Aurich-Schirum Kritik an geplanter Gewerbegebiet-Erweiterung
Die Keimzelle des Schirumer Gewerbegebietes soll um zehn Hektar wachsen. Dagegen formiert sich nun Widerstand im Ort.
Aurich - Um zehn Hektar soll das Gewerbegebiet Schirum erweitert werden – und nur für eine einzige Firma: Der Kunststoffverarbeiter B-Plast 2000 will angrenzend an sein jetziges Firmengelände zwei weitere Hallen errichten. Es wären die Hallen 13 und 14 des Unternehmens. Die Pläne dafür wurden kürzlich im Ortsrat Schirum und am Donnerstag im Auricher Bauausschuss diskutiert.
Einige Schirumer waren in die Sitzung gekommen, um an der Diskussion teilzunehmen. Der Ortsrat hatte sich Mitte April gegen das Vorhaben ausgesprochen. Der Bauausschuss hat seine Entscheidung vertagt. Alle Fraktionen wünschen sich mehr Informationen. Die bekamen sie am Donnerstag vor allem von den Schirumern selbst, die sich Sorgen machen über Lärmbelästigung, Versiegelung, Überschwemmungen und den Verlust von Natur. Angemahnt wurden strengere Umweltschutzauflagen als bei den bisherigen Baumaßnahmen von B-Plast 2000.
Zurück zu den Wurzeln von Schirum I
Schirum hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewaltig verändert. Das Gewerbegebiet ist immer weiter gewachsen. Mittlerweile wird bereits über Schirum V nachgedacht – obwohl Schirum IV noch gar nicht voll bebaut ist.
Im Bauausschuss ging es wieder zurück zu den Wurzeln. Zur Debatte stand eine Erweiterung von Schirum I um zehn Hektar. Das Gewerbegebiet wurde ab 1996 entwickelt. Angesiedelt wurde dort unter anderem ab 1998 der Kunststoffverarbeiter B-Plast 2000. Nur für dieses Unternehmen soll das Gewerbegebiet erweitert werden. Im Gegensatz zu früheren Erweiterungen des Unternehmens regt sich jetzt Widerstand. Die Anwohner fürchten großflächige Versiegelungen, einen Verlust von Flora und Fauna, Lärmbelästigungen und Überschwemmungen entlang des Kroglitztiefs.
Angst vor Überschwemmungen
Ihrem Unmut machten sie bereits Mitte April im Ortsrat Schirum Luft. Und auch im Bauausschuss trugen die Schirumer ihre Bedenken vor. Astrid Lübben erinnerte an die herrliche Natur, die den Ortsteil einst ausmachte. Es habe Wiedehopfe, Schleiereulen und viele andere Vögel gegeben. „Heute sehe ich in den Nestern Plastikteile.“ Hinzu komme die andauernde Lärmbelästigung durch den Betrieb, der rund um die Uhr Kunststoff verarbeite. Besonders schlimm sei das im Sommer, wenn die Hallentore wegen der Wärme auch nachts offen ständen. Es gebe Menschen, so ergänzt Sabina Köster, die in dem Umfeld von B-Plast 2000 übernachten würden – weil sie da wohnen.
Robert Friedel ist Miteigentümer von vier Grundstücken in dem Gebiet am Kroglitztief. „Das Kroglitztief wurde in den 1950er-Jahren ausgebaut.“ Seitdem seien Schirum I bis IV entstanden. „Die Regenrückhaltebecken verschlammen, die Rohre sind zu klein“, so Robert Friedel. Das habe Folgen für ganz Schirum: Die Überschwemmungen bei Starkregen nähmen in dem Ort zu.
Strenge Vorgaben für Erweiterung geplant
Und Anwohner Johann Aden wollte wissen, wo denn die Ausgleichsflächen seien, die für die nun geplanten zehn Hektar angelegt werden müssten. „Was hat Schirum davon?“
Stadtplaner Mirko Wento konnte bei all den Fragen nur immer wieder auf das Bauleitverfahren verweisen. Darin würden diese abgehandelt. Gila Altmann (Grüne) konnte sich hingegen noch an die Gründung des Gewerbegebietes Schirum I erinnern. Dieses sei von der so genannten bunten Koalition im Auricher Rat, nämlich von CDU, AWG und Grünen, Anfang der 1990er-Jahre auf den Weg gebracht worden. Damals sei festgelegt worden, die Kompensationsmaßnahmen innerhalb des Gewerbegebietes vorzunehmen.
Ein Ansinnen, dass nicht durchgehalten worden sei. „Die Ausgleichsflächen waren im Gewerbegebiet und wurden dann an B-Plast gegeben“, so Altmann. Einen weiteren Anlauf für ökologischere Geweregebiete habe der Rat 2019 unternommen. Bislang ohne Erfolg.
Mirko Wento verwies darauf, dass es einen städtebaulichen Vertrag mit B-Plast 2000 geben werde. Darin könne die Stadt sehr genau festlegen, an welche Vorgaben sich das Unternehmen halten müsse. Hendrik Siebolds (Linke) sagte es deutlich: „Wir müssen den maximalen Ausgleich anstreben.“ Ob das gelingt, bleibt abzuwarten.