Prozessauftakt in Aurich  38-Jähriger nach Schüssen auf Frau vor Gericht

Neelke Harms
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Von Neelke Harms
| 22.05.2023 18:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hier, vor der Polizeistation in Ihrhove, lag die verletzte Frau. Rettungsdienst und Polizei waren vor Ort. Foto: Carsten Ammermann
Hier, vor der Polizeistation in Ihrhove, lag die verletzte Frau. Rettungsdienst und Polizei waren vor Ort. Foto: Carsten Ammermann
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Weil er seine 25-jährige Ehefrau mit einer Waffe verletzt haben soll, steht ein Mann vor dem Landgericht Aurich. Am Montag begann der Prozess gegen ihn. Zeugen sagten aus.

Aurich/Westoverledingen - Eine 25-jährige Frau kommt in eine Bäckerei, schreit vor Schmerzen, keiner hilft ihr. Wenig später findet einer der Bäckereikunden sie etwa 200 Meter weiter auf dem Boden liegend. Sie erzählt ihm, von ihrem Mann mit einer Waffe verletzt worden zu sein. Der Bäckereikunde wählt den Notruf.

Dieser Vorfall soll sich am 16. Oktober 2022 in Ihrhove (Westoverledingen) ereignet haben. Der 38-jährige Ehemann der Verletzten steht seit Montag vor dem Landgericht Aurich. Er wird beschuldigt, nach einem Streit eine Schusswaffe aus seinem Auto geholt und damit in der gemeinsamen Wohnung aus kurzer Distanz dreimal auf seine Frau geschossen zu haben. Die 25-Jährige erlitt dabei leichte Verletzungen an Bauch, Gesäß und Rücken. In der Notaufnahme fand man ein Patronengeschoss in ihrem Hosenbein.

Seit Januar in Untersuchungshaft

Der Vorwurf gegen den 38-Jährigen lautet gefährliche Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft hatte zuerst sogar wegen versuchten Totschlags Anklage erhoben. Dem folgte das Auricher Gericht jedoch nicht.

Nach der Auseinandersetzung mit seiner Frau soll der 38-Jährige geflohen sein. Es wurde ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Die Staatsanwaltschaft Aurich veranlasste eine nationale und internationale Fahndung. Festgenommen wurde der Mann schließlich in Frankreich. Seit dem Januar 2023 sitzt er in Untersuchungshaft in der JVA Oldenburg.

Angeklagter: Keine Flucht nach Frankreich

Zu der ihm vorgeworfenen Tat wollte der 38-Jährige am Montag noch nichts sagen. Zu seiner Person machte er jedoch Angaben. Und er erklärte, er habe gar nicht fliehen wollen. Er habe sich in Frankreich aufgehalten, weil es in Deutschland Probleme mit der Aufenthaltsgenehmigung gegeben habe. 1992 kam der Westoverledinger mit seiner Familie aus dem Kosovo nach Deutschland. Er arbeitete bei Zeitarbeitsfirmen, bis er begann, Autos zu verkaufen. Weil er keine Arbeitsgenehmigung bekam, wanderte er erst nach Schweden aus, lebte dann wieder im Kosovo und kam immer wieder als Tourist nach Deutschland.

Das Ziel der Reise nach Frankreich sei ein gesichertes Aufenthaltsrecht gewesen, erklärte Verteidiger Anwalt Matthias B. Koch. Denn wenn sein Unternehmen dort angemeldet gewesen sei, hätte der 38-Jährige auch in Deutschland arbeiten können.

Angeklagter will einen Neuanfang mit seiner Frau

Als er in Frankreich festgenommen worden sei, seien seine Frau und ihre gemeinsamen zwei Kinder dabei gewesen. Seit sieben Jahren sei er mit der Mutter von zwei seiner elf Kinder zusammen, erklärte der Westoverledinger. Auf Nachfrage seines Verteidigers, sagte der Angeklagte: „Alles, was gewesen ist, wollen wir hinter uns lassen und neu anfangen.“ Er liebe seine Frau über alles und sie ihn auch. Sobald er frei sei, würden sie wieder zusammenleben wollen.

Zu den Vorwürfen wolle der 38-Jährige möglicherweise am nächsten Verhandlungstag Angaben machen, so sein Anwalt.

Elfjähriges Mädchen als Zeugin vor Gericht

Neben dem Bäckereikunden, der die verletzte Frau fand und den Notruf wählte, wurde ein elfjähriges Mädchen als Zeugin gehört. Aufgrund ihres jungen Alters wurde die Öffentlichkeit für ihre Vernehmung ausgeschlossen.

Fortgesetzt wird der Prozess am Mittwoch, 24. Mai. Neben einer Einlassung des Angeklagten soll es weitere Zeugenaussagen geben.

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