Energiewende im Kreis Aurich Wie brandgefährlich sind Solaranlagen wirklich?
Immer mehr Solaranlagen werden im Kreis Aurich installiert. Doch wie sicher ist die Technik? Anfängliche Probleme bei Bränden hat die Feuerwehr inzwischen im Griff. Doch neue sind hinzugekommen.
Aurich - Photovoltaik (PV) wird in unserer nachhaltigen Energiezukunft eine zentrale Rolle spielen. Immer mehr Solar-Anlagen wurden in den vergangenen und werden in den kommenden Jahren auch auf privaten Gebäuden installiert. In gleichem Umfang nehmen die Diskussionen über die Gefährlichkeit der Anlagen zu. Insbesondere wird immer wieder über Brände berichtet oder werden Gerüchte gestreut, die Feuerwehren ließen die entsprechenden Gebäude bei ihren Einsätzen wegen der damit verbundenen Risiken kontrolliert abbrennen. Doch wie hoch ist die Brandgefahr wirklich?
Der Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Aurich, Manuel Goldenstein, schätzte im ON-Gespräch die Brandgefahr durch Photovoltaik-Anlagen als äußerst gering ein: „Während meiner Tätigkeit hat es im Kreis Aurich noch keinen Großbrand gegeben, der von einer Solaranlage verursacht wurde.“ Die Anlagen seien seiner Meinung nach genauso sicher wie andere elektrische Installationen, die nur dann Probleme verursachen, wenn sie beschädigt sind.
Studie zur Brandgefahr von Solaranlagen
Diese Aussage wird durch eine aktuelle Studie des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesystem ISE bekräftigt. Das Dokument „Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland“ (aktualisiert im März 2023) analysiert und bestätigt unter anderem, dass die von PV-Anlagen ausgehende Brandgefahr nicht größer ist als bei anderen Elektroinstallationen.
Demnach gab es in den vergangenen 20 Jahren 350 Brände, an denen Solaranlagen beteiligt waren. Nur in 120 Fällen war die Anlage der Auslöser des Brandes. Dies entspricht bei aktuell zwei Millionen installierten Anlagen einem Anteil von 0,006 Prozent.
Brände entstehen oft dann, wenn unerfahrene Installationstrupps im Akkord Anlagen aufbauen. Werden beispielsweise die Solarstecker mit der Kombizange statt mit Spezialwerkzeug angebracht oder nicht kompatible Stecker verwendet, dann ist die Schwachstelle vorprogrammiert. Hier dürfen Anlagenbetreiber nicht an der falschen Stelle sparen, schlussfolgert der Autor der Studie.
Wo das Problem liegt
Erst vor wenigen Tagen ist in Rahe ein Bauernhof bis auf die Grundmauern abgebrannt. Das Dach war mit einer großen PV-Anlage bestückt. Als Brandursache wurde auch in diesem Fall von der Polizei ein technischer Defekt, nicht aber die PV-Installation genannt (die ON berichtete). Zu diesem Großbrand hieß es allerdings seitens der Feuerwehr, der Einsatz sei durch die PV-Anlage erschwert worden, weil die Solarmodule nicht abgeschaltet werden konnten.
Das Besondere dabei ist, dass die installierten Solarzellen Gleichstrom produzieren, solange auch nur ein Rest Licht auf sie fällt. Selbst wenn die Wechselstromseite im Gebäude, also der Wechselstromrichter, abgeschaltet wurde, gilt dies nicht gleichzeitig für die Gleichstromseite auf dem Dach. Doch inzwischen können die Feuerwehrleute mit diesem Risiko umgehen, bestätigt Manuel Goldenstein. „Als die Photovoltaik-Technik noch in den Kinderschuhen steckte, haben die Feuerwehren vielleicht Dachstühle kontrolliert abbrennen lassen. Doch diese Zeiten sind längst vorbei“, so der Pressesprecher. Heutzutage seien die Einsatzkräfte umfassend auf die Risiken vorbereitet. Außerdem würden bei Bedarf die Experten des regionalen Stromversorgers hinzugezogen. Wichtig sei es, im Notfall den Innenbereich durch einen Notschalter spannungsfrei schalten zu können.
Ein Risiko bleibt
Inzwischen sieht der erfahrene Feuerwehrmann eher eine Gefahr in der Größe und dem Gewicht der Module auf dem Dach. Durch einen Einsturz oder splitterndes Glas könne sowohl erheblicher Personen- als auch Sachschaden entstehen.
In Barstede betreibt Dirk Haßbargen, Landwirt mit einem der größten Betriebe in der Region, seit 2019 eine PV-Anlage mit Solarmodulen in der Größenordnung von etwa 1500 Quadratmeter zur teilweisen Deckung des eigenen Verbrauchs und zur Einspeisung in das Netz. Ein besonderes Risiko oder eine erhöhte Brandgefahr sieht der Jungbauer in der Installation nicht. „Wir haben alles fachgerecht aufbauen lassen und dabei auch sicherheitsrelevante Besonderheiten berücksichtigt. Alle Wechselrichter liegen außerhalb der Ställe und somit auch die Kabelverbindungen von den Modulen dorthin. Zudem wird die Anlage turnusmäßig gewartet“, so Haßbargen.
Eine regelmäßige Sicherheitsüberprüfung der PV-Anlagen, die bisher nur bei gewerblicher Nutzung vorgeschrieben ist, fordern Experten zur Erhöhung der Sicherheit auch für private Anlagen. Zudem sollten die Installationen vor Inbetriebnahme von einem unabhängigen Dritten begutachtet und die ordnungsgemäße Ausführung der Arbeiten bestätigt werden.