Schulentwicklung Das Auricher Gymnasium schrumpft
Der neue fünfte Jahrgang des Auricher Gymnasiums wird zwei Klassen weniger haben als der derzeitige. Es gibt aber mehr Kinder – aber wo sind sie geblieben?
Aurich - Ein größeres Gymnasium gibt es in ganz Niedersachsen nicht: Rund 2000 Schüler hat das Auricher Ulricianum. Die Jugendlichen werden an der Hauptstelle sowie an der Außenstelle in Egels unterrichtet. Seit Jahren kämpft Schulleiter Rüdiger Musolf dafür, die Schülerzahlen zu verringern. In diesem Jahr mit Erfolg: Genau 60 Anmeldungen weniger als im vorigen Jahr kamen im Sekretariat der Schule an.
Den neuen fünften Jahrgang des Gymnasiums werden daher nach jetzigem Stand 184 Kinder besuchen. Vor einem Jahr lagen der Schule 244 Anmeldungen vor. Verteilt werden die Kinder auf sieben Klassen, zwei weniger als im jetzigen fünften Jahrgang.
Elternwille ist ausschlaggebend
„Ich bin damit sehr zufrieden“, sagt Rüdiger Musolf auf ON-Anfrage. Denn im Regionalen Landesamt für Schule und Bildung habe es schon den Gedanken gegeben, die Schule zu teilen. Nur aus sechs Klassen soll eigentlich ein Jahrgang im Gymnasium bestehen. Daher hat Rüdiger Musolf zusammen mit seinem Stellvertreter Ralf Jansing auch in diesem Jahr zahlreiche Beratungsgespräche mit Eltern geführt, um auf diese Weise zu erkunden, ob das Gymnasium die richtige Wahl ist.
Am Ende gilt aber in Niedersachsen der Elternwille. Eine Empfehlung der Grundschule für die weiterführende Schule gibt es nur auf Bitten der Eltern. Bindend ist diese Empfehlung nicht. Die Folge war in den vergangenen Jahren ein Ansturm auf die Realschule Aurich und auf das Gymnasium Ulricianum. Die IGS Aurich konnte Fünft- und Sechstklässler nicht überzeugen. Erst ab Jahrgang sieben füllen sich dort die Klassen mit Kindern, die oft von der Realschule kommen.
Auf der Suche nach 100 Kindern
Das Ulricianum hat als erste Schule den Anmeldezeitraum absolviert. IGS und Realschule nehmen noch bis Freitag Anmeldungen entgegen. Eines fällt aber jetzt schon auf: Es fehlen Schüler.
Größere Veränderungen im Zusammenspiel der weiterführenden Schulen rund um die Stadt Aurich kündigen sich an. Zwar sind die Anmeldefristen in den meisten Schulen noch nicht abgelaufen. Doch für die größte Schule, das Auricher Gymnasium Ulricianum, steht schon fest, dass der fünfte Jahrgang ab dem Sommer nur noch aus sieben Klassen bestehen wird. Dort wurden 60 Kinder weniger angemeldet als noch im vorigen Jahr. Gleichzeitig aber, das zeigt die Statistik des Landkreises Aurich, werden im Stadtgebiet Aurich in diesem Jahr 40 Kinder mehr in die weiterführenden Schulen wechseln als noch 2022. Bleibt die Frage: Wo sind die insgesamt 100 Kinder?
Realschule wurde gedeckelt
Endgültig beantworten lässt sich das erst am Ende dieser Woche, wenn auch die IGS Aurich und die Realschule Aurich ihre Anmeldezahlen haben. Doch außerhalb Aurichs können Eltern ihre Kinder nur bei Schulformen anmelden, die es in der Stadt nicht gibt. Dank der Integrierten Gesamtschule, dem Gymnasium und der Realschule sind das nicht viele.
Das lässt am Ende noch drei Szenarien zu. Im ersten könnte die ohnehin überlaufene Realschule einen weiteren Ansturm erfahren. Zwar hat die Stadtpolitik die Realschule auf fünf Klassen pro Jahrgang begrenzt. Dennoch haben alle Auricher Kinder ein Recht, diese Schule zu besuchen. Abgewiesen werden nur Schüler aus anderen Gemeinden. So kamen vor der Deckelung noch bis zu 30 Jugendliche aus Südbrookmerland zur Realschule.
IGS Aurich ist für Sechszügigkeit ausgelegt
Dennoch wurde im letzten Sommer eine sechste Klasse im fünften Jahrgang gebildet. Es waren zu viele Auricher Kinder gekommen. Weitere Container mussten aufgestellt werden. Würden nun 100 Kinder zusätzlich die Realschule anwählen, würde das den Rahmen dort endgültig sprengen.
Im zweiten Szenario könnte die IGS Aurich vermehrt angewählt werden. Insbesondere in den Jahrgängen fünf und sechs hat die erst kürzlich modernisierte Schule noch Kapazitäten frei. Die IGS ist für eine Sechszügigkeit ausgelegt. Im letzten Sommer kamen 73 Kinder, mit denen vier Klassen gebildet wurden.
Im dritten Szenario spielt die Freie Christliche Schule Ostfriesland eine Rolle. Sie wird im Sommer eine Außenstelle in Moordorf eröffnen. Es ist bislang ungewiss, wie viele Schüler aus Aurich dann nach Moordorf zum Unterricht pendeln werden. Genaue Zahlen liegen von der FSCO nicht vor.