Hamburg Warum sich auch Jungs gegen Gebärmutterhalskrebs impfen lassen sollten
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird die „HPV-Impfung“ mit „Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs“ gleichgesetzt. Das ist nicht ganz richtig, weiß eine Expertin vom RKI. Denn auch Jungs können und sollten sich gegen HPV impfen lassen. Warum – wenn sie doch keine Gebärmutter haben?
Den meisten Menschen ist die „HPV-Imfpung“ als „Schutzimpfung gegen Gebärmutterhalskrebs“ bekannt. Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt diese Impfung seit 2018 aber nicht nur Mädchen, sondern auch Jungs (im Alter von 9 bis 14 Jahren). Das irritiert, schließlich haben Jungs haben doch keine Gebärmutter – warum sollten man sie dann gegen Gebärmutterhalskrebs impfen?
Das Problem liegt in der Bezeichnung, weiß Dr. Anja Takla. Sie arbeitet für das RKI (Robert Koch-Institut) in der Abteilung für Infektionsepidemiologie, Fachgebiet Impfprävention.
Frage: Frau Takla, wer zu Gebärmutterhalskrebs recherchiert, findet eine lange FAQ. Es wird beispielsweise von einer Schutzimpfung gegen Gebärmutterhalskrebs gesprochen, dabei ist sie gegen HPV. Was ist der Unterschied?
Antwort: Takla: Humane Papillomviren (HPV) können über sexuelle Kontakte zu Infektionen führen – an verschiedenen Stellen im Körper. Eine Stelle, die sehr häufig betroffen ist, ist der Gebärmutterhals. Bei den meisten Mädchen und Frauen ist der Körper in der Lage, innerhalb von sechs bis zwölf Monaten diese Infektion wieder loszuwerden. Es gibt aber einen Prozentsatz, bei denen diese Infektion weiter fortbesteht, hier spricht man von einer persistierenden Infektion.
Antwort: Wenn das so ist, kann diese fortbestehende Infektion über mehrere Jahre – man schätzt hier den Zeitraum auf drei bis sechs Jahre – dazu führen, dass sich deutliche Zellveränderungen bilden. Diese Zellveränderungen können dann, unbehandelt, immer weiter fortschreiten – bis hin zu Gebärmutterhalskrebs. Die HPV-Impfung ist damit eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, aber eben nicht nur.
Antwort: Eine HPV-Infektion kann bei Frauen auch zu Krebs im Bereich der Schamlippen, Vulva, und Vagina führen. Gleichzeitig sind Männer genauso von Krebs betroffen, der durch HPV-Infektionen ausgelöst wird. Bei ihnen kann es zum Beispiel zu Krebs im Bereich des Penis kommen und bei beiden Geschlechtern kann es zu Krebs im Bereich des Anus sowie im Mund-Rachen-Raum kommen.
Frage: Das heißt, der Begriff „Gebärmutterhalskrebs-Impfung“ ist eigentlich nicht richtig gewählt?
Antwort: Genau, es ist zwar die häufigste Krebslokalisation, HPV kann aber noch viele andere Stellen im Körper betreffen. Der erste HPV-Impfstoff war damals im Jahr 2006 zur Prävention gegen Gebärmutterhalskrebs zugelassen. Dieser Begriff hat sich mit den Jahren eingeschlichen, ist aber nicht gut, weil sich Jungs beziehungsweise deren Eltern beispielsweise so von der Impfung eher nicht angesprochen fühlen.
Vollstationäre Krankenhausbehandlungsfälle aufgrund von Gebärmutterhalskrebs in Deutschland in den Jahren von 2005 bis 2021:
Frage: Sollten sich Männer wie Frauen impfen?
Antwort: Ich würde zuerst korrigieren: Die STIKO, die die Impfempfehlungen in Deutschland macht, empfiehlt die HPV-Impfung nicht Männern oder Frauen, sondern Jungen und Mädchen – im Alter von neun bis vierzehn Jahren. Der HPV-Impfstoff ist kein therapeutischer Impfstoff, sondern ein prophylaktischer, also vorbeugender Impfstoff. Das heißt, er sollte gegeben werden, bevor die Jungen und Mädchen sexuell aktiv sind. Der Impfstoff wirkt nämlich am besten, wenn es noch nicht zu einer persistierenden Infektion gekommen ist. Denn wenn ich erst einmal so eine persistierende Infektion habe, dann kann mich der Impfstoff nicht mehr vor einer Infektion mit genau diesem HPV-Typ schützen.
Frage: Für diesen HPV-Typ?
Antwort: Es gibt viele verschiedene HPV-Typen, wovon einige als Hochrisikotypen bezeichnet werden. Hochrisikotyp heißt in diesem Zusammenhang, dass diese Typen Krebs verursachen können. Das sind vor allem die Typen 16 und 18. Die Niedrigrisikotypen wie zum Beispiel die Typen 6 und 11 können zu Genitalwarzen führen, die zwar harmlos, aber sehr unangenehm und häufig langwierig zu behandeln sind.