Amstetten „Ich bin ein guter Mensch“: Josef Fritzl veröffentlicht Autobiografie
24 Jahre lang hielt der Österreicher Josef Fritzl seine Tochter in einem Kellerverlies seines Hauses gefangen, vergewaltigte sie unzählige Male und zeugte sieben Kinder mit ihr. Nun hat er ein Buch geschrieben. Von Reue ist darin keine Spur, stattdessen schmiedet der 88-Jährige Zukunftspläne.
Es war ein Fall, der weltweit für Entsetzen sorgte: Im Jahr 1984 lockte Josef Fritzl seine damals 18-jährige Tochter in den Keller seines Hauses im österreichischen Amstetten. Dort hielt er die junge Frau insgesamt 24 Jahre lang gefangen, vergewaltigte sie tausendfach und zeugte insgesamt sieben Kinder mit ihr. Ein Kind starb kurz nach der Geburt, Fritzl soll es in einem Ofen verbrannt haben.
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Seiner Frau erzählte er die gesamte Zeit über, die gemeinsame Tochter sei einer Sekte beigetreten, die geborenen Kinder würde sie vor die Haustür der Eltern legen – zusammen mit einem Brief, den allerdings jedes Mal Fritzl geschrieben hatte.
2008 kam das Verbrechen schließlich ans Licht. Ein Gericht verurteilte den Österreicher wegen Mordes durch Unterlassung, Vergewaltigung, Inzest, schwerer Nötigung und Sklaverei zu einer lebenslangen Haftstrafe. Seitdem sitzt der heute 88-Jährige in einer Anstalt für zurechnungsfähige, aber geistig abnorme Verbrecher.
Jetzt hat Fritzl gemeinsam mit seiner Anwältin ein Buch geschrieben. Unter dem Titel „Die Abgründe des Josef F.“ gibt der Österreicher auf 155 Seiten Einblicke in seine Gedankenwelt. Was besonders auffällt: Fritzl zeigt in seiner Autobiografie keinerlei Anzeichen von Reue. „In Wirklichkeit bin ich ein guter Mensch“, heißt es in dem Buch. Mehr noch: Fritzl betitelt sich selbst als „verantwortungsvollen Familienmenschen“. Warum seine Frau den Kontakt zu ihm abgebrochen hat, könne er sich nicht erklären.
Insgesamt sieht sich der 88-Jährige als Opfer der Behörden, etwa bei seiner Verhaftung im Jahr 2008. „Ich war mit meinen Gedanken völlig allein. Es gab niemanden, dem ich mich anvertrauen konnte“, schreibt Fritzl in seinem Buch.
Der Österreicher fokussiert sich jedoch nicht nur auf seine Taten. Fritzl berichtet auch von angeblichen Seitensprüngen, die der gelernte Elektrotechniker auf Dienstreisen erlebt haben soll. So habe er „mit mehreren Inderinnen“ Kinder gezeugt, ein heute erwachsener Sohn sei mittlerweile „ein angesehener Anwalt.“
Trotz seines hohen Alters und der fehlenden Aussicht auf Freiheit schmiedet Fritzl in seinem Buch fleißig Zukunftspläne. So schnell wie möglich wolle er vom Maßnahmen- in den Normalvollzug überstellt werden. Dort könne er einen Antrag auf Haftentlassung stellen. Denn eines ist für den Österreicher klar: Seine letzten Jahre will er „in Freiheit verbringen“ und in Amstetten ein kleines Geschäft aufbauen.