Rügen  Protest gegen LNG-Terminal: Ende Gelände besetzt Pipelines im Hafen Mukran auf Rügen

Katharina Golze
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Von Katharina Golze
| 08.05.2023 14:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Aktivisten des Aktionsbündnisses Ende Gelände besetzen Rohre im Hafen Mukran als Protest gegen das LNG-Terminal. Foto: The Brake
Aktivisten des Aktionsbündnisses Ende Gelände besetzen Rohre im Hafen Mukran als Protest gegen das LNG-Terminal. Foto: The Brake
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Vermummt und in Schutzanzügen ging es für Mitglieder des Bündnisses Ende Gelände am Montagvormittag über Zäune, um die Pipelines im Hafen Mukran auf Rügen zu besetzen und gegen Rügen als LNG-Standort zu protestieren. So äußert sich das Bündnis zu der Aktion.

Am Montag ist der Streit um das LNG-Terminal auf Rügen überall: im Petitionsausschuss im Deutschen Bundestag, beim Protest vor dem Bundeskanzleramt und am Ort des Geschehens, in der LNG-Baustelle im Hafen Mukran auf Rügen.

„Hier werden die Pipelines besetzt, die die fossilen Energieträger durch den Greifswalder Bodden bringen sollen“, sagt Sophie Kowalczyk, Pressesprecherin von Ende Gelände. 20 Aktivisten des deutschlandweit agierenden Aktionsbündnisses Ende Gelände haben am Montagvormittag die Pipeline-Röhren im Hafen Mukran besetzt.

Die Polizeiinspektion Stralsund spricht von 15 Personen in weißen Einweganzügen, die sich unerlaubt Zugang zu dem Gelände verschafft und auf den Röhren unter anderem Farbe aufgebracht hatten. Sie malten blaue Kreuze auf die Rohre, ein Symbol des LNG-Protests. Mit der Aktion und ihren Bannern adressierten sie die Unternehmen, die das LNG-Terminal bauen wollen, so Sophie Kowalczyk. Die Konzerne und die Bundesregierung würden uns mit dem Märchen um Energiesicherheit belügen, sagt sie, und verweist auf die in Studien belegten Überkapazitäten.

„Unternehmen wie RWE, Regas oder Stena machen Milliardengewinne durch koloniale Ausbeutung und befeuern die Klimakrise. Deshalb nehmen wir den Gasstopp selbst in die Hand“, sagt sie. In Mukran lagern die überschüssigen Röhren der Nord-Stream-2-Leitung. Diese sollen verwendet werden, um das LNG-Terminal mit der Erdgasübernahmestation in Lubmin zu verbinden. Seit Kurzem ist neben der Offshore-Plattform zudem der Hafen Mukran als Standort im Gespräch.

Zeitgleich formierte sich der Protest vor dem Bundeskanzleramt in Berlin, an dem unter anderem Fridays for Future und die Deutsche Umwelthilfe beteiligt waren. Am Mittag beriet der Petitionsausschuss über eine Petition von LNG-Gegnern, die 95.000 Menschen unterzeichnet hatten. Die Petition richtet sich gegen die Aufnahme Rügens als Standort in das LNG-Beschleunigungsgesetz.

Zuvor wurde mehrfach auf der Insel demonstriert, jüngst von Luisa Neubauer und Fridays for Future sowie mit einer Abseilaktion am Königsstuhl.

Die Aktivisten von Ende Gelände räumten am Montag unentdeckt den Ereignisort und konnten trotz mehrstündiger polizeilicher Suche sowie Unterstützung der Wasserschutzpolizei und eines Polizeihubschraubers nicht gefunden werden, teilte die Polizeiinspektion Stralsund mit. Strafanzeigen wurden aufgrund der Sachbeschädigung, des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und wegen Hausfriedensbruchs aufgenommen.

Die LNG-Kritiker planen bereits die nächste Aktion: ein Frühlingscamp am Pfingstwochenende, bei dem sich Rüganer Initiativen wie „Lebenswertes Rügen“, „Widerklang“, Nabu und Dehoga mit Klimaaktivisten vernetzen und sich zu den Themen LNG, Fracking und fossile Infrastruktur austauschen können. „Es gibt viele Menschen in der Klimabewegung, die die Themen Gas und Fracking interessieren“, sagt Mitorganisatorin Jësse Dittmar. Sie gehören verschiedenen Klimagerechtigkeitsbewegungen an, unter anderem Fridays for Future und Ende Gelände oder waren in Lützerath dabei, und wollen die Rüganer unterstützen.

Nach einem Workshop-Tag am 27. Mai sind am Pfingstsonntag, 28. Mai, mehrere, gemeinsame Demonstrationen auf der Insel geplant. Der Protest soll vielfältig sein, aber nicht die rechtlichen Grenzen überschreiten. „Wir wollen alle miteinander versuchen, Lösungen zu finden“, sagt Elke Neugebauer vom Lebensgut Frankenthal. Auf ihrem Hof in Samtens findet das Frühlingscamp statt. „Ich finde es wichtig und gut, dass wir etwas gegen LNG-Terminal tun. Es ist ökologisch und touristisch ein Wahnsinn“, sagt sie.

Sie appelliert an das Zusammenfinden und gegen das Spalten. Sie sagt: „Es ist noch nicht zu spät.“

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