Schwerin/Rostock  Kein Fiebersaft in der Apotheke: Welche Alternativen gibt es für mein Kind?

Anja Bölck
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Von Anja Bölck
| 16.05.2023 12:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Manche Medikamente für Kinder sind aktuell bundesweit knapp. Einige Apotheken rühren daher selber Fiebersäfte an. Foto: Dejan Dundjerski
Manche Medikamente für Kinder sind aktuell bundesweit knapp. Einige Apotheken rühren daher selber Fiebersäfte an. Foto: Dejan Dundjerski
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Die Stirn fühlt sich heiß an, der Sohn oder die Tochter hat Fieber. Doch in der Apotheke ist kein Fiebersaft mehr vorrätig – oder nur einer mit Beipackzettel in fremder Sprache. Was nun? Ein Apotheker gibt Ratschläge.

„Den haben wir leider nicht vorrätig“. Wer aktuell in Apotheken nach fiebersenkenden Säften für Kinder verlangt, muss damit rechnen, dass dieser Satz fällt. Fiebersäfte mit Ibuprofen oder Paracetamol sind aufgrund von Lieferengpässen kaum zu bekommen.

Und wenn doch, sind nicht nur Kunden, sondern auch die Apotheken-Mitarbeiter mehr als erleichtert. „Das gab es noch nie, dass sich die Kollegen in den Apotheken so massiv freuen, wenn neue Ware eintrifft“, sagt Axel Pudimat, Vorsitzende des Apothekerverbandes Mecklenburg-Vorpommern.

Fiebersäfte sind bei Müttern und Vätern sehr begehrt, denn sie eignen sich gerade für die ganz Kleinen, die vielleicht noch keine Tabletten schlucken können. Und selbst bei den Größeren ist bei Tabletten der Protest mitunter groß. Zäpfchen sind bei den allermeisten Kindern ohnehin sehr unbeliebt. Doch was tun, wenn die Fiebermittel in der Apotheke vergriffen sind?

Hat die Stammapotheke gerade keinen Fiebersaft vorrätig, lohnt es sich, sich ans Telefon zu hängen und Apotheken in der Umgebung abzutelefonieren. Vielleicht hat noch eine etwas vorrätig, weil in der Umgebung weniger Kinder wohnen oder einfach ein größerer Vorrat vorhanden war.

Oder eine Apotheke erhält dieser Tage Fiebersäfte aus dem Ausland. Einige Bundesländer – darunter auch Schleswig-Holstein und Niedersachsen – haben nämlich kürzlich Apotheken sowie pharmazeutischen Großhändlern die Einfuhr von größeren Mengen Antibiotika-Säfte für Kinder aus dem Ausland erlaubt. „Es gibt Kollegen, die sich nun nach Bezugsquellen im Ausland umschauen“, sagt Axel Pudimat. „Von einem weiß ich, dass er in Italien zugelassene Fiebersäfte geordert hat.“

Die Fiebersäfte, die aus dem Ausland eintreffen, werden aber in den meisten Fällen einen Beipackzettel in fremder Sprache enthalten. Und nun?

„Wir Apotheker denken uns was aus“, versichert der Vorsitzende des Apothekerverbandes MV. „Man kann als Apotheker oder Apothekerin beispielsweise einen Beipackzettel von einem deutschen Fiebersaft nehmen und ihn durch den Kopierer jagen.“ Bei Fragen zur Dosierung werde man die Kunden jedenfalls nicht allein lassen.

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Wer Glück hat, hat in der Nachbarschaft eine Apotheke, die selbst Fiebersäfte herstellt. Axel Pudimat weiß von einigen Apotheken in MV, die in der infektreichen Winterzeit viel Zeit in das Anrühren eigener Fiebersäfte gesteckt haben.

Allerdings unterscheiden die sich ein wenig von den herkömmlichen Medikamenten: „Die Industrie setzt sehr auf guten Geschmack, den die Apotheken so meist nicht hinbekommen“, weiß der Apotheker. Außerdem sei der selbst angerührte Fiebersaft nur etwa zwei Wochen haltbar.

Und der Preis? Während es die Packung Zäpfchen für ein bis zwei Euro gibt, kostet eine Flasche in Handarbeit hergestellter Fiebersaft aus der heimischen Apotheke schon mal zwischen 10 und 20 Euro. 

Die besten Alternativen zum Fiebersaft sind Tabletten und Zäpfchen, die auch meistens problemlos in den Apotheken verfügbar sind. Und wenn es bei den Zäpfchen doch mal eng werden sollte, können die Apotheken auch diese selbst herstellen.

„Vor Jahrzehnten war es Standard, dass Kinder Zäpfchen bekamen“, sagt Axel Pudimat. „Und in den Apotheken war es gang und gäbe, sie selbst herzustellen.“ Allerdings muss auch bei Tabletten und Zäpfchen von den Eltern die genaue Dosierung beachtet werden. Eine Überdosierung, so warnen die Kinderärzte, schade der Leber.

Damit die Tablette nicht im Hals stecken bleibt, kann man sie auch als Ganzes oder gebröselt auf einen Löffel mit etwas Joghurt oder Flüssigkeit verabreichen. Eltern können außerdem zu teilbaren Tabletten greifen, wenn die Hälfte der Tablette der Dosis entspricht, die das fiebernde Kind braucht. „Auch ein Zäpfchen lässt sich durchschneiden“, so Axel Pudimat.

Von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände (ABDA) kommt die Empfehlung, die Zäpfchen nicht mit der Spitze zuerst, sondern dem Stumpen voran einzuführen. So würden sie leichter in den Darm gleiten. Bei Babys sollte man zusätzlich die Pobacken ein paar Minuten lang leicht zusammendrücken.  

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„Bei leichtem Fieber um die 38 Grad macht man am besten gar nichts, wenn es dem Kind soweit gut geht“, meint der Apotheker aus MV. „Das Kind muss auch mal Fieber haben, um die Infektion bekämpfen zu können. Verschlechtert sich der Zustand und steigt das Fieber auf 40, was bei Kinder ja oft sehr schnell geht, verschaffen Fiebersenker Linderung. Besondere Vorsicht gilt bei Babys. Bei anhaltendem Fieber besteht die Gefahr, dass ihr Körper austrocknet.“ 

Ist dem Kind zu warm oder schwitzt es, kann man Wadenwickel anlegen. Schon unsere Eltern und Großeltern sind mit ihnen „aufgewachsen.“

Dafür ein dünnes Tuch, beispielsweise ein Geschirrtuch, in lauwarmes – keinesfalls eiskaltes – Wasser tränken, auswringen und nicht zu fest um die Unterschenkel wickeln. Dann die Wade mit einem zweiten, trockenen Handtuch umwickeln. Bei kleinen Kindern nur etwa zehn Minuten lang anwenden, bei älteren 20 bis 30 Minuten. 

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