Personalnot bei Auricher Tafel Neuer Kopf und viele Hände gesucht
Die Auricher Tafel versorgt rund 250 Menschen pro Woche. Es werden Helfer gesucht. Dabei sind ganz unterschiedliche Zeitmodelle möglich. Das Team stellt sich ohnehin gerade neu auf.
Aurich - Auf Ebay-Kleinanzeigen findet man nicht nur Geschirr, Bücher und Schallplatten, sondern manchmal auch einen Hilferuf. Die Auricher Tafel sucht dringend engagierte ehrenamtliche Mitarbeiter, die mit anpacken wollen „und bereit sind, für eine gute, wichtige Sache einzustehen“.
So hat es Wera Westermann dort eingestellt. Sie gehört zum ehrenamtlichen Team der Tafel und hofft ebenso wie ihre Kollegen Hinrich Hippen und Waltraud Reichert auf neue Anpacker. Gemeinsam mit Matthias Caspers, dem Leiter des Diakonischen Werks Aurich, erläuterte sie im ON-Gespräch, welche Aufgaben zu verrichten sind. Dabei blicken alle vier mit großem Optimismus auf die Zukunft und stellen besonders das familiäre Miteinander in der Einrichtung in den Vordergrund.
Arbeit nur mit vielen guten Mitarbeitern zu bewältigen
Kurz vor Ostern hatte Ernst Kuntner nach vielen Jahren die Leitung der Tafel abgegeben, was für Ratlosigkeit bei den ehrenamtlichen Helfern gesorgt hatte (wir berichteten). Im Detail war an mehreren Stellen nicht klar, wie es nun weitergehen würde. Die Wochen seitdem seien aber genutzt worden, um gemeinsam mit dem Diakonie-Chef ein neues Team aufzustellen, sagt Hippen: „Es hat sich enorm was getan. Wir haben gesagt, wir ziehen das jetzt durch und können die Tafelarbeit nicht einfach fallen lassen.“ Der Laden laufe nun. Eine Handvoll neue Helfer konnte auch schon gewonnen werden. Aber es ist auch klar, dass mehr Personal gebraucht wird.
Die Anzahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter sei seit der Coronazeit rückläufig. Derzeit würden sich nur rund 25 Ehrenamtliche bei der Auricher Tafel für die etwa 250 Bedürftigen einsetzen. Die Tafel hofft deshalb auf weitere Freiwillige. „Unsere Arbeit ist nur mit vielen guten Mitarbeitern zu bewältigen“, sagt Wera Westermann. Und weil natürlich auch die Tafelmitarbeiter Urlaubspausen machen, ist der nun beginnende Sommer ein personelles Nadelöhr.
Erwartungen an neue Leitung wurden definiert
Gesucht werden neben Fahrern auch Helfer in der Sortierung und der Ausgabe. Was der Auricher Tafel außerdem fehlt, ist ein neuer Kopf. Aus dem bisherigen Team möchte niemand die Aufgabe übernehmen, sondern alle wollen lieber an ihren jetzigen Stationen im Einsatz bleiben.
Es geht vor allem um die Koordinierung. Gewünscht ist aber auch, dass die Leitung wie Ernst Kuntner alle Aufgaben aus eigener Erfahrung kennt und sich dort bei Bedarf auch mal mit einbringt. „Man kommt hier in ein sehr erfahrenes, eingespieltes und unterstützendes Team“, sagt Caspers: „Das Wissen, wie die Tafel funktioniert, ist schon hier.“ Gesucht werde jemand, der nicht nur organisieren, sondern auch gut mit Menschen umgehen und auf Augenhöhe leiten kann.
Klima ist wieder positiv
Auch im Hinblick auf die weitere Zusammenarbeit zwischen Tafel und dem Diakonischen Werk Aurich äußern sich die vier zuversichtlich. „Das Klima ist wieder positiv, wir haben wieder alle die gleichen Ziele“, sagt Hinrich Hippen. Die Stimmung unter den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Tafel war in letzter Zeit in den Keller gerutscht. Zwei geplante Neuerungen, die elektronische Kundenkarte und der Plan, die „Tafelkiste“ abzuschaffen, waren bei den Ehrenamtlichen auf Skepsis gestoßen.
Nun werde wieder mehr von der Diakonie kommuniziert. „Wir haben ein neues Vertrauensverhältnis aufgebaut, es passt“, sagt Westermann. Gemeinsam betonten Caspers und die Tafel-Mitglieder, dass sie sich in offenen und ehrlichen Gesprächen neu zusammengefunden und den Teamgeist wieder gestärkt hätten.
Diakonie-Leiter ließ sich von Vorteil der Kisten überzeugen
Derzeit würden die Lebensmittel weiterhin in vorab gepackten Kisten an jeden Bedürftigen ausgeteilt. Für den Erhalt der Lebensmittelkisten sprachen sich Hippen, Reichelt und Westermann aus Platzgründen aus. Caspers hat sich von ihnen überzeugen lassen. Ursprünglich wollte er, dass die Tafelkunden sich die Lebensmittel selbst zusammenstellen können. „Aber es ist bei der großen Anzahl der Kunden einfach zu eng“, so Westermann. Beim Umpacken der Kisten in Taschen können die Kunden Lebensmittel, die sie nicht haben wollen, in der Kiste zurücklassen. Sie fließen dann in die Ausgabe zurück. Oder die Kunden tauschen direkt untereinander. „Der Vorteil am Kistensystem ist auch, dass die Leute dann mal was mitnehmen, was sie sonst nicht genommen hätten. Dann probiert man auch mal was aus“, sagt Reichert, die bei der Tafel an der Kasse sitzt.
Wie berichtet, soll bald die elektronische Kundenkarte eingeführt werden. Die Erprobung der Software beginnt bald in Großefehn. In Aurich werde das System wohl im Juli umgestellt, sagte Caspers.
Unsicherheit: Wie hat sich die Zahl der Berechtigten seit dem Aufnahmestopp entwickelt?
Dann kommt noch eine große Unsicherheit auf die Auricher Tafel zu. Wie berichtet, herrscht seit dem vergangenen Juli Aufnahmestopp bei der Auricher Ausgabestelle. Angesichts der Inflation und des Ukrainekrieges hatte sich das Spendenaufkommen verringert und die Zahl der Berechtigten stieg. Eine Warteliste wird nicht mehr geführt. Mit der Einführung der elektronischen Kundenkarte stehen die nächsten Bedürftigkeitsprüfungen an. Und erst dann zeigt sich, wie viele Haushalte inzwischen auf die Tafel angewiesen sind.
Die Tafel-Mitarbeiter berichten von der großen Dankbarkeit, die ihnen von den Bedürftigen entgegengebracht werde. „Wir versuchen, allen irgendwie gerecht zu werden“, sagt Reichert.
Die Aufgaben bei der Tafel
Grundsätzlich: Die Schichteneinteilung ist flexibel. Es gibt Helfer, die mehrmals die Woche im Einsatz sind. Aber auch Mitarbeiter, die nur einmal pro Monat oder nur in geraden oder ungeraden Wochen tätig sein können. „Wir sind bei der Einteilung sehr flexibel, da sind ganz viele individuelle Modelle möglich“, sagt Wera Westermann. „Wichtig ist nur, dass das, was vereinbart und eingeteilt ist, dann auch verlässlich besetzt ist.“ Auch für jemanden, der ausschließlich in der Ferienzeit anpacken wolle, sei das Tafelteam dankbar.
Die Fahrer: Die Fahrer holen montags bis sonnabends Waren bei mehreren Läden ab. Sie machen sich zu zweit um kurz vor 8 Uhr mit dem Sprinter der Tafel auf den Weg. Gefragt sind dabei auf dem Fahrer- und dem Beifahrersitz kräftige Anpacker, denn die Lebensmittelkisten sind durchaus schwer. In den meisten Läden sind die Waren so im Lager abgestellt, dass die Tafelmitarbeiter sie selbstständig verladen. Rund zweimal am Vormittag kehren sie zur Tafel zurück und laden aus, weil dort parallel schon die Sortierer aktiv sind. Gegen 12 bis 12.30 Uhr haben die Fahrer ihre Tour geschafft. Zwischendurch gibt es eine Pause mit Kaffee und Brötchen im Tafelgebäude.
Die Sortierer: Die Sortierer sind dafür da, die Ware nach Bereichen zu sortieren: Kartoffeln zu Kartoffeln, Backwaren zu Backwaren und so weiter. Die Backwaren werden aus großen Säcken in kleine Beutel umgefüllt. Die Sortierer sind auch dafür verantwortlich, die Lebensmittel, die am Ausgabetag nicht mehr zu gebrauchen sind, auszusortieren. Sie sind montags, dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis etwa 12 Uhr im Einsatz. Laut Waltraud Reichert ist die Tätigkeit von Geselligkeit und Routine geprägt.
Die Ausgabe: Die Mitarbeiter der Ausgabe sind dienstags und freitags von 13 bis etwa 17 Uhr im Einsatz. Sie packen an verschiedenen Stationen die vorhandene Ware nach und nach in durchlaufende Kisten, die die Tafel-Kunden ab 14 Uhr abholen kommen. Das System ist laut Westermann eingespielt. Es gibt erfahrene Kolleginnen, die auch sicher einschätzen können, wie viele Lebensmittel am jeweiligen Ausgabetag bei schwankender Spendenmenge in die Kisten gepackt werden dürfen. Denn auch der letzte Abholer des Tages soll gerecht versorgt werden.
Die Tafelleitung: Für die neue Leitung wird derzeit eine Art Stellenbeschreibung erarbeitet. Ihre Aufgabe sind vor allem die Koordination von Logistik, Mitarbeitereinteilung und Materialbestellung. Für Büroarbeiten gibt es nun auch eine Assistenz.
Matthias Caspers erläuterte weitere Möglichkeiten der Mitarbeit. Es gibt bei einigen großen Arbeitgebern das Modell „Engagierter Ruhestand“. Einer der derzeitigen Fahrer der Tafel hat dieses Modell gewählt und leistet in dem Rahmen nun 1000 Stunden Ehrenamt ab. Die Diakonie denkt auch darüber nach, eine Freiwilligendienststelle (BFD, FSJ) für die Tafel einzurichten. Auch Straffällige haben die Möglichkeit, ihre Sozialstunden bei der Tafel abzuarbeiten.