Personeller Engpass  Rechtsupweger Kita im Ausnahmezustand

| | 12.05.2023 19:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die aus einem Kindergarten und einer Krippe bestehende Kindertagesstätte „Lüttje Lüü“ in Rechtsupweg ist seit 2019 in Betrieb. Foto: Thomas Dirks
Die aus einem Kindergarten und einer Krippe bestehende Kindertagesstätte „Lüttje Lüü“ in Rechtsupweg ist seit 2019 in Betrieb. Foto: Thomas Dirks
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Wegen vieler kranker Mitarbeiter kommt es in Rechtsupweger Einrichtung zu Ausfällen. Das verärgert Eltern. Wie die Samtgemeinde darauf reagiert.

Rechtsupweg - Krise in Brookmerlands derzeit größter und modernster Kita: Wegen personeller Engpässe kommt es in der Kindertagesstätte „Lüttje Lüü“ in Rechtsupweg wiederholt zu massiven Ausfällen in der Betreuung. Das bestätigte jetzt die Verwaltung der Samtgemeinde, die Trägerin der Einrichtung ist, auf Anfrage.

Zuvor hatten besorgte und verärgerte Eltern unter anderem beklagt, dass sie ihre Kinder immer wieder vorzeitig abholen müssten oder nicht bringen dürften. Auch sahen sie ihre Kinder nicht mehr fachgerecht betreut. Brookmerlands neueste und 2,5 Millionen Euro teure Kindertagesstätte war 2019 in Betrieb genommen worden. Die Kita „Lüttje Lüü“ beherbergt eine Krippe und einen Kindergarten. Die beiden Leiter, Elke Kurtz und Gerd Ewegen, mochten sich zu den aktuellen Problemen nicht äußern und verwiesen an den Träger. „Im Kindergarten Lüttje Lüü ist es bedauerlicherweise zu Ausfällen in der Gruppenbetreuung gekommen“, heißt es in einer schriftlichen Mitteilung aus dem Rathaus.

Grippewellen und Fachkräftemangel

Die Ausfälle seien auf einen vergleichsweise hohen Krankenstand bei den Betreuungskräften zurückführen, der sowohl durch Corona wie auch den „außergewöhnlichen Verlauf der Grippewellen seit dem Jahreswechsel“ begründet sei. Hinzu komme der bundesweite Fachkräftemangel. Erschwerend wirke sich aus, dass es sich bei den Erkrankungen der Mitarbeiterinnen in Einzelfällen auch um „anders begründete Langzeiterkrankungen“ handelte, deren Genesung langsam und schwer voraussehbar voranschreite und somit wiederkehrend mehrwöchige Krankschreibungen zur Folge hätten. „Das hat die personellen Ressourcen im Kindergarten zunehmend belastet“, heißt es in der Mitteilung. Die Schließung einzelner Gruppen sei die „finale Konsequenz“ aus dieser Entwicklung. Das noch vorhandene Personal solle so vor Überlastung geschützt werden.

Elke Kurtz und Gerd Ewegen leiten die Rechtsupweger Kita. Foto: Thomas Dirks
Elke Kurtz und Gerd Ewegen leiten die Rechtsupweger Kita. Foto: Thomas Dirks

Im dauerhaften Austausch mit dem Landesjugendamt sei entschieden worden, den Betrieb nicht aufrechtzuhalten, wenn die Mindeststandards nicht mehr eingehalten werden können. Die Verantwortlichen in der Verwaltung bedauern jede Gruppenschließung, weil die betroffenen Erziehungsberechtigten kurzfristig Alternativen für die Betreuung der Kinder im privaten Umfeld finden müssten oder beruflich eingeschränkt würden. Das gelte auch für die Betreuungskräfte in den Kindergärten, die sich auch unerwartet freinehmen müssten, weil Betreuungszeiten unerwartet ausfielen. Hier potenziere sich die Situation nochmals, heißt es.

Samtgemeinde setzt auf Springkräfte

Die Samtgemeinde setze zum Ausgleich von Ausfallzeiten durch Krankheit und Urlaub auf zusätzliche Betreuungskräfte, die nicht einer Einrichtung zugeordnet sind. Diese sogenannten „Springkräfte“ könnten im Bedarfsfall tagesaktuell eingesetzt werden. Bei Bedarf werde auch mit anderen Gruppenzusammensetzungen gearbeitet. Es sei jedoch nicht möglich, derart viele „Springkräfte“ zu beschäftigen, wie es die diesjährige Krankheitswelle erfordert hätte. Diese würden in den übrigen Zeiten nicht benötigt und sich erheblich auf die Gebühren im Krippenbereich auswirken.

Zeitlich befristete Beschäftigungen (beispielsweise Krankheitsvertretungen) seien nur bedingt möglich, da hierfür auf dem Arbeitsmarkt Fachkräfte nicht zur Verfügung stünden, heißt es zur Erklärung. Der Fachkräftemangel herrsche bundesweit und sei ein Problem auf Regierungsebene.

Gebühren werden nicht erstattet oder reduziert

Mit einer Reduzierung oder gar Erstattung der Gebühren können von den Ausfällen betroffene Eltern nicht rechnen. Die Berechnung der Krippenbeiträge beziehe alle Einrichtungen ein. Auch wenn es zu nicht vermeidbaren Ausfällen in der Betreuung komme, entstünden Fixkosten, die über die Gebühren finanziert werden müssten. Eine Erstattung bleibe somit nur als Härtefallregelung wie beispielsweise zu Zeiten des Lockdowns in der Corona-Pandemie.

Im Jahr 2020 freuten sich die Erzieherinnen Laura Bakker (von links) und Sabine Rademacher sowie die Leiter Gerd Ewegen und Elke Kurtz über die Gütesiegel-Auszeichnung, die ihnen Klaus Ewald (Fachberater des Landkreises Aurich) und Kuno Behrends (Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses) überreichten. Foto: privat
Im Jahr 2020 freuten sich die Erzieherinnen Laura Bakker (von links) und Sabine Rademacher sowie die Leiter Gerd Ewegen und Elke Kurtz über die Gütesiegel-Auszeichnung, die ihnen Klaus Ewald (Fachberater des Landkreises Aurich) und Kuno Behrends (Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses) überreichten. Foto: privat

Anders als in Rechtsupweg ist die Situation in anderen Einrichtungen der Samtgemeinde. In der akuten Phase der diesjährigen Grippewelle hätten in „sehr wenigen Einrichtungen“ Gruppen geschlossen werden müssen, heißt es.

Da die Samtgemeinde Fachkräfte weit über dem vorgeschriebenen Personalschlüssel beschäftige, konnten die Krankheitswellen in fast allen Einrichtungen „problemlos durchlebt“ werden, so die Verwaltung. In der Kita „Lüttje Lüü“ sei dies aufgrund des überdurchschnittlichen Krankenstands nicht möglich gewesen.

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