noch nicht gewürdigt haben. Noch nie wurde eine Auricherin für die Nationalmannschaft nominiert. Aber vielleicht klingelt ja bald auch das Telefon bei der Sportvereinigung.