Köln  Wie beim VfL Osnabrück die Euphorie zurückkehrte

Susanne Fetter, Harald Pistorius
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Von Susanne Fetter, Harald Pistorius
| 22.05.2023 05:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Gemälde des Glücks: Der VfL lebt auch in Köln seine Tradition weiter und feiert den Sieg mit einem Mannschaftsfoto vor dem Fanblock. Foto: VfL Osnabrück/Titgemeyer
Gemälde des Glücks: Der VfL lebt auch in Köln seine Tradition weiter und feiert den Sieg mit einem Mannschaftsfoto vor dem Fanblock. Foto: VfL Osnabrück/Titgemeyer
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Der VfL Osnabrück und seine Fans standen auch in Köln zusammen und haben sich mit dem 2:0-Sieg bei der Viktoria so ein Endspiel im Saisonfinale der 3. Fußball-Liga erspielt. Die Ernüchterung nach dem 2:2 gegen Meppen ist plötzlich wie weggewischt. Und plötzlich ist die Euphorie zurück...

Aus den Heimbereichen waren schon viele Zuschauer auf dem Weg nach Hause, da wurde bei den Gästen noch ordentlich gefeiert. „Schweinsteiger, Schweinsteiger!“, skandierte eine Gruppe VfL-Fans von der Haupttribüne nach dem 2:0-Sieg der Osnabrücker bei Viktoria Köln, um danach lautstark in das vom Stadion-DJ eingelegte „Sweet Caroline“ einzustimmen.

Direkt davor stand Tobias Schweinsteiger auf dem Rasen, gab Interviews und genoss die Atmosphäre. „Ich mag das Lied ja ganz gerne“, sagte er und lächelte. Die Rufe nach seinem Namen nahm der VfL-Trainer, bescheiden wie immer, ohne größere Reaktion auf. Die Mannschaft und ihr Zusammenhalt sollen im Mittelpunkt stehen – wie beim obligatorischen Sieger-Gruppenfoto vor den Fans, die lange mit ihrem Team gezittert hatten, ehe ausgiebig gejubelt wurde.

Der Sieg in Köln hält den VfL weiter im Rennen um einen Aufstiegsplatz in der 3. Fußball-Liga. Dass seit Sonntag der Relegationsplatz sogar in eigener Hand ist, stand am Samstag zwar noch nicht fest, doch schon da war die Zuversicht riesig. Wie schnell sich Stimmung doch wandeln kann in dieser für den VfL so irren Saison.

Nach dem 2:2 gegen den SV Meppen in der Vorwoche hatten Enttäuschung und Ernüchterung bei vielen vorgeherrscht. Der Grad der „Enttäuschung“ sei immer auch ein Spiegelbild der „allgemeinen Erwartungshaltung“, zeigte Schweinsteiger Verständnis. Zumindest für ein kurzzeitiges Gefühl. Schon direkt nach der Partie aber hatte er auch prophezeit, man werde sich nicht abschütteln lassen. Was ihn so sicher machte? „Dass wir gut drauf sind und ordentlich Fußball spielen. Ich weiß, was die Jungs seit November leisten. Das ist sensationell“, sagte er. Und: „Die Euphorie, die wir so entfacht haben, freut uns.“

Etwa 4000 Osnabrücker folgten dem VfL nach Köln. Gegen Verl waren 5000 nach Paderborn gereist. Im Schnitt begleiteten knapp 1400 Lila-Weiße ihren Club in dieser Saison auswärts.

„Schon wieder auswärts ein Heimspiel“, sagte Philipp Kühn begeistert, „nur so kannst du beim VfL erfolgreich sein, wenn alle zusammen anpacken.“ Das galt auch für den Torwart, der unter anderem einen Schuss von Viktoria-Legende Mike Wunderlich in der 58. Minute glänzend parierte.

Bis dahin war es ein offener Schlagabtausch gewesen mit lila-weißen Vorteilen. Vier Minuten später dann verschoben sich die Kräfteverhältnisse, nachdem der Kölner Abwehrspieler Jamil Siebert auf recht plumpe Weise versucht hatte, einen Elfmeter zu schinden, und Gelb-Rot sah.

Per Kopfball nach einer Ecke von Florian Kleinhansl traf Robert Tesche etwas später zur 1:0-Führung, es war das 21. Standardtor des VfL in dieser Saison. Der eingewechselte Henry Rorig nutzte eine sehenswerte Vorlage von Ba-Muaka Simakala zum 2:0 und beruhigte bei Protagonisten wie Fans zumindest leicht die Nerven.

Lange dürfte auch diese Gefühlslage nicht anhalten. Die Vorfreude auf das Endspiel im Saisonfinale wird die Woche prägen. Auch deshalb will Schweinsteiger vorerst weiter eher ein Ruhepol sein. Zumindest so lange, bis die VfL-Hymne ertönt. Noch so ein Song, den er ganz gerne mag. 16000 werden ihn am Samstag singen – voller Euphorie, Erwartung und mit ganz viel Emotion.

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