Nach Ratssitzung Förderverein der UEK Norden gibt sich kämpferisch
Mitglieder kämpfen seit Jahren für die Norder Klinik. Damit wollen sie auch nach der denkwürdigen Ratssitzung weitermachen. Fassungslos macht sie das Verhalten der Kreisspitze.
Norden - Jetzt erst recht – mit diesem Gefühl beschreiben Mitglieder des Fördervereins der Norder Ubbo-Emmius-Klinik (UEK) ihre Gefühlslage nach der turbulenten Ratssitzung im Norder Theatersaal. Wie berichtet, waren Landrat Olaf Meinen und Klinikchef Dirk Balster am Mittwoch in die Norder Ratssitzung gekommen, um öffentlich über ihre Pläne für das Norder Krankenhaus zu informieren. Aus Sicht der beiden ist eine Umwandlung hin zum Regionalen Gesundheitszentrum (RGZ) unumgänglich. Entsetzt zeigte sich der Förderverein über die Art und Weise, wie Meinen und Balster in Norden aufgetreten sind.
Verbale Schlacht um Norder Klinik – Ratssitzung wurde zur Arena
Große Zweifel an Kurzzeitklinik-Projekt
Norder Ratssitzung wird in die Oberschule verlegt
Grober Patzer in Sachen UEK wird wiederholt
„Ich bin fassungslos, wie da mit den Menschen umgangen wird, wie abgebrüht und arrogant man behandelt wird“, sagte ‚Fördervereins-Vorstandsmitglied Rena Hüls im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch, wenn es insgesamt ein emotionales Thema sei, seien die Fragesteller sachlich gut vorbereitet gewesen und hätten, wie gewünscht, sachliche Fragen gestellt. Aber die Fragen seien überhaupt nicht beantwortet worden. Landrat Olaf Meinen bezeichnete der Förderverein auf der Veranstaltung als Totalausfall. „Die Masken sind auf dieser Veranstaltung gänzlich gefallen“, sagte Rena Hüls. Die ganze Gestik von Olaf Meinen habe Bände gesprochen, sagte auch Hanna Hagen. Helmut Hagemeister hat Klinikchef Dirk Balster nach eigenen Aussagen zum ersten Mal live erlebt. Dass dieser sich wirklich auf eine Debatte mit den Bürgern einlassen wollte, sieht Hagemeister aber nicht. Im Gegenteil. „Die hatten ihren Plan in der Schublade. Balster hat seine Folien abgespult, die gar nicht für diese Runde vorgesehen waren und hat den Nordern klar gemacht, dass er den Job schon 25 Jahre macht und die Norder gar nicht rumjolen müssen, weil ohnehin alles bodenlos schlecht ist in Norden und weg muss“, sagte Hagemeister. Für eine Bürgerveranstaltung sei der Vortrag von Balster gänzlich ungeeignet gewesen, sagte auch Rena Hüls. Das seien Management-Folien für einen Aufsichtsrat gewesen. Aber es sei gar kein Interesse bei der Klinikführung da gewesen, den Bürgern die Dinge so zu erklären, dass sie sie auch verstehen, sagte Hüls.
Personal war in Betriebsversammlung in Schockstarre
Irritiert waren die Mitglieder des Fördervereins, dass der Landkreis anscheinend noch gar keinen Plan habe, wie es nach der Schließung mit dem Rettungsdienst weitergehe. Laut Landrat Olaf Meinen sei der Rettungsdienst gut aufgestellt. Trotzdem würden Anpassungen vorgenommen. Der Landkreis komme seiner diesbezüglichen Verpflichtung nach. Wie genau das vonstattengehen soll, ist aber noch nicht klar. Dafür sei laut Meinen ein Gutachter vom Landkreis beauftragt worden.
Eine langjährige Krankenhausmitarbeiterin war erfreut über die rege Teilnahme. „Als wir vom Personal in der Betriebsversammlung von Herrn Balster informiert waren, war ja alles ganz still, wir waren wie in einer Schockstarre. Deshalb finde ich es gut, dass die Menschen im Rat ihren Mund aufgemacht haben“, sagte sie. Sie ärgert vor allem, dass es von der UEK-Führung „überhaupt keine Wertschätzung“ ihrer Arbeit im Krankenhaus gebe. Einen festen Dienstplan habe sie nur noch bis zum 30. Juni, erzählte sie. Bis zum 31. Juli gebe es zwar auch einen Dienstplan. Da dann aber die Intensivstation geschlossen sein werde, sei nicht klar, wo und wie sie in dieser Zeit eingesetzt werde, sagte sie. Wie es für sie weitergeht? Unklar. Klar ist für sie nur eins: „Ich werde auf keinen Fall in Aurich oder Emden arbeiten“, sagte sie. Dann mache sie lieber etwas ganz anderes für die letzten Berufsjahre.
Förderverein will sich nicht unterkriegen lassen
Den eigentlichen Plan, schon vor der Fertigstellung der Zentralklinik in Uthwerdum, gutes Personal an die UEK zu binden, um dieses dann mitzunehmen, in die neue Klinik, sehen sowohl die Mitarbeiter als auch der Förderverein als gescheitert an. „Die haben nicht dafür gesorgt, dass man am Tag X gute Leute überführen könne“, sagte Hüls.
Ihre Chancen, dass sich an der geplanten Klinikschließung zum 1. Juli tatsächlich noch etwas ändert, schätzen die Mitglieder des Fördervereins realistisch ein. „Man wird solche Leute nur durch massenhaftes Engagement noch von ihren Plänen abbringen können. Aber das müssen wir jetzt mal tun“, sagte Hagemeister. Das sei jetzt der nächste Schritt. Was er meint, ist die vom Aktionsbündnis für den 3. Juni geplante Demonstration für den Erhalt des Krankenhauses in Norden. „Was das bewirkt, wird sich zeigen“, sagte Hagemeister. Rena Hüls fühlt sich vom Protest, der sich schon in der Ratssitzung gezeigt habe, getragen. „Das war schon beeindruckend“, sagte sie. Und genauso will der Förderverein jetzt weitermachen. „Wir lassen uns nicht unterkriegen“, so die Mitglieder.