Bahnstrecke Aurich-Abelitz  Kreis gibt Studie zur Reaktivierung in Auftrag

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 17.05.2023 12:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bislang können nur Güterzüge die 2008 reaktivierte Strecke von Aurich nach Abelitz nutzen. Foto: Romuald Banik
Bislang können nur Güterzüge die 2008 reaktivierte Strecke von Aurich nach Abelitz nutzen. Foto: Romuald Banik
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Lange war die Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Bahnstrecke Aurich-Abelitz angekündigt worden. Nun hat der Landkreis ein Gutachterbüro gefunden.

Aurich - Es hat länger gedauert als geplant. Aber nun hat der Landkreis Aurich die angekündigte Machbarkeitsstudie für die Reaktivierung der Bahnstrecke Aurich-Abelitz in Auftrag gegeben. Mit der Erarbeitung der Studie wurde das Fachplanungsbüro Emch und Berger mit Sitz in Hannover beauftragt. Das teilt Kreissprecher Rainer Müller-Gummels mit. Noch in diesem Jahr soll die Studie fertig sein.

Mit den ersten Arbeiten wurde bereits begonnen. So seien Drohnenflüge durchgeführt worden, um die bestehende Bahnline zu vermessen. Damit soll eine spätere Visualisierung der Strecke ermöglicht werden.

Verkehrsknotenpunkte werden untersucht

Eine ganze Reihe von Untersuchungen müssen parallel durchgeführt werden. So werden die Kosten in den Blick genommen, die für die Reaktivierung für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) entstehen. Diese hängen auch davon ab, welches System am Ende zum Einsatz kommen wird. Zur Wahl steht eine klassische Eisenbahn, ein Zug nach der Straßenbahnbetriebsordnung oder eine Mischung von beiden – der sogenannte Tram-Train. Letzterer wird unter anderem vom Verkehrsexperten Karl-Georg Schroll bevorzugt, der vor Kurzem ein Buch über die Strecke Aurich-Abelitz verfasst hat. Ein solcher Tram-Train könnte bis Georgsheil als Straßenbahn fahren und relativ viele Haltestellen bedienen. Der Vorteil: Eine Straßenbahn fährt auf Sicht. Die Anforderungen an Sicherungsanlagen sind nicht so hoch wie bei einer reinen Eisenbahn. Auch der Verein „Aurich – ran an die Bahn“ hat sich bereits für diese Lösung ausgesprochen.

Thomas Gehrke ist zweiter Vorsitzender des Vereins „Aurich – ran an die Bahn“. Foto: Romuald Banik
Thomas Gehrke ist zweiter Vorsitzender des Vereins „Aurich – ran an die Bahn“. Foto: Romuald Banik

Ermittelt werden muss aber auch, welche Grundstücke durch die Reaktivierung betroffen sein könnten, welche Lärmbelästigungen entstehen und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die Natur zu schützen. Kritiker der Strecke führen immer wieder die hohe Zahl von Bahnübergängen an, die es zwischen Aurich und Abelitz gibt. Das sind laut Müller-Gummels zum großen Teil private Zufahrten und Verkehrswege mit eher geringerer Verkehrsbedeutung. Aber auch die Kreuzungen mit verkehrswichtigen Hauptverkehrsstraßen sollen unter die Lupe genommen und überplant werden. „Sollte eine Reduzierung von Bahnübergängen durch eine Auflösung entsprechender Übergänge notwendig werden, wird die Anlage von Parallelverkehrswegen und deren Auswirkungen mit zu betrachten sein.“

Lärmberechnung in der Kritik

Innerhalb der bebauten Siedlungsgebiete ist eine Verkehrslärmbetrachtung vorgesehen. Hierin werden Aussagen dazu getroffen, ob Maßnahmen zur Lärmminderung geboten sind und welche Maßnahmen diese gegebenenfalls sein könnten. Ein Problem könnte dabei eine alte Entscheidung sein, wie Thomas Gehrke, zweiter Vorsitzender von „Aurich – ran an die Bahn“, vor Kurzem in einem Pressegespräch sagte. Bei der Neuplanung der Ortsdurchfahrt Moordorf sei ein Fehler passiert. Dieser führe dazu, dass bei der Reaktivierung der Bahn nicht der gesamte Lärm von Bundesstraße und Schiene als Paket betrachtet werde. „Der Lärm der Bahn würde noch auf den Lärm der Straße draufgepackt.“ Deswegen werde es schwer, die vorgeschriebenen Grenzwerte einzuhalten.

Eine Lösung seien batteriebetriebene Straßenbahnen. Bei diesen entstände der Lärm nur an den Rädern, weswegen rund 80 Zentimeter hohe Lärmschutzwände ausreichen würden. Das könnte in Form eines Gabionenzaunes geschehen. „Der könnte sogar begrünt werden“, so Thomas Gehrke. Die Batterien dieser Züge könnten an der Oberleitung im Netz der Deutschen Bahn sowie an Ladestationen an der Auricher Endhaltestelle aufgeladen werden.

Land untersucht Reaktivierung derzeit auch

Ein weiterer Hauptschwerpunkt der Studie soll laut Rainer Müller-Gummels darauf liegen, welchen Nutzen der SPNV für die Region hat und wie dieser gestaltet werden könnte. Barrierefreie Bahnsteige, ein Taktfahrplan und die Fahrgeschwindigkeiten spielen eine Rolle. Am Ende müsse es vor allem eine Nutzungs- und Betriebskostenanalyse geben, damit die Politik eine Entscheidung treffen kann.

Entlang der Bahnstrecke gibt es zahlreiche Bahnübergänge – zu viele, sagen Kritiker der Reaktivierung. Foto: Romuald Banik
Entlang der Bahnstrecke gibt es zahlreiche Bahnübergänge – zu viele, sagen Kritiker der Reaktivierung. Foto: Romuald Banik

Parallel untersucht derzeit auch das Land Niedersachsen, ob sich eine Reaktivierung der Strecke Aurich-Abelitz lohnen könnte. Das Land hat eine neue Reaktivierungsrunde für stillgelegte Bahnstrecken ins Leben gerufen. Bis Mitte Mai sollten Städte, Gemeinden und Landkreise Strecken benennen, die überprüft werden sollen. Automatisch mit dabei ist bereits die Linie Aurich-Abelitz. Denn, so schreibt es die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG), diese Strecke hatte bei der Reaktivierungsuntersuchung von 2013 bis 2015 bereits die Stufe zwei erreicht.

Widerstand gegen die Reaktivierung der Strecke für den Personenverkehr kommt aus Südbrookmerland. So hatte Kreispolitiker Hinrich Albrecht (SPD) erst kürzlich moniert, dass die Bahn Moordorf zweiteilen würde. Ob eine Straßenbahn, die in Städten wie Bremen problemlos neben Fußgängern verkehrt, das Dorf stärker zerschneidet als die dreispurige Bundesstraße, wird vielleicht auch die Machbarkeitsstudie zeigen.

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