Rezepte für kleine Leute  Ein fast vergessenes Kochbuch weckt Erinnerungen

Gerd-Arnold Ubben
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Von Gerd-Arnold Ubben
| 08.05.2023 08:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gesine Gastmann aus Simonswolde gehörte einst zu den Autorinnen, die das Kochbuch verfassten. Foto: Gerd-Arnold Ubben
Gesine Gastmann aus Simonswolde gehörte einst zu den Autorinnen, die das Kochbuch verfassten. Foto: Gerd-Arnold Ubben
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Drei Simonswoldmerinnen haben alte Rezepte zusammen getragen. Das Buch erinnert an schwere Zeiten – und doch dürfte so manchem das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Simonswolde - Das Wasser dürfte so manchem im Munde zusammenlaufen, wenn man die Rezepte eines alten Kochbuchs liest. Es wurde 1987 von drei Simonswoldmer Frauen verfasst und ist nun wieder aufgetaucht. Es war ein wenig in Vergessenheit geraten.

Ausschnitt des Deckblatts des fast in Vergessenheit geratenen Kochbuchs. Foto: Gerd-Arnold Ubben
Ausschnitt des Deckblatts des fast in Vergessenheit geratenen Kochbuchs. Foto: Gerd-Arnold Ubben

Gesine Gastmann, Dora Kruse und die inzwischen verstorbene Adele Hoofdmann fassten die Rezepte ihrer Eltern und Großeltern in einem kleinen Büchlein mit dem Titel „Original Simonswolder Koch-Rezeptbuch. Traditionelle Rezepte, ein Juwel für die Küche“, zusammen. Sie beschreiben darin detailliert jedes Rezept und erklären den Lesern, wie viele Zutaten gebraucht werden und wie gekocht oder gebacken wird.

„Dat is en Freud vör Lief un Seel, dat hebm Omas un Opas eten“

In ihrem Vorwort steht auf Plattdeutsch: „Dat is leve Frauen up poor Sieden, dat goude Eten ut olle Tieden, dat is en Freud vör Lief un Seel, dat hebm Omas un Opas eten, tis lang her man nich vergeten. Wenn jie dat proberen, binnt wie blied, nu blieft gesund un goden Appetit“.

In dem Büchlein reiht sich ein traditionelles Rezept an das andere. Das erste befasst sich natürlich mit dem Backen von „Neejahrskoken“, die unbedingt in Blechdosen aufbewahrt werden sollten, heißt es in der Beschreibung.

Damals gab es noch nicht so viel Auswahl

Fehlen darf auch nicht der früher so beliebte „Karmelkbree“ (Buttermilchbrei) und „Roggenmelflupp“. Auch Milchreis mit Rosinen oder Kakao (Puderbree) dürfen nicht fehlen. Es sind Rezepte aus Zeiten, in denen die Menschen noch nicht so viel Auswahl bei den Lebensmitteln hatten wie heute.

Die Reihe setzt sich fort, und viele ältere Leserinnen und Leser werden sich an „Dree in den Pann“ oder „Prüllkers“, auch Schwemmertjes genannt, sowie an „Inseett Bohnen“ (Schnippelbohnen), „Updrögt Bohnen“ Eintopf und „Bookweiten Jannhinnerk“ mit Freuden erinnern. Beschrieben wird der Steckrübeneintopf, „Plumengört“ - Graupen mit Pflaumen, Ostfriesische Kartoffelsuppe, „Buskohl“-Eintopf, Grünkohl auf ostfriesische Art und „Groot Bohnen“ mit Speck.

Kochbuch entstand einst für den guten Zweck

Die Idee, das Kochbuch zu schreiben, sei ihr anlässlich der 700-Jahr-Feier von Simonswolde 1987 gekommen, erinnert sich Gesine Gastmann. Jeder Verein im Dorf sollte sich damals etwas zur Gestaltung der Feierlichkeiten einfallen lassen. Sie gehörte seinerzeit dem Kriegerverein an. Insgesamt wurden 200 Kochbücher gedruckt und verkauft, der Erlös wurde einem gemeinnützigen Zweck zugeführt.

„Wir haben uns zusammengesetzt, die alten Rezepte gesammelt. Einige hatte sie noch von ihrer Mutter, und aufgeschrieben“, so die 82-jährige Simonswoldmerin. Schüler der Grundschule hätten ihnen das später nachgemacht und eigene kleine Kochbücher hergestellt sowie gekocht und gebacken.

Das Gemüse wurde im eigenen Garten gezogen

„Wir kannten das einfache Essen von zuhause her. Meine Mutter und ich waren alleine. Mein Vater war gefallen, wir mussten billig leben. Es gab nicht viel“, erzählt Gesine Gastmann noch ein wenig nachdenklich.

Blick auf zwei Seiten aus dem Buch mit Rezepten unter anderem für Insettbohnen (Schnippelbohnen). Foto: Gerd-Arnold Ubben
Blick auf zwei Seiten aus dem Buch mit Rezepten unter anderem für Insettbohnen (Schnippelbohnen). Foto: Gerd-Arnold Ubben

Sie hätten einen großen Garten und viel zu tun gehabt. Dort wurden unter anderem Kartoffeln, Buskohl und anderes Gemüse angepflanzt. Sie machten viel aufgereihte und dröge Bohnen, die unter der Decke in der Küche am sogenannten Bohntjeband trocknen mussten. Zudem wurde noch selbst geschlachtet. Davon und vom Garten mussten sie das ganze Jahr satt werden und leben.

Enkelin wünschte sich jüngst Insettbohnen

Nach wie vor schaut Gesine Gastmann immer wieder einmal in ihr kleines interessantes Kochbuch und kocht dann danach für ihre Lieben. Erst kürzlich kam ihre Enkelin Imke, die den Wunsch auf Insettbohnen geäußert hatte, in den Genuss dieses schmackhaften Essens.

Sie habe jede Bohne geschnitten, ins Wasser gelegt zum Quellen, ein Stück durchwachsenen Speck darin mit eingekocht und Mettwürste dazu gebraten. Enkelin Imke und ihre Eltern, sie hatten später auch noch etwas bekommen, waren einfach nur begeistert von Omas altem Rezept.

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