Berlin  Heizungsbauer berichten: Das sind die Probleme mit der Wärmewende

Leon Grupe
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Von Leon Grupe
| 13.05.2023 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eine Wärmepumpe an einem Einfamilienhaus. Künftig sollen die Gerätschaften das Heizen klimafreundlich machen. Foto: picture alliance/dpaBei
Eine Wärmepumpe an einem Einfamilienhaus. Künftig sollen die Gerätschaften das Heizen klimafreundlich machen. Foto: picture alliance/dpaBei
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Geht es nach den Plänen der Bundesregierung, sollen künftig Wärmepumpen im großen Stil eingebaut werden. Aber wie denken eigentlich diejenigen darüber, die sie installieren sollen? Wir haben mit ihnen gesprochen.

Nicht alle wollen reden. Nicht alle halten sich an den vereinbarten Telefontermin. Und einige berichten zwar, was bei ihnen in der Branche los ist, das soll dann aber nicht in der Zeitung stehen. Weil der Unmut groß ist und weil sie gerade ziemlich eingespannt sind. Seitdem die Heizungs-Pläne der Ampelkoalition die Bevölkerung Aufruhr versetzt hat.

Ab 2024, so schwebt es der Bundesregierung vor, sollen reine Öl- und Gasheizungen in neu errichteten Gebäuden verboten werden. In der Debatte um klimafreundliche Alternativen werden Wärmepumpen als Hauptlösung betrachtet.

Aber was sagen eigentlich diejenigen, die sie einbauen? Ohne Heizungsbauer wird die angestrebte Wärmewende nicht klappen. Wir haben mit Inhabern von Heizungsbetrieben aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gesprochen. In den Gesprächen erzählen sie von fehlenden Geräten und Handwerker und ja, auch von Frust. Euphorie und Goldgräberstimmung? Davon keine Spur.

„Seit 20 Jahren beschäftigen wir uns mit Wärmepumpen. Am Anfang wurden wir noch belächelt, heute machen die Geräte mehr als 80 Prozent unseres Umsatzes aus. Weil es in Schleswig-Holstein bereits ein Gesetz gibt, wonach neu eingebaute Heizungen mit mindestens 15 Prozent regenerative Energien betrieben werden müssen, ist die Nachfrage nach Wärmepumpen bei uns schon länger sehr hoch. Pro Woche rufen ungefähr zehn Leute an, die fragen, ob wir ihnen ein Angebot machen können – denen müssen wir leider alle absagen. Wir haben einfach nicht genug Geräte, die Hersteller haben Lieferzeiten von zwischen zwölf und 14 Monate. Daher kümmern wir uns nur noch um Bestandskunden. Für mich ist das eine Katastrophe und hat mit Unternehmertum nichts mehr zu tun. Ich fühle mich wie der Verwalter einer begehrten Ressource.

Aus meiner Sicht macht die Bundesregierung den Fehler, dass sie von jetzt auf gleich einen Systemwechsel erzwingen möchte, den wir gar nicht stemmen können. Einerseits fehlen ausreichend Wärmepumpen. Andererseits dauert die Installation mit einer Woche deutlich länger als bei Öl- und Gasheizungen, da sind wir in ein bis zwei Tagen durch. Wenn man bedenkt, dass in etwa zehn Millionen Haushalten die Heizungen veraltet sind, würden wir mit dem Austausch durch eine Wärmepumpe 50 Jahre brauchen. Und selbst wenn plötzlich genügend Geräte auf dem Markt sein sollten, kann ich sie nicht schneller einbauen, weil mir die Leute fehlen. Wenn die geburtenstarken Jahrgänge im Handwerksbereich demnächst in Rente gehen, sieht es düster aus. Beim Heizungsaustausch sollte es meiner Meinung nach eine Übergangsfrist von vielleicht zehn Jahren geben. Langfristig werden fossile Brennstoffe eh deutlich teurer werden, die Menschen werden sich dann automatisch für Wärmepumpen oder andere klimafreundliche Heizungssysteme entscheiden.

Obwohl wir in Schleswig-Holstein keine reinen Ölheizungen mehr einbauen dürfen, erreichen uns nun vermehrt Anfragen von Kunden, die sich in diesem Jahr noch eine solche Heizung einbauen lassen wollen. Viele assoziieren damit auch ein Stück Sicherheit.”

Tim Rehder, 52, gehört ein Heizungsunternehmen in der Nähe von Kiel. Das Familiengeschäft mit 18 Mitarbeitern führt er in dritter Generation.

„Viele Deutsche möchten sich nur ungern vorschreiben lassen, wie sie zu heizen haben. Anstatt auf restriktive Vorgaben zu setzen, sollte der Fokus darauf liegen, den freiwilligen Austausch fossiler Heizungen durch neue Technologien zu fördern. So könnten die Bürgerinnen und Bürger selbst entscheiden, ob und wann sie auf umweltfreundlichere Alternativen umsteigen möchten. Zudem wäre es hilfreich gewesen, hätte die Regierung mehr Rücksicht auf die erforderlichen energetischen Anpassungen in den Gebäuden genommen oder die begrenzte Verfügbarkeit von Geräten und Fachkräften.

Zum Glück sind wir seit 30 Jahren im Geschäft mit Wärmepumpen. Wir kennen die Hersteller, die schneller liefern können, und haben kürzlich acht neue Mitarbeiter und Auszubildende eingestellt. Derzeit installieren wir zwei Wärmepumpen pro Woche, wobei unsere Auftragsliste 50 Anfragen umfasst. Wir sind zuversichtlich, diese innerhalb von sechs Monaten abarbeiten zu können. Viele der betroffenen Kunden wollen ihre neue Heizungsanlage noch vor dem Winter angeschlossen bekommen.“

Björn Beglau, Heizungsinstallateur aus Rampe bei Schwerin.

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