Osnabrück  Zwei Aufstiegshelden schocken den VfL Osnabrück: 2:2 gegen SV Meppen

Stefan Alberti, Benjamin Kraus
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Von Stefan Alberti, Benjamin Kraus
| 14.05.2023 16:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Guter Start ins Derby: Niklas Wiemann wuchtete eine Ecke von Florian Kleinhansl mit dem Kopf ins Netz. Foto: osnapix / Dauwe
Guter Start ins Derby: Niklas Wiemann wuchtete eine Ecke von Florian Kleinhansl mit dem Kopf ins Netz. Foto: osnapix / Dauwe
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Rückschlag für den VfL Osnabrück im Aufstiegsrennen der 3. Liga: In einem dramatischen, wechselvollen Derby gegen den SV Meppen reichte es im drittletzten Spiel der Saison nur zu einem 2:2. Ausgerechnet zwei Aufstiegshelden der Saison 2018/19 bereiteten die Treffer des Abstiegskandidaten aus dem Emsland vor.

Ein Unentschieden, das keinem wirklich weiterhilft in dieser Endphase. Den Meppenern bleibt nach dem vierten Spiel ohne Niederlage nur noch eine winzige Chance, den Vier-Punkte-Rückstand in der Abstiegszone wettzumachen. Der VfL hat bessere Aussichten, verpasste allerdings die Chance, mit den am Wochenende siegreichen Rivalen aus Dresden, Wiesbaden und Saarbrücken Schritt zu halten.

Am Ende einer mitreissenden Schlussphase verpassten die Osnabrücker vor einer prächtigen Kulisse in der ausverkaufen Bremer Brücke mehr nur um wenige Zentimeter das Siegtor, doch verpasst hatte die Mannschaft den Erfolg schon in der ersten Halbzeit. Nach der Führung durch Wiemann hätte der VfL gegen die wackelnden Meppener nachlegen müssen. Doch die Meppener kamen ins Spiel und gingen durch Treffer von Ballmert und Soares in Führung - vorbereitet wurden die Treffer von den Ex-Osnabrückern Blacha und Alvarez. Ein 17-Meter-Schuss von Kleinhansl zum 2:2 löste den Sturmlauf der Endphase aus, der vergeblich blieb.

Keine Überraschung in der Startelf des VfL, wohl aber eine auf Meppener Seite: Der Ex-Lotteraner Tankulic stand auf den Tag genau ein Jahr nach dem 4:3 bei Viktoria Berlin wieder für die Emsländer in einem Ligaspiel auf dem Rasen. Der torgefährliche Spielmacher, in der Saison 2020/21 mit 14 Toren und fünf Assists der Mann des Jahres beim SV Meppen, hatte in der Vorbereitung im vergangenen Sommer einen Innenmeniskusriss erlitten und ist seit zehn Tagen zurück im Mannschaftstraining. Den Ex-VfLer Marcos Alvarez  ließ Trainer Ernst Middendorp zunächst auf der Bank. 

Perfekte Einstimmung auf das Derby: So lief der Fanmarsch zum Stadion

Beim VfL bot Trainer Tobias Schweinsteiger Wiemann wie schon in Paderborn beim 1:0 gegen Verl als Innenverteidiger anstelle des erkrankten Gyamfi auf, Wulff ersetzte den gelbgesperrten Tesche im Mittelfeld - fünfter Startelfeinsatz für den Youngster, erster Ausfall für den Routinier.

So atemberaubend wie die Choreo der Fanszene, die das halbe Stadion einbezog, startete der VfL in das vorletzte Heimspiel. Mit Druck, Tempo und Kombinationen schnürte die Mannschaft den Gast von Beginn an in dessen Hälfte ein. Das produzierte Torgefahr, doch weil der letzte Pass zu oft nicht kam (vor allem Simakala hatte hier Defizite), gab es wenig klare Torchancen, abgesehen von Kleinhansls Schuss nach einem Solo (4.). 

So musste zum 19. Mal in dieser Saison eine Standardsituation die überfällige und verdiente Führung einleiten: Einen Kleinhansl-Eckball von links wuchtet Wiemann schulmäßig ins Netz  - und brachte mit seinem ersten Tor für den VfL die Brücke zum beben (21.). 

Der VfL setzte nach, wollte mit Macht das zweite Tor - doch es reichte trotz guter Möglichkeiten nicht: Beermanns Kopfball kratzte Soares kratze Soares von der Linie (24.), dann blieb Niemann nach schönem Simakala-Pass an Kraulich und Harsmann hängen (36.). 

Dann der Schock wie aus dem Nichts: Der Ex-VfLer Blacha, einer der Aufstiegshelden von 2019, überrumpelte die VfL-Abwehr mit einem Doppelpass mit Pourié, servierte von der Grundlinie eine Flanke nach innen, wo Ballmert den Ball aus kurzer Distanz ins Tor setzte - mit der ersten Chance hatten die Meppener ausgeglichen.

Ein Wirkungstreffer, denn der VfL verlor fast schlagartig seine Linie und war froh, sich in der Pause sortieren zu können. Doch das gelang zunächst nicht. Während die Meppener, nun mit Alvarez als zweiter Spitze neben Pourié und ohne den angeschlagenen Blacha (für ihn kam Pepic), da anknüpften, wo sie vor der Pause aufgehört hatten und mutig nach vorn spielten, kämpfte der VfL mehr mit den eigenen Nerven als mit dem Gegner. 

Einen  Freistoß aus 17 Metern setzte Simkala an die Mauer (52.), einen schon fast verstolperten Konter setze Engelhardt weit über das Tor (55.). Die Kulisse wurde genauso unruhig wie das Osnabrücker Team, bei dem sich die leichten Ballverluste häuften im selben Maß wie das Selbstvertrauen schwand. 

Die Meppener nutzten das eiskalt: Alvarez holte 40 Meter vor dem VfL-Tor einen Freistoß heraus, den er perfekt auf das lange Eck platzierte, wo sich Abwehrchef Soares freigeschlichen hatte und den Ball perfekt ins lange Eck köpfte - 1:2 in der 61. Minute.

Was jetzt noch half? Eine Aktion aus dem Moment, aus der Intuition: Als Kleinhansl am linken Strafraumeck an den Ball kam, suchte er nach einer Anspielstation, Flanke oder Pass, das waren die Option. Doch dann sah der Linksverteidiger plötzlich die Lücke und zog sekundenschnell ab - flach schlug der Ball im langen Eck ein, 2:2, 67. Minute!

Es begann eine heiße Schlussphase - mit Heider und Wähling (für Niemann und Wulff). Um ein Haar hätte es eine Doublette zum 1:0 gegeben, doch der Kopfball von Wiemann (natürlich nach einer Ecke von Kleinhansl) schwirrte knapp am Tor vorbei (80.) - genauso knapp verfehlte der Flachschuss von Wähling nach guter Vorarbeit von Köhler und Kunze das lange Eck (82.)

Es war nicht der Tag von VfL-Topscorer Simakala - zweimal missriet ihm auch seine Spezialität, der Schlenzer mit rechts aus halblinker Position (81., 88.).  Der VfL blieb dran, holte Ecke auf Ecke, zuckte zusammen beim Fallrückzieher von Alvarez (89.) und haderte mit dem Glück, als einer weiterer, diesmal abgefälschter Schuss von Wähing knapp vorbeiging (90.). 

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