Hamburg  Warum ist Hafermilch so teuer?

Rebecca Niebusch
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Von Rebecca Niebusch
| 11.05.2023 15:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Milchalternativen sind in Deutschland beliebt und in vielen Variationen im Supermarkt erhältlich. Foto: IMAGO IMAGES/photothek
Milchalternativen sind in Deutschland beliebt und in vielen Variationen im Supermarkt erhältlich. Foto: IMAGO IMAGES/photothek
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Hafermilch wird als klimafreundliche Alternative zu Kuhmilch beworben und ist bei Kunden beliebt. Aber warum ist sie so teuer?

Pflanzliche Milchalternativen liegen im Trend: Dem Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft (iwd) zufolge hat sich der Absatz von Milchersatzprodukten im deutschen Lebensmitteleinzelhandel zwischen 2018 und 2020 verdoppelt. Der Verbrauch von Kuhmilch dagegen sinke seit Jahren – von 54 Litern pro Kopf im Jahr 2000 auf knapp 48 Liter im Jahr 2021.

Der unangefochtene Bestseller bei den Milchalternativen ist die Hafermilch. 55,9 Prozent der im Jahr 2021 in Deutschland verkauften Pflanzendrinks wurde auf Haferbasis hergestellt, meldet der iwd. Das Getränk besteht zum Großteil aus Haferflocken und Wasser, hinzu kommen Zusatzstoffe. Warum ist Hafermilch dann teurer als Kuhmilch?

Der Verbraucherpreisindex der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) zeigt: Ein Liter Frischmilch mit 3,8 Prozent Fettgehalt kostete im August 2022 im Durchschnitt 1,10 Euro, ein Liter Hafermilch dagegen im Durchschnitt 1,80 Euro.

„Der Preis von Milchalternativen ist häufig von den Herstellungskosten entkoppelt“, sagt Ernährungsexperte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg gegenüber dem „Spiegel“. „Bei Markenprodukten geht ein großer Teil des Geldes ins Marketing.“

Die Hersteller könnten durch Datenauswertungen etwa bei Einkäufen herausfinden, wie viel Geld Verbraucher für ein Produkt ausgeben würden und nutzten dies aus, so Valet. Bei pflanzlicher Milch lasse sich eine bessere Marge als bei Kuhmilch machen. Bei Kuhmilch seien die Preise stringent durchkalkuliert.

Dave Ritterbush, CEO des Pflanzenmilchherstellers Califia Farms, erklärt gegenüber der Zeitung „The Guardian“, dass man auch die Löhne der Beschäftigten, den Transport von der Fabrik bis zum Supermarkt und dementsprechend auch die gestiegenen Benzinpreise mit einberechnen müsse. Und obwohl Haferflocken nicht so viel kosteten wie Kühe, seien auch die Preise für Hafer angestiegen.

In Deutschland ist auch die Mehrwertsteuer bei der pflanzlichen Milch höher: Bei dieser wird der reguläre Satz von 19 Prozent fällig. Bei Kuhmilch gilt die Grundnahrungsmittel-Regelung und damit der ermäßigte Satz von sieben Prozent.

Die Milchindustrie erhält zudem Agrarsubventionszahlungen. Ohne diese würden die Landwirte Verluste machen, wie aus einer Studie im Auftrag des Dachverbands der Milcherzeuger European Milk Board aus dem Jahr 2021 hervorgeht. So könne man argumentieren, dass nicht unbedingt die Hafermilch zu teuer, sondern die Kuhmilch einfach zu billig sei, fasst die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zusammen.

Inzwischen setzen Händler die Markenhersteller mit Eigenmarken unter Druck – das drückt auch die Preise der pflanzlichen Milch. Lag der Durchschnittspreis für einen Liter Pflanzendrink 2018 noch bei 1,67 Euro, sind es laut dem Marktforschungsinstitut GfK heute nur noch 1,46 Euro pro Liter.

Wer sparen will, kann seine Hafermilch selbst herstellen: Im Internet sind simple Rezepte schnell zu finden.

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