Zukunft der UEK Auricher Oberarzt kritisiert Protest gegen Norder Krankenhausschließung
Dr. Erwin Schoolmann sagt, den Nordern werde unnötig Angst gemacht. Außerdem kämpften die Norder um eine Versorgung, die es schon jetzt im Krankenhaus nicht mehr gibt.
Norden/Aurich - Seit bekannt ist, dass die Trägergesellschaft das Norder Krankenhaus zum 1. Juli in ein Regionales Gesundheitszentrum (RGZ) umwandeln will, hat sich in Norden der Protest formiert. Doch dieser Protest ist falsch, sagt Dr. Erwin Schoolmann, Oberarzt der Anästhesie an der Ubbo-Emmius-Klinik in Aurich, im Gespräch mit unserer Zeitung. Dieser basiere auf falschen Annahmen und spiele mit den Ängsten der Menschen.
Was er meint: Bei der ersten Versammlung des Norder Aktionsbündnisses gegen die Klinikschließung hatte sich Mareike Ziegler zu Wort gemeldet, die nach eigenen Aussagen CDU-Mitglied und auch selbst Neurologin ist. Diese hatte in ihrem Redebeitrag auf eine „Hilfspflicht“ für den Rettungsdienst hingewiesen, wonach die nächste Intensivstation innerhalb von 15 Minuten erreichbar sein müsse, wenn etwas Schlimmes passiert. Die sei bei der Schließung des Krankenhauses nicht mehr gegeben. Und dann sagte Ziegler den Satz, der Dr. Erwin Schoolmann besonders aufregt. „Wenn hier in Norden auf der Straße jemand mit einem Herzinfarkt umkippt, vergeht eine halbe Stunde, bis der in Aurich ist“, so Ziegler. Auch könne der Rettungshubschrauber in der Norder Innenstadt nirgendwo landen. „Diese Menschen sind tot. Die kommen nicht mehr lebend an“, sagte Ziegler.
Dr. Schoolmann echauffiert sich über „Falschaussagen“
Davon abgesehen, dass Mareike Ziegler bei einer Googleabfrage weder bei der CDU noch als Ärztin zu finden ist, ärgert Dr. Schoolmann vor allem die „Aneinanderreihung von Falschaussagen“ der vermeintlichen Kollegin. „So ein Unfug macht mich fassungslos“, sagte er. „Herzinfarktpatienten werden seit vielen Jahren nach Aurich gebracht und dort erfolgreich behandelt“, sagte Dr. Schoolmann. Vorher hätten betroffene Patienten häufig bis nach Westerstede, aber auch nach Leer oder Wilhelmshaven transportiert werden müssen, so Dr. Schoolmann. Kein Rettungsdienst würde einen solchen Patienten nach Norden bringen, sagte er. Ebenso sei es bei Schlaganfallpatienten. Diese würden seit Jahren „auf hohem Niveau“ in Emden behandelt. Wenn die Emder Klinik nicht aufnahmebereit ist, werden diese Patienten nach Sande oder Westerstede gebracht, so Dr. Schoolmann.
Auch einem Patienten mit einer schweren Kopfverletzung, mit einer potenziellen Hirnblutung würde eine „künstlich am Leben gehaltene Intensivstation in Norden“ nichts nützen, betonte Schoolmann. Denn Hirnblutungen würden vorwiegend in Sande, Westerstede oder Oldenburg behandelt. Es gebe zahlreiche andere Erkrankungen oder Verletzungen, die schon seit Jahren in Norden gar nicht behandelt werden könnten oder allenfalls „anbehandelt“ werden könnten. Dr. Schoolmann machte klar: In den allermeisten Fällen komme es gerade nicht darauf an, unter welchen Umständen auch immer in das nächstgelegene Krankenhaus zu kommen. Viel entscheidender sei es, in ein geeignetes Krankenhaus transportiert zu werden. „Wichtig ist es, die richtige und beste Behandlung für das Krankheitsbild zu bekommen, nicht dass im nächsten Krankenhaus nur das getan wird, was dort gerade möglich ist“, sagte Dr. Schoolmann.
Norder Personal in Aurich willkommen
Er verstehe den Ärger und den Frust bei den Norder Bürgern und den Mitarbeitern der Norder Klinik. Es gebe aber eine Realität, der man sich nicht entziehen könne. Die Behandlung komplexerer Erkrankungen und Verletzungen sei in Norden aufgrund zahlreicher Umstände nicht mehr gewährleistet. Oft sei nicht einmal genügend Personal für die Basisversorgung da. „Wir helfen von Aurich ständig in Norden aus“, sagte Dr. Schoolmann. Dafür müssten dann in Aurich wieder Leistungen reduziert werden. Andernfalls könnten die Dienste in Norden gar nicht mehr aufrecht gehalten werden. Diese Veränderung sei seit Jahren absehbar gewesen. Schon beim Bürgerentscheid sei klar gewesen, dass das Norder Krankenhaus nicht bis zur Inbetriebnahme der Zentralklinik erhalten bleiben könne, schon gar nicht rund um die Uhr und mit allen Abteilungen. Das sei weder finanziell noch personell leistbar, sagte Dr. Schoolmann.
Ein weiteres Problem seien tatsächlich die Honorarärzte, die auch Klinikchef Dirk Balster in seiner Begründung für die Umwandlung genannt hatte. „Das sind ganz oft Berufsanfänger im ersten Jahr“, sagte Dr. Schoolmann. Diese Ärzte hätten keinerlei Erfahrung und es sei auch niemand da, der sie anleiten könnte. Man könne von diesen jungen Ärzten gar nicht erwarten, dass sie schnell und richtig behandeln.
Statt jetzt Kraft und Energie zu investieren, um gegen die geschlossenen Entscheidungen Sturm zu laufen, sollten diese Menschen, nach Ansicht von Dr. Schoolmann, lieber konstruktiv daran mitarbeiten, medizinische Versorgungskonzepte für die Bürger in Norden zu entwickeln. Das Personal des Norder Krankenhauses sei in Aurich herzlich willkommen, sagte Schoolmann: „Wir können viele Leute gebrauchen, Arbeit gibt es hier genug.“
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