Neues Heiz-Gesetz  Verunsicherung im Kreis ist groß

Kim Hüsing
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Von Kim Hüsing
| 25.05.2023 10:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Installation von neuen Gasheizungen und Thermen hat derzeit Konjunktur. Foto: DPA
Die Installation von neuen Gasheizungen und Thermen hat derzeit Konjunktur. Foto: DPA
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Der Entwurf für ein neues Heiz-Gesetz erregt die Gemüter. Auch im Kreis haben die Vorschläge der Politik für Verunsicherung gesorgt. Das spüren die Betriebe insbesondere bei einer Personengruppe.

Aurich - Große Diskussionen löst derzeit das geplante neue Gebäude-Energie-Gesetz aus. Laut dem Entwurf sollen schon ab 1. Januar 2024 keine neuen Gas- und Ölheizungen mehr eingebaut werden. Betroffen von den Plänen sind fast alle Hausbesitzer. Doch auch die Handwerker geraten an ihre Grenzen. Wöchentlich würden etwa zehn Kunden anrufen, die schnell noch eine neue Gasheizung möchten, sagt Lennart Habben vom gleichnamigen Auricher Heizungsbetrieb. Er ist der Sohn des Inhabers Lothar Habben. Die Verunsicherung sei sehr groß. Vor allem ältere Kunden würden sich genau vorrechnen lassen, was die Alternativen kosten würden. Und entscheiden sich dann doch für eine Gasheizung.

Eigentlich würden die Installateure Heizungsanlagen so lange laufen lassen, bis etwas passiere. Doch nun würden viele ihre 20 bis 25 Jahre alten Anlagen lieber frühzeitig austauschen, so Lennart Habben. Momentan hätten Gasthermen Lieferzeiten von zwei bis sechs Wochen. Doch je nach Nachfrage könne sich das schnell wieder ändern. Gerade bei den Altbauten würden neben dem Heizungstausch noch andere Sanierungsarbeiten anfallen. Sollten sich die Kunden beispielsweise für eine Wärmepumpe entscheiden, sei diese nur in Zusammenhang mit Photovoltaik sinnvoll, erläutert Habben. Deshalb seien Gasheizungen derzeit wesentlich mehr gefragt als alternative Technologien. Diese kämen mehr bei Neubauten zum Tragen.

Wärmepumpen kommen vermehrt bei Neubauten zum Einsatz

Ähnliche Erfahrungen gibt Rolf-Dieter Behrends wieder. Der Fehntjer ist stellvertretender Obermeister der Innung Sanitär- und Heizungstechnik Aurich-Norden. Auch in seinem Betrieb habe er reichlich zu tun. „Dieses Jahr bin ich schon gut ausgebucht“, so Behrends. Für etwaige Notfälle müsse er immer Lücken im Kalender lassen. Doch diese kämen vermehrt erst wieder im Herbst/Winter auf die Betriebe zu. Auch seine Kunden würden die Sanierung ihrer älteren Gasheizungsanlagen derzeit vorziehen. „Viele wären in den kommenden Jahren eh dran gewesen“, schildert Behrends. In Altbauten sehe er derzeit auch keine großen Alternativen. Wer jetzt eine neue Anlage einbaue, habe mindestens 15 bis 20 Jahre Ruhe.

In Neubauten kämen zu 80 bis 90 Prozent Luftwärmepumpen zum Einsatz. Erdbohrungen würden sich in vielen Wohngebieten gar nicht umsetzen lassen, so der stellvertretende Obermeister. Bei den Wärmepumpen gebe es bereits Lieferengpässe. Etwa ein viertel bis ein halbes Jahr müssten die Kunden derzeit darauf warten. Um seine Mitarbeiter auf den Einbau der neuen Technologie vorzubereiten, schickt Behrends sie auf interne Schulungen der Herstellerfirmen. „Das ist kein großes Hexenwerk“, sagt er. Einigen Kunden empfehle er Hybridgeräte, die sich später erweitern lassen.

Innung sehnt Entscheidung herbei

Etwa 130 Sanitär- und Heizungsbaubetriebe gibt es nach Angabe der Handwerkskammer für Ostfriesland im Kreis Aurich. „Wegen des großen Bedarfs an Fachkräften für die Transformationsprozesse brauchen wir jede und jeden im Handwerk“, sagt Hauptgeschäftsführer Jörg Frerichs. Besonders groß sei der Bedarf bei den Klimaberufen, also bei Heizung-Sanitär-Klima, bei Elektroinstallateuren und generell am Bau. „Hier ist vorrangig die Politik gefragt, das inländische Fachkräfte-Potenzial zu heben sowie die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland zu vereinfachen und zu beschleunigen“, so Frerichs. Denn Fachkräfte würden in allen Branchen gesucht.

Derzeit versucht Behrends noch, die Kunden zu beruhigen. „Bis Ende Juli sollte es ja wohl einen Beschluss geben“, hofft er. Denn ihm ist vor allem wichtig, dass die Politik in Berlin endlich eine Entscheidung trifft. Nur so könne die Verunsicherung nachlassen. Auch der Chef der hiesigen Handwerkskammer wünscht sich Klarheit und Planungssicherheit. Installateur Behrends spricht sich für eine zweijährige Übergangszeit aus. Sonst sei der Umbau der Heizungen nicht zu schaffen. Auch sein Kollege Lennart Habben geht davon aus, dass die Politik die Pläne für das Verbot neuer Gas- und Ölheizungen nicht so schnell durchbekommt. „Das wird sich wohl auf 2026/27 belaufen“, gibt er eine Prognose ab.

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