Osnabrück Neue Barbies: Die Puppe nervt als ewiges Role Model
Barbie ist nicht mehr nur blond und langbeinig. Die Puppe hat sich von alten Frauenbildern emanzipiert. So scheint es. Trotzdem bleibt sie ein ewiges Role Model. Und das nervt.
Wer kennt noch Anna May Wong? Die amerikanische Schauspielerin mit chinesischen Wurzeln starb 1961. Sie war die erste Schauspielerin ihrer Herkunft, die in Hollywood zum Star aufstieg. Ihr Leben gegen den Rassismus wird jetzt gewürdigt. Mattel bringt eine Barbie-Puppe heraus, die Wong nachgebildet ist. Ein schöner Zug.
Trotzdem finde ich: Es wäre besser, es gäbe die Barbie-Puppe überhaupt nicht.
Dabei findet sich die Wong-Puppe nun in der Serie „Inspiring Woman“. Ein weiblicher Olymp der Emanzipation als Spielzeug für das Kinderzimmer.
Wirklich? So gut die Wong-Puppe auch gemeint ist – mit ihren schräg gestellten Augen, den aufgeworfenen Lippen und dem schwarzen Pagenschnitt wiederholt sie auch nur das Abziehbild der schönen Asiatin. Puppe bleibt Puppe.
Ihrem millionenfachen Erfolg hat das nicht geschadet. Im Gegenteil. Die Kritik an der Barbie als Reproduktionsmaschine des Klischees der perfekten Frau ist so alt wie das seit 1959 produzierte Spielzeug selbst.
Barbie war Mädchen immer beides – gute Kameradin und unerreichbares Vorbild.
Der Karton mit dem Plastikfenster, durch das man die Puppe sehen kann, ist sprechendes Zeichen für das Korsett der Rollenmuster, das Barbie Millionen Mädchen aufgezwungen hat.
War das Leben mit der Barbie-Puppe jemals schön? Ich erinnere mich an Mädchen, die sich für ihre Barbie immer neue Kleider und Accessoires wünschten, an entnervte Eltern, denen die übervollen Wunschzettel irgendwann zu viel wurden.
So lieb und nett die Puppe auch wirkte – schon vor Jahrzehnten hat sie viele Familien auch gestresst.
Barbie spiegelt Zeitgeist, als Reflex der Konsumgesellschaft ebenso wie als Abfolge weiblicher Rollenbilder. Jedes junge Mädchen hat wie das Püppchen zu sein: Barbie war ein Marker für weibliche Identität – und ist es noch.
Inzwischen ist die Welt der Barbie mit der Zeit gegangen, auch über Wong hinaus. Es gibt die Puppe als Serie inspirierender Frauen, als Malerin Frida Kahlo oder als Snowboarderin Chloe Kim. Ganz aktuell: Die erste Barbie mit Down-Syndrom.
Auch dies verdient Lob. Die alternativen Barbies erreichen ein Millionenpublikum. Trotzdem. Barbie wollte immer Role Model sein. Das finde ich aufdringlich. Daran ändern auch die neuen Versionen nichts.
Und was macht unterdessen Ken? Der bleibt merkwürdig unemanzipiert. Egal. Für meine Kindheit war Barbies farbloser Freund ohnehin nie ein Leitbild.