Schwerin Leiche in der Nähe von Diepholz verwahrt: Mutter versteckt toten Sohn acht Jahre lang
Nach dem dritten Tag im Prozess um den gewaltsamen Tod eines zweijährigen Jungen in Schwerin 2013 bleibt vieles rätselhaft. Eine Ermittlerin berichtete, wie der Leichnam nach Jahren im Haus der Mutter in der Nähe von Diepholz gefunden wurde.
Am 4. November 2020 hat sich eine Frau bei der Polizeiinspektion in Schwerin gemeldet, um den Tod ihres Sohnes anzuzeigen. Das sei allerdings bereits acht Jahre her, gab die Mutter an. Ihr Ehemann habe das gemeinsame Kind damals erstickt. Der Leichnam, so die Frau weiter, liege in einer Kiste, die im Haus ihres neuen Lebensgefährten stehe.
Mit diesen Informationen ausgestattet, klingelten wenig später Polizeibeamtinnen an der Tür eines Einzelhauses in einem Dorf in Niedersachsen in der Nähe von Diepholz. Der Bewohner öffnete, der abendliche Besuch war offenbar angekündigt worden. Nach einem Vorgespräch führte er die Ermittler ins Obergeschoss, wo in einem nicht ausgebauten Raum zwischen zwei Dachsparren eine Holzkiste stand, die mit schwarzer Teichfolie und mit Klebeband umwickelt war. Auf ihr lagen ein Teddybär und ein nicht ausgepacktes Weihnachtsgeschenk. „Für meinen Tiger“ stand darauf.
Sie hatte den Eindruck, der Hausbewohner sei sehr erleichtert gewesen, als die Kriminalisten die Kiste aus dem Haus trugen, berichtete eine Ermittlerin nun als Zeugin vor dem Landgericht Schwerin, wo der Vater des Kindes wegen Mordes angeklagt ist. Er habe gesagt, nun könne ein neues Leben für ihn beginnen.
In dem Dorf in Niedersachsen bekam die Polizei noch heraus, dass der Freund der Mutter drei Jahre zuvor – also etwa 2017 – die Kiste mit unter das Dach getragen hatte. Im Prozess in Schwerin will der Mann nicht aussagen, angeblich hat er Angst, sich selbst einer Straftat bezichtigen zu können. Was er zu verbergen hat oder auch nur meint, verbergen zu müssen, bleibt vorerst sein Geheimnis.
Der angeklagte 50 Jahre alte Vater schweigt vor Gericht. Als er im vergangenen Herbst von den Ermittlern mit den Vorwürfen erstmals konfrontiert wurde, gab er die Tat allerdings zu. Er habe den Jungen, der angeblich ständig laut und quengelig war, im Auto mit einer Decke erstickt und in einem Wald bei Schwerin unter Ästen und Zweigen versteckt.
Er berichtete auch, seine Frau habe erst nach dem Mord davon erfahren und sie hätten sich gemeinsam zunächst nach Spanien abgesetzt. Aber seine Frau wollte ihren kleinen Sohn bei sich haben. Der Vater fuhr nach Schwerin und holte den Leichnam aus dem Wald. Mit dem Jungen in dem kleinen Sarg, den die Polizei in Niedersachsen fand, zog die Mutter mehrmals um, während der Vater als Handwerker in der Schweiz arbeitete.
Warum die Mutter im November 2020 das Versteckspiel aufgab, ist unklar. Immerhin hatte sie das tote Kind bereits seit knapp acht Jahren bei sich. Möglicherweise motivierte ihr neuer Lebensgefährte sie dazu. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts muss entscheiden, ob er ein Recht hat, in Schwerin nicht aussagen zu müssen. Als nächste Zeugin aber will das Gericht Mitte des Monats eine Schwester des Angeklagten als Zeugin vernehmen. Als enge Verwandte könnte sie allerdings die Aussage verweigern – ohne einen Grund dafür angeben zu müssen.