ÖPNV in Aurich Anrufbus soll noch zwei Jahre bleiben
Seit langer Zeit wird über den Anrufbus entschieden. Erstmals wurden nun auch die Praktiker angehört. Dass deren Meinung auch Beachtung findet, ist aber nicht sicher.
Aurich - Etwas Bewegung gekommen ist in die zuletzt verfahrene Diskussion um den Auricher Anrufbus. Im Auricher Verkehrsausschuss wurde am Mittwoch mit knapper Mehrheit beschlossen, den Anrufbus zwei weitere Jahre fahren zu lassen. Am 1. Juni 2025 soll er dann von einem neuen ÖPNV-System in der Stadt Aurich abgelöst werden. Gegen dieses Vorhaben stimmten AWG, CDU und FDP. Sie wollten den Anrufbus am liebsten zu Ende Mai kommenden Jahres ersatzlos streichen. Denn die geringen Fahrgastzahlen hätten gezeigt, dass die Auricher Einwohner das Angebot nicht wollten. Vor der Sitzung gab es zum ersten Mal ein Treffen mit den beteiligten Akteuren außerhalb der Politik.
Turbulent war in den vergangenen Sitzungen die Diskussion über den Auricher Anrufbus verlaufen. In der Sitzung des Verkehrsausschusses in der vorigen Woche gab es am Ende sechs Anträge der Fraktionen. Zu viel für eine Sitzung. Sie wurde unterbrochen und am Mittwoch dieser Woche fortgesetzt.
Debatte über den Anrufbus ohne Entscheidung
Anrufbus – Senioren fühlen sich von Politik vergessen
Anrufbus erhält zwei Jahre Galgenfrist
Ab Juni gibt es keinen Auricher ÖPNV mehr in diesem Jahr
Bus kündigen oder weiter betreiben?
Abseits der teils ideologischen und emotional aufgeheizten Debatte hatten sich diesmal im Vorfeld die Praktiker getroffen. Zum ersten Mal sprachen, offenbar auf Betreiben der zukünftigen Ersten Stadträtin Laura Rothe, diejenigen miteinander, die den Anrufbus betreiben und ein Nachfolgesystem erarbeiten sollen. Dazu gehören die Kreisbahn Aurich, der Landkreis Aurich, das Büro „Mobile Zeiten“, Bürgermeister Horst Feddermann sowie Laurat Rothe. Für die Politik war Gila Altmann (Grüne) dabei, die die Sitzung des Ausschusses am Mittwoch vertretungsweise leitete.
Erörtert wurde laut Altmann, was in Bezug auf den Anrufbus überhaupt zulässig und möglich sei. Denn Teile der Politik wollten am liebsten sofort kündigen – andere hingegen wollten den Anrufbus deutlich verlängern. Beides aber ist nicht möglich. Denn für den Anrufbus ist eine Konzession nötig, die von der Landesnahverkehrsgesellschaft vergeben wird. Und diese läuft am 31. Mai 2024 aus.
CDU: Taxigutscheine für Bedürftige
Hinzu komme, so Altmann, dass nicht nur die Stadt den vertrag mit der Kreisbahn kündigen könne. Das funktioniere in beide Richtungen. Wenn man also nicht ganz klar einen Fahrplan abspreche könne es passieren, dass am Ende die Kreisbahn den Vertrag kündige und es dann gar kein Busangebot mehr gebe in Aurich. Die Erkenntnisse aus dem Gespräch wurden in einen gemeinsamen Antrag von SPD, GAP und Grünen gegossen, denen auch die Linke zustimmen konnte. Demnach soll der Anrufbus bis Ende Mai 2025 weiterfahren.
Nicht einverstanden waren damit AWG, FDP, CDU und GFA. Letztere hat im Ausschuss allerdings kein Stimmrecht. Der Anrufbus sei kein Mittel gegen den Klimawandel, so Heidrun Weber (GFA). Denn das Angebot richte sich an ältere Menschen, die nicht mehr klimaschädlich seien.
Linke: Drei Stadtbuslinien reichen nicht
Artur Mannott (CDU) betonte, dass weder Werbung noch kostenlose Fahrten die Menschen in den Anrufbus gelockt hätten. Abgesehen davon sei der Landkreis Aurich für den ÖPNV zuständig, nicht die Stadt. Das Argument, dass Menschen ohne Auto auf den Bus angewiesen seien, ließ er nicht gelten. „Da fahren nicht nur Alte und Bedürftige mit.“ Er habe erst kürzlich eine junge Frau in einem Anrufbus gesehen. Die könne auch mit dem Rad zur nächsten Haltestelle eines Regionalbusses fahren. „Das ist auch gesund.“
Wirklich Bedürftigen will Mannott vier Gutscheine für Taxifahrten in die Innenstadt in die Hand drücken. Einmal in der Woche in die Stadt fahren müsse reichen. Beim Anrufbus schieße die Stadt pro Fahrt 13,50 Euro zu. „Und dann trinken die in der Stadt einen Kaffee für 3,50 Euro.“
Hendrik Siebolds (Linke) attestierte seinem CDU-Kollegen daraufhin „wirkliche soziale Kälte“. Mit der Argumentation, der Landkreis sei zuständig, müsse man auch die Kindertagesstätten oder die Realschule an den Kreis abgeben. Ein großer Teil der Auricher werde nicht durch die Regionalbuslinien erschlossen, so Siebolds. Er forderte daher nochmals mehr als nur die drei festen Stadtbuslinien, die vom Büro „Mobile Zeiten“ vorgeschlagen wurden. Am Dienstag, 23. Mai, wird sich der Rat mit dem Thema Anrufbus befassen – mit ungewissem Ausgang. Denn die Abstimmung im Ausschuss war mit sieben zu sechs Stimmen so knapp, dass es davon abhängt, welche der Ratsmitglieder am Dienstag anwesend sein werden.