Bauprojekt in Westerende-Kirchloog Wohngemeinschaft für Senioren statt Gasthof
Gasthof Germann in Westerende-Kirchloog ist Geschichte. Nun stellt der Käufer des Geländes seine Pläne für eine Senioren-WG vor. Dabei gibt es einiges zu beachten.
Westerende-Kirchloog - Gasthof Germann soll abgerissen werden. Kaum hat das Gasthaus geschlossen, stehen schon die Nachnutzer des Geländes in den Startlöchern. Die Tell & Tebben Projekt GmbH aus Norden möchte in Westerende-Kirchloog eine Wohngemeinschaft für Senioren errichten, wie Geschäftsführer Johann Tebben im ON-Gespräch verrät. Eine Bauvoranfrage beim Landkreis Aurich habe das Unternehmen bereits gestellt. Von dort gebe es zwar positive Signale, doch noch laufe die Prüfung. Zwölf Wohnungen für alleinstehende Personen sollen auf dem Gelände des Gasthofes entstehen, sagt Tebben. Sie werden zwischen 30 und 40 Quadratmeter groß sein und eine kleine Kochgelegenheit vorhalten.
Doch ganz im Sinne einer Wohngemeinschaft solle es eine größere Küche und weitere Gemeinschaftsräume für die Mieter geben. Des Weiteren stellt sich die Projektleitung eine Anbindung des Gebäudes an einen Pflegedienst vor. „Es wird kein Seniorenheim, die Bewohner können alles selbst organisieren“, sagt Tebben. Zusätzlich sollen auf dem Gelände drei weitere, etwa 85 Quadratmeter große Wohnungen in einem ähnlichen Stil entstehen. Die Pläne sehen ein ebenerdiges, altersgerechtes Gebäude vor. Die Wohnungen erhalten alle eine Terrasse. „Es wird der Örtlichkeit angepasst“, verspricht der Investor.
Gemeinde plant dezentrale Wohneinheiten
Das ist auch im Sinne des Ihlower Bürgermeisters Arno Ulrichs. Es handele sich in seinen Augen um ein Projekt, dass absolut in die Zeit passe. „Es ist optisch gut gelungen und wird ein Hingucker“, so Ulrichs. Es sei gut, dass eine solche Nachfolgeregelung gelungen sei. Dennoch sei es schade, dass der Gasthof schließen musste. Sowohl das Dorf als auch viele Vereine hätten eine Bleibe verloren. Der Bürgermeister könne jedoch die wirtschaftlichen Gründe des Inhabers Johann Rieken nachvollziehen. Dieser hatte die Küche zum Jahreswechsel nach 43 Jahren geschlossen.
Firma Tell & Tebben habe frühzeitig mit der Gemeinde Kontakt aufgenommen und ihre Ideen vorgestellt, so Ulrichs. Auch der Ortsrat sei in diese Gespräche eingebunden gewesen und habe eine Stellungnahme abgegeben. Die Nachfrage nach kleinen Wohnungen sei in der Gemeinde stärker ausgeprägt als die nach Einzelhausbau. Auch auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Kuhlmann in Ihlowerfehn sei ein ähnliches Bauprojekt geplant. In Ochtelbur werde noch an einer Lösung gearbeitet, um Senioren ein adäquates Angebot an ihrem Wohnort machen zu können. Denn nicht nur der pflegerische Aspekt spiele hierbei eine Rolle. Vielen Älteren würden ihre großen Häuser und Grundstücke zur Last. „Das Potenzial für kleine Wohnungen ist auch hier vorhanden“, so Ulrichs.
Effizienzhaus mit Luftwärmepumpe
Das bestätigt auch Ortsbürgermeister Martin Jürgens. „Es ist schön, dass es sofort eine Nachnutzung gibt und kein Brachgelände entsteht“, sagt er. Wohnungen würden immer gebraucht, vor allem wenn sie bezahlbar seien. Jürgens selbst hätte sich eine Apotheke im Dorf gewünscht. Doch das sei wohl nicht zu realisieren gewesen. „Ich denke, der Ortsrat erteilt sein Einvernehmen zu dem Projekt. Es passt sich ins Ortsbild ein“, so Jürgens.
Der Investor muss zunächst die Prüfung der Bauvoranfrage abwarten. Doch klar sei, dass der Gasthof abgerissen werden könne, so Tebben. Ein Umbau sei nie infrage gekommen. „Es ist null Substanz vorhanden“, sagt Tebben. Er hofft, die Umsetzung des Projekts zügig in Angriff nehmen zu können. „Zu sagen, wir starten im Herbst, wäre sehr optimistisch. Aber ich gehe von einem Baubeginn in diesem Jahr aus.“ Die Bauzeit betrage ein Jahr. Die Projektgesellschaft Tell & Tebben werde als Vermieter fungieren.
Eine Preiskalkulation für die Miete könne er noch nicht vorlegen. Dafür sei der Markt derzeit zu dynamisch. Tebben hofft jedoch, dass die Preise in der Industrie und für Rohstoffe weiter sinken. Das Gebäude soll ein KFW 40 Effizienzhaus nach höchsten Standards werden. „Wir streben die oberste Stufe an“, so der Geschäftsführer. Eine Photovoltaikanlage, eine Luftwärmepumpe und ein Belüftungssystem gehörten für ihn dazu. Das 3500 Quadratmeter große Grundstück hat die Projekt GmbH bereits erworben. Sobald der bisherige Inhaber alles ausgeräumt habe, folge die Schlüsselübergabe.
Der Ortsrat berät über die Pläne in seiner öffentlichen Sitzung am Mittwoch, 10. Mai, um 19.30 Uhr im Alten Fahnster Krug.