Schwerin Neues Geothermie-Heizkraftwerk deckt 15 Prozent des Wärmebedarfs der Stadt Schwerin
Ein klimafreundliches Geothermie-Heizkraftwerk in Mecklenburg-Vorpommern sorgt für Aufsehen: Mit Energie aus der Kombination von heißem Tiefenwasser und großen Wärmepumpen sollen künftig 2000 Haushalte in Schwerin beheizt werden. Ein noch größere Anlage ist bereits in Planung.
In Schwerin ist am Freitag, 28. April, ein neues, klimafreundliches Geothermie-Heizkraftwerk in Betrieb genommen worden. Wie herausragend dieses Ereignis war, zeigt unter anderem der hohe Besuch: Zur Einweihung gekommen sind unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz und der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Michael Kellner, die Botschafterin der Republik Island, I.E. María Erla Marelsdóttir, und natürlich Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.
Schwerins Stadtwerkechef Josef Wolf erklärte den Unterschied zu anderen Geothermie-Bohrungen: „Wir fördern die 57 Grad heiße Sole aus rund 1300 Metern Tiefe. Mit vier hintereinander geschalteten Hochleistungs-Wärmepumpen wird das Wasser auf 80 Grad Celsius erhitzt und ins Fernwärmenetz eingespeist.“
Da die Ausgangstemperatur schon relativ hoch ist, sei der Energiebedarf zum Erhitzen relativ gering. So können die Stadtwerke mit der neuen Energiequelle 15 Prozent des Fernwärmebedarfs abdecken. Weiterer Pluspunkt: Die regenerative Energie aus der Tiefe steht 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr zur Verfügung.
Rund 20 Millionen Euro hat diese Investition gekostet, mit 6,8 Millionen haben Bund und Land das Vorhaben unterstützt. Rund 4,2 Millionen Euro kamen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. „Weil es ein Pilotprojekt war, werden wir bei der Realisierung von Folgeprojekten effizienter und doppelt so schnell sein“, kündigte Wolf schon mal an.
„Wenn ganz Deutschland mit der Nutzung regenerativer Energien schon so weit wäre wie Mecklenburg-Vorpommern, hätten wir viel niedrigere Strompreise“, sagte Kanzler Scholz und gratulierte der Stadt und den Stadtwerken zu dem Mut, neue Energiequellen zu erschließen. „Während andere nur reden und an der Oberfläche kratzen, wird in Schwerin tiefer gebohrt“, sagte Scholz und lobte den „Pioniergeist und die technische Umsetzung“.
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig wertete die Inbetriebnahme der Geothermie-Anlage als Zeichen, dass die Energiewende realistisch ist. „Wir produzieren in MV schon jetzt zweimal soviel Strom, wie wir verbrauchen. Nun zeigen wir, dass auch die Wärmewende möglich ist.“ Die sei zugleich ein wesentlicher Beitrag zum sozialen Frieden im Lande.
Dieses Argument benutzte auch Schwerins Oberbürgermeister Rico Badenschier. „Durch den Krieg in der Ukraine bewegt viele Menschen die Frage, was wir für den Frieden tun können. Weil Krieg aber immer auch Kampf um Ressourcen bedeutet, schaffen wir durch unseren weiteren Schritt zur Energiesicherheit gleichzeitig auch einen lokalen Beitrag zum Frieden.“ Schwerin habe seinen Schatz aus der Tiefe gehoben.
Derzeit planen die Stadtwerke Schwerin eine zweite, noch größere Geothermie-Anlage. Nach erfolgter 2-D-Kartierung wird derzeit an der 3-D-Kartierung für die Vermessung der Mächtigkeit des Aquifers, des Sole führenden Flözes, gearbeitet.