Boston/Kopenhagen  Künstliche Intelligenz sagt Krebs drei Jahre vor der Diagnose voraus

Rebecca Niebusch
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Von Rebecca Niebusch
| 23.05.2023 06:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Symptome von Bauchspeicheldrüsenkrebs sind oft zunächst unspezifisch; auch Bauchschmerzen gehören dazu. Trotzdem gibt es jetzt Fortschritte bei der Früherkennung. Foto: IMAGO IMAGES/Panthermedia
Die Symptome von Bauchspeicheldrüsenkrebs sind oft zunächst unspezifisch; auch Bauchschmerzen gehören dazu. Trotzdem gibt es jetzt Fortschritte bei der Früherkennung. Foto: IMAGO IMAGES/Panthermedia
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Je schneller Krebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs bleiben Warnsignale des Körpers jedoch lange Zeit unentdeckt. Künstliche Intelligenz könnte jetzt dabei helfen, das zu ändern.

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den tödlichsten Krebsarten: Die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt in Deutschland für beide Geschlechter bei 10 Prozent, meldet das Zentrum für Krebsregisterdaten des Robert Koch-Instituts (RKI).

Im Jahr 2019 erkrankten 19.685 Menschen an Pankreaskarzinom; aufgrund der ungünstigen Prognose verstarben laut RKI auch fast ebenso viele Personen. Doch jetzt gibt es Fortschritte in der Forschung zu der Erkrankung: Künstliche Intelligenz und mRNA-Impfungen sollen helfen.

Ein Forscher-Team von der Harvard Medical School und der Uni Kopenhagen hat eine Deep-Learning-KI entwickelt, die Risikopatienten früher identifizieren soll. Den Wissenschaftlern zufolge könne die KI ausschließlich anhand der Patientenakten Menschen erkennen, die ein erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs haben. Bis zu drei Jahre vor der eigentlichen Diagnose kann so eine Prognose für die Krebserkrankung gestellt werden.

Die Forscher trainierten die KI mit Krankheitsgeschichten von neun Millionen Menschen aus den USA und Dänemark. 28.000 von ihnen entwickelten Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die KI ermittelte dann Muster, die für Menschen typisch sind, welche die Erkrankungen aufwiesen.

Ärzte könnten mithilfe der Technologie feststellen, wer von weiterführenden Untersuchungen profitieren würde – und wer nicht. Im frühen Stadium sind die Symptome von Bauchspeicheldrüsenkrebs nämlich sehr unspezifisch und auch Risikofaktoren wie das Rauchen, starkes Übergewicht und Diabetes Typ 2 sind individuell betrachtet nicht eindeutig ein Garant dafür, dass die Krankheit ausbricht. Eine KI kann diese Daten bündeln.

Auch für Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung gibt es Neuigkeiten aus der Forschung. Ein Team des Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York berichtet im Fachblatt „Nature“ von einem in Phase I erprobten klinischen Ansatz: Ein individualisierter mRNA-Impfstoff namens adjuvantes autogenes Cevumeran soll die Immunreaktion der Patienten verbessern und so eine Rückkehr der Krankheit verhindern. In dieser ersten Phase zeigte die Behandlung bei der Hälfte der behandelten Patienten Wirkung, so die Experten.

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Die Impfstoffabgabe erfolgte neun Wochen nach der operativen Entfernung des Tumors und in Kombination mit Chemotherapie und Immuntherapie. Für Phase II der Forschung hoffen die Wissenschaftler nun, dass sie die Herstellung und die Verabreichung des Impfstoffs in unter neun Wochen schaffen. Auch die Kosten sind noch sehr hoch: Wie die „New York Times“ berichtet, konnte die Firma Biontech den Preis pro Dosis von 350.000 US-Dollar schon auf 100.000 US-Dollar senken.

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