Verein in Not Wieso ausgerechnet der Klimaschutz das Carsharing in Aurich bedroht
Neue Auflagen der Bundesregierung bedrohen die Existenz des Vereins „Car-Sharing Aurich“. Ein weiterer Umstand könnte das Ende noch beschleunigen.
Aurich - Seit 1994 gibt es in Aurich den Verein „Car-Sharing Aurich“. Schon im kommenden Jahr, zum 30. Geburtstag des Vereins, könnte Schluss sein. Das sagt Vorsitzender Heinrich Herlyn auf ON-Anfrage. Denn er werde im kommenden Jahr seine Tätigkeit als Vorsitzender beenden. „Und einen Nachfolger sehe ich nicht.“
Es gibt noch einen weiteren Umstand, durch den der Fortbestand des Vereins in Frage gestellt ist. Ab 2026, so der Plan der Ampel-Koalition in Berlin, sollen Carsharing-Angebote weitgehend klimaneutral werden. Allgemein dürfen in Europa ab 2035 keine Autos mit Verbrennermotor mehr verkauft werden, die Übergangsfrist ist also deutlich länger.
10.000 Euro je Ladesäule
Generell, das berichtet die Tagesschau in ihrem Onlineangebot, ist die Carsharing-Branche bei der Elektromobilität führend. Der Anteil der E-Autos beträgt dort 20 Prozent. Ansonsten liegt der E-Auto-Anteil in Deutschland nur bei vier Prozent. Die Umstellung ist aber gerade für ehrenamtlich geführte kleine Vereine wie den Auricher teuer. Denn finanziert werden muss nicht nur der Autokauf. Dazu gehört auch je eine Ladesäule. Denn die Wagen sollen den Nutzern schließlich vollgetankt zur Verfügung stehen.
Heinrich Herlyn hat sich mit seinen Mitstreitern schon vor zwei Jahren mit dem Thema befasst. Damals sollten Ladesäulen zwischen 6000 und 8000 Euro kosten. Mittlerweile dürften es eher 10.000 Euro pro Ladesäule sein. „Wir haben jetzt Rücklagen, um unsere drei Verbrenner-Autos zu gegebener Zeit zu ersetzen.“ Dabei handele es sich stets um Gebrauchtwagen, mit denen der Verein bei Bedarf eines der drei Autos ersetzt, die im Stadtgebiet auf die Nutzer warten. Herlyn geht davon aus, dass sich bis 2035 auch bei den Elektroautos ein größerer Gebrauchtwagenmarkt entwickeln wird. Ebenso wird es eine Entspannung beim Thema Ladesäulen geben. Bis 2026 allerdings werde das nicht passieren. „Ohne Förderung wäre das das Aus für unseren Verein.“ Er appelliert daher an die Bundesregierung, mit der Regelung für Carsharing-Anbieter wenigstens bis 2030 zu warten.
Idee: Stadt Aurich sollte Carsharing anbieten
Gelöst werden müsste neben der Finanzierung auch die Frage, wo der Verein die Ladesäulen aufstellen könnte. Angedacht worden war bereits ein Standort auf einem Privatgrundstück. Dort habe der Besitzer eine Photovoltaikanlage, mit der er auch sein eigenes Auto lädt. „Wir brauchen aber dennoch eine eigene Ladesäule.“ An einem weiteren Standort müsste man sich mit der Stadt Aurich einig werden. Es handelt sich dabei um das Grundstück des Hospizvereins.
Im Grunde, so Heinrich Herlyn, müsse man das Carsharing als Teil der Verkehrswende begreifen, da durch diese Idee weniger Autos auf den Straßen fahren würden. „Eigentlich müsste das die Stadt Aurich selbst betreiben.“ Denn ehrenamtlich sei das auf Dauer nicht durchzuhalten. In Aurich funktioniere das nur, weil der Verein mit 45 Mitgliedern relativ klein sei. Wären es 100 regelmäßige Nutzer der drei Autos, wäre das ehrenamtlich nicht mehr zu leisten.
Private Betreiberfirma in Leer
Eine Kommune, so der Gedanke, könnte das Angebot zuverlässig aufrechterhalten – unabhängig davon, wie viele Nutzer es gibt. Eine andere Möglichkeit gibt es zum Beispiel in der Stadt Leer. Dort bietet das Unternehmen Cambio Carsharing an. Die Firma ist in Belgien und Deutschland in insgesamt 142 Städten vertreten und mit 4600 Fahrzeugen nach eigenen Angaben einer der größten unabhängigen Carsharing-Anbieter. Cambio wendet sich dabei nicht nur an Privatpersonen, sondern bietet mittlerweile auch Lösungen für Firmen an. Laut Eigenwerbung könnten über das Cambio-Carsharing ganze Unternehmensflotten ersetzt werden.
Ein Umstand, durch den auch der relativ kleine Auricher Markt für so eine Firma interessant werden könnte. Denn wenn einige größere Unternehmen als Basisumsatz fungieren, könnte sich auch das Carsharing-Angebot für Einzelkunden lohnen.