Flensburg  Café Habeck: Warum der Vizekanzler eine Gastronomin verärgert

Miriam Scharlibbe
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Von Miriam Scharlibbe
| 16.05.2023 14:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Robert Habeck spricht auf einer Pressekonferenz über das LNG-Terminal auf Rügen. In Mecklenburg-Vorpommern sorgen die Pläne des Vizekanzlers für Kritik und auch eine Rügener Gastronomin ist verärgert. Foto: Stefan Sauer/dpa
Robert Habeck spricht auf einer Pressekonferenz über das LNG-Terminal auf Rügen. In Mecklenburg-Vorpommern sorgen die Pläne des Vizekanzlers für Kritik und auch eine Rügener Gastronomin ist verärgert. Foto: Stefan Sauer/dpa
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“Eine Welt”: Über die gastronomischen Fähigkeiten des Vizekanzlers ist wenig bekannt. Mit der Kaffee-Stube „Café Habeck’s“ auf Rügen hat er jedenfalls nichts zu tun. Trotzdem ist er jetzt Schuld daran, dass die Besitzerin den Namen ändern will. Und irgendwie hat es auch mit der Energiekrise zu tun.

Die Welt ist nicht schwarz-weiß. Wir Menschen lieben Party und Protest, wollen die Erde retten und trotzdem online shoppen. Dabei setzen wir den Planeten in Brand. Die Klimakrise ist DAS Thema unserer Zeit. Miriam Scharlibbe legt den Finger in die Wunde und schaut dorthin, wo es wehtut: in den Spiegel. Sie kritisiert Verschwendung und Verwerfungen des Kapitalismus, Gedankenlosigkeit und mangelnde Nachhaltigkeit – und hadert dabei ständig mit sich selbst.

Es gibt diese eine Beschreibung des typischen Robert-Habeck-Frühstücks, die von Robert Habeck selbst stammt. Ein vernachlässigtes Privatleben, Zweifel am Regieren – in einem TV-Porträt des Spiegel-Autors Markus Feldenkirchen gab Habeck 2021 Einblicke in die Härten der Politik. Dabei fiel auch dieser für einen Vizekanzler sehr bemerkenswerte Satz: “Heute Morgen habe ich Müsli mit Wasser gegessen, ohne Scheiß.”

Ob Habeck Kaffee kochen kann, wurde bei dieser Gelegenheit nicht überliefert. Sicher ist aber, seit vielen Jahren konnten Einheimische und Touristen auf der Ostseeinsel Rügen im “Café Habecks” ebensolche Heißgetränke bestellen. Betreiberin Vanessa Wellbrock hat den Namen von den Vorbesitzern übernommen, Verbindungen zum Wirtschaftsminister aus Flensburg bestehen demnach nicht. Der bekannte Name hat bisher aber auch nicht geschadet.

Nun will Wellbrock aber ihren eigenen Namen über die Eingangstür zur Kaffee-Stube schreiben – aus Ärger über das von Habeck vor Rügen geplante LNG-Terminal. Nach Plänen des Habeck-Ministeriums soll ab dem kommenden Winter ein Flüssigerdgas-Terminal in Mukran im Norden der Insel Gas über eine Pipeline bis aufs Festland liefern. Wellbrock und andere Insulaner sind darüber gar nicht erfreut, sehen Natur und Tourismus bedroht.

Habeck selbst war erst vor einigen Tagen auf Rügen, um seine LNG-Pläne zu erklären und zu rechtfertigen. Denn in der Sache bleibt der Norddeutsche standhaft. Das Terminal sei für Deutschlands Versorgungssicherheit unerlässlich. Der Grüne will nun im doppelten Wortsinn Gas geben: „Wenn wir das noch in diesem Jahr schaffen wollen, müsste man im Sommer anfangen zu bauen.“

Der Café-Besitzern dürfte so oder so nun einiges an Aufmerksamkeit sicher sein – unabhängig davon, wie gut Torten und Kaffee auf Rügen wirklich schmecken. Es stellt sich nur die Frage, was mit einigen Traditionsbetrieben passiert, wenn diese Protestform Schule macht. Die für eine nicht gerade günstige Tortenvielfalt bekannte Konditorei Lindtner in Hamburg-Eppendorf kann sich noch auf den zusätzlichen Buchstaben zurückziehen.

Aber zumindest das ein oder andere Restaurant Scholz hätte schon einige Gründe zur Namensänderung gehabt. Aber so lange der Bundeskanzler noch in Sylts bekanntester Strandbar willkommen ist, wie zuletzt an Ostern, dürfte er sich darüber keine Gedanken machen.

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