Hamburg Heer wartet „sehnsüchtig“ auf 50 Puma-Panzer – dabei reichen die nicht einmal
Noch immer wartet das Heer auf die letzten hochmodernen Schützenpanzer vom Typ Puma. Doch die Regierung steht bei der eigentlich fest eingeplanten Nachbeschaffung jetzt auf der Bremse. Dabei würde selbst die nicht einmal reichen.
„Hightech aus Stahl” ist noch eine der griffigsten Bezeichnung für den Schützenpanzer Puma. Hochmodern, Rekordhalter bei der Motorleistung und die wohl größte Anschaffung des Deutschen Heeres seit Jahrzehnten. Trotz aller Pannen und Verzögerungen bei dem Hightech-Fahrzeug schien immer klar: Der Puma ist die Zukunft der deutschen Panzergrenadiere. Er soll künftig Soldaten an die Front transportieren und ihnen dabei Feuerschutz geben. Sein jahrzehntealter Vorgänger, der Marder, kann zumindest bei der Bundeswehr seinen Dienst quittieren.
Doch der Prozess dauert lange. Auf dem Papier hat die Bundeswehr 350 Puma-Panzer, beim Heer sind es allerdings nur 326 Fahrzeuge, wie Robert Thiele vom Bundeswehrverband betont. „Die Soldaten warten sehnsüchtig auf neues Gerät“, sagt der Vorsitzende Heer.
Neues Gerät ist im Verteidigungsministerium auch durchaus grob in Planung. Über 50 weitere Puma-Panzer sollen bei Rheinmetall und Krauss-Maffei-Wegmann geordert werden. So steht es zumindest im Rüstungsbericht. Nach den Pannen im Dezember, als 18 Schützenpanzer bei einer Übung ausfielen, hatte die ehemalige Ministerin Christine Lambrecht (SPD) diese Nachbeschaffung noch infrage gestellt.
Doch mittlerweile gehen im politischen Berlin viele davon aus, dass die neuen Panzer - 17 Millionen Euro pro Fahrzeug - angeschafft werden sollen. Dem Sondervermögen sei Dank. Auch weil nach der ersten Aufregung klar wurde, dass der Ausfall mit Wartungs- und nicht mit Materialfehlern zu tun hatte. Sprich: die Bundeswehr selbst war Schuld, nicht der Hersteller. Nur regt sich aktuell nichts in Sachen Beschaffung, eine Vorlage für den Haushaltsausschuss lässt weiter auf sich warten. Er müsste die Bestellung freigeben. „Jeder Tag, an dem nicht gehandelt wird, ist vergeudet. Wir brauchen diese Panzer so schnell es geht”, stellt Robert Thiele klar. Zumal die Industrie wegen des Ukraine-Krieges ihre Kapazitäten auch anderweitig benötigt und ein zu reparierender Panzer, der in der Ukraine kämpfen soll, einem Puma-Neubau sicher vorgezogen würde.
Doch das Ministerium, dessen neuer Chef Boris Pistorius aktuell öffentlichkeitswirksam das Beschaffungswesen beschleunigen will, tritt auf die Bremse. Es ist noch nicht einmal klar, ob die neuen Panzer überhaupt kommen sollen. „Die Entscheidung zur Beschaffung des 2. Loses steht aus”, teilte ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion mit und meint damit zuvorderst die 50 Schützenpanzer. Heißt: Es ist keinesfalls sicher, ob überhaupt weitere Pumas kommen.
Wie unsere Redaktion erfuhr, soll vor allem die Fraktion der Grünen noch Nachbesserung gefordert haben. Dort ist man derzeit nicht von der Einsatzfähigkeit der Pumas überzeugt. Selbst die FDP, die sich für das sogenannte 2. Los „so schnell wie möglich“ ausspricht, hat noch eine Anmerkung: „Die Industrie muss allerdings davor überzeugend sicherstellen, dass der Schützenpanzer dann auch gefechtstauglich ist“, teilte der verteidigungspolitische Sprecher Alexander Müller unserer Redaktion mit.
Immerhin ein Sechstel der 100 Milliarden für die Landstreitkräfte vorgesehen. Davon müssen unter anderem aber auch die Nachrüstungen für die bereits vorhandenen Pumas bezahlt werden, ebenso neue Radpanzer. Welche Summe für die zweite Marge exakt veranschlagt wird, sagt das Ministerium nicht.
Auch nicht, was an den Gerüchten dran ist, dass im Mai die Preisbindung der Hersteller für die Fahrzeuge ausläuft und sich der Stückpreis dann sogar verteuern könnte. Dann wäre auch aus ökonomischer Sicht noch mehr Eile geboten. Nach Informationen unserer Redaktion läuft die Preisbindung am 12. Mai aus.
Dabei scheint schon jetzt klar, dass 50 neue Schützenpanzer gar nicht reichen, wenn der Puma seinen jahrzehntealten Vorgänger Marder wirklich vollumfänglich ersetzen soll:
Zum jetzigen Stand bräuchte das Heer 111 zusätzliche Panzer. Sieben der neun vorgesehenen Einheiten, sogenannte Bataillone mit mehreren Hundert Soldaten, sollen künftig mit dem Schützenpanzer ausgestattet werden. Aus Heereskreisen ist die Erwartung von 50 Fahrzeugen pro Bataillon zu hören. Weitere 87 werden außerhalb der Bataillone, etwa bei der Wehrtechnischen Schule, benötigt.
Theoretisch hätte es sogar noch mehr Panzer gebraucht, doch das neue Zielbild des Heeres sieht für zwei Bataillone vor, künftig gar nicht mehr mit auf Ketten unterwegs zu sein. Stattdessen seien hier für die schnellere Verlegbarkeit die Boxer-Radpanzer vorgesehen, von denen das Ministerium jüngst in Australien 100 Stück bestellte.
Derzeit fahren nach Bundeswehrangaben fünf Bataillone mit dem Puma, vier mit dem älteren Marder. Soldaten werden derzeit doppelt ausgebildet, auch das kostet Zeit. Doch neben dem Frust gibt es auch Sorgen, dass der Mangel an Puma-Panzern den Wartungsaufwand der Fahrzeuge erhöht. Wieso? Das erklärt Robert Thiele vom Bundeswehrverband folgendermaßen: „Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg im Einsatz ist das Vertrauen des Soldaten in seine Technik”. sagt er.
Wenn Panzer jedoch immer hin und her getauscht werden müssen, sei die Besatzung mit möglichen „Macken“ nicht mehr ausreichend vertraut. Nutzt ein Soldat immer dasselbe Gerät, „seinen eigenen “ Panzer, würde er auch weit sorgfältiger damit umgehen, als mit einem Fahrzeug, dass er nur ab und an benutzen kann. „Oder würden Sie bei einem Mietwagen vor der Abgabe den Ölstand kontrollieren?“, fragt Robert Thiele.
Nach Angaben mehrerer Bundestagspolitiker wird mit der Vorlage für die 50 neuen Puma-Panzer am 10. Mai gerechnet - sofern überhaupt eine kommt.