Osnabrück  2023 noch eine Gasheizung kaufen: Warum das (meistens) keine gute Idee ist

Louisa Riepe
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Von Louisa Riepe
| 10.05.2023 11:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wärmepumpen gehört die Zukunft, Gas- und Ölheizungen sollen ab 2024 nicht mehr eingebaut werden. Foto: imago images/Christian Ohde
Wärmepumpen gehört die Zukunft, Gas- und Ölheizungen sollen ab 2024 nicht mehr eingebaut werden. Foto: imago images/Christian Ohde
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Heizkessel oder Wärmepumpe? Viele Hausbesitzer entscheiden aufgrund der hohen Anschaffungskosten für Gas als Energieträger. Aber das ist oft zu kurz gedacht, weiß unsere Kolumnistin.

Diese Jahresbilanz hatte es in sich: Als der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) vor wenigen Wochen seine Zahlen für 2022 präsentierte, hagelte es Schlagzeilen. „Einbauverbot befeuert Nachfrage bei Gasheizungen“, „Run auf Gasheizungen“ und „Heizungsverläufe auf 27-Jahres-Hoch“.

Es lohnte sich schon damals, genauer hinzuschauen. Denn in den Zahlen des BDH stecken auch positiven Nachrichten für den Klimaschutz:

Die Wahrheit ist: In Neubauten sinkt der Anteil Gasheizungen seit 2020 kontinuierlich, so das Statistische Bundesamt. Und: „Auch bei den fertiggestellten Wohngebäuden in Deutschland nahm der Anteil der Heizungen mit Gas als primärer Energiequelle kontinuierlich ab.“ Die Energiewende im Gebäudesektor ist also in vollem Gange.

Allein: Die Entwicklung ist zu langsam. Deshalb hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) im April einen Regierungsentwurf vorgestellt, wonach ab dem 1. Januar 2024 möglichst jede neu eingebaute Heizung zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden muss.

Das erklärte Ziel war, ein klares Signal zu setzen. „Wer jetzt in eine neue Heizung investiert, muss das nachhaltig tun“, lässt sich Wirtschaftsminister Robert Habeck auf der Seite seines Ministeriums zitieren. Doch das Signal führte eher zu Verunsicherung, und dazu, dass einige Besitzer von alten Gasheizungen jetzt noch schnell eine neue Gasheizung installieren lassen, in der Hoffnung, dass sie dann die nächsten 20 Jahre Ruhe haben. 

Auf den ersten Blick mag das wirtschaftlich sinnvoll erscheinen: Ist die Anschaffung einer konventionellen Gasheizung doch deutlich kostengünstiger als die einer Wärmepumpe. Dazu kommen gerade im Altbau noch andere Sanierungskosten, wie zum Beispiel für Fenster und Dämmung. Gegebenenfalls muss eine Fußbodenheizung installiert werden. 

Bedacht werden sollte aber auch, dass das BMWK hohe Fördersummen für den Austausch von alten Gasheizungen angekündigt hat, die die Neuanschaffung deutlich attraktiver werden lassen – und dass die Preise für Wärmepumpen in den nächsten Jahren sinken dürften, wenn jetzt auch mehr internationale Anbieter in den deutschen Markt drängen. 

Viele Gas-Kunden unterschätzen zudem die Betriebskosten. Gas ist als Energieträger ohnehin deutlich teurer als Sonnenlicht und Luft- beziehungsweise Erdwärme. Und die Preise werden noch weiter steigen, wenn zukünftig wie geplant eine CO2-Abgabe fällig wird. Ein Absinken der Preise auf das Niveau vor dem Ukraine-Krieg ist nicht zu erwarten – und politisch aus guten Grund nicht gewollt.

Denn niedrige Preise führen unvermeidlich zu einem höheren Verbrauch und das wiederum zu mehr Emissionen. Gaskunden werden erkennen müssen, dass sie jahrzehntelang zu wenig fürs Heizen bezahlt haben. Denn die Auswirkungen auf Umwelt und Klima waren nicht eingepreist. Das muss ein Ende haben.

Verschiedene Institute haben auf Basis unterschiedlicher Annahmen die Gesamtkosten von Wärmepumpe und Gasheizung kalkuliert. Von Verivox über energie-experten.org bis zur Verbraucherzentrale Bundesverband kommen alle zu dem Schluss, dass Wärmpumpen langfristig günstiger sind als Gasheizungen.

Vor dem Hintergrund kann der Einbau einer Gasheizung im Neubau im Jahr 2023 keine Alternative mehr sein. In Einzelfällen kann sie als Übergangslösung noch in Altbauten zum Einsatz kommen. Aber auch hier lohnt langfristig nur die energetische Sanierung – oder der Abriss.

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